Gender Empathy Gap Day

Heute ist der Tag der Geschlechter-Empathie-Lücke.
Ich wurde gebeten, darauf aufmerksam zu machen. Das hatte ich ohnehin vorgehabt, zumindest auf Twitter. Vielleicht hätte ich auch auf meinen Blogeintrag von vor drei Jahren verlinkt.

Ein aktueller Beitrag findet sich auf MANNdat.de.

Belange und berechtigte Anliegen von Männern werden in unserer Gesellschaft praktisch nicht wahrgenommen, egal ob es sich um Gewalt, sexuelle Belästigung, berufliche Diskriminierung, Nachteile im Familienrecht für Väter, genitale Beschneidung kleiner Jungen, Schmähung von Incels, und etliches mehr handelt.

Nach meinem Eindruck und langjährigen Beobachtungen, wird der Begriff „Empathie“ ohnehin nur für Frauen (und teilweise Kinder) angewandt. Für Männer scheint er überhaupt nicht zu gelten. Insofern ist die Bezeichnung „gap“ oder „Lücke“ noch ein Euphemismus.

Ich erinnere mich gerade wieder an den Lateinunterricht in der Schule.
Es gab da einige Worte, die angeblich geschlechtsspezifisch genutzt wurden. Es war wohl eher scherzhaft gemeint, aber was bei Frauen „neugierig“ entsprach, hieß bei Männern „wissensdurstig“. Ein Mann war „beredsam“, eine Frau „geschwätzig“.
Ein ähnliches Phänomen scheint auch für die Empathie zu gelten (wenn auch mit vertauschten Rollen). Einfühlungsvermögen, Verständnis und Mitgefühl empfindet man nur für Frauen. Für das analoge Gefühl für Männer gibt es nicht einmal ein Wort.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | 2 Kommentare

Sehr sehr oft

Eine als „Experiment“ getarnte Umfrage wurde von Twitter in meine Timeline gespült. Es sollte – sehr einseitig und manipulativ – um Belästigung von Frauen gehen. Da die Autorin viel negative Kritik dazu bekam, hat sie den Tweet inzwischen gelöscht. Ich möchte hier auch gar nicht näher darauf eingehen.
Als ich mir die Antworten dazu näher ansah, fiel mir der folgende auf:

Dabei war der zweite Satz eigentlich off-topic.

Dass von Männern meine Kompetenz in technischen Dingen in Frage gestellt wurde, weil ich eine Frau bin: habe ich sehr sehr oft erlebt.

Wenn jemand etwas „sehr sehr oft erlebt“, liegt die Vermutung nah, dass dies einen Grund hat. Ich fragte also nach:

Darauf hin wurde ich von mehreren Seiten (inzwischen teilweise gelöscht) angegangen, wie ich denn dazu käme, die technische Kompetenz einer mir unbekannten Frau in Frage zu stellen.
Erst zwei Tage später bekam ich eine Antwort von der ursprünglichen Adressatin.

Sie wiederholte also, dass ihr das „sehr sehr oft“ passiert wäre, und begründete dies damit, in einem „entsprechenden Beruf“ gearbeitet zu haben.
Wenn ihre Argumentation stimmen würde, dann müsste dies anderen Frauen, die ebenfalls in einem „entsprechenden Beruf“ arbeiten, zumindest „sehr oft“ passieren. Seltsamerweise erleben Frauen, die tatsächlich etwas auf dem Kasten haben, so etwas aber nie bis höchstens selten.
Ihre Aussage, ihre Kompetenz würde in Frage gestellt, weil sie eine Frau ist, ist somit widerlegt.
q.e.d.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , | 3 Kommentare

Motivation und Vorbilder in MINT-Berufen

Es ist bereits über zwei Monate her, als ich auf einen Blogeintrag reagierte, in dem es darum ging, warum es so wenig Frauen in der Theoretischen Physik gibt, und wie man mehr dazu motivieren könnte.
Ich fragte nach der Sinnhaftigkeit der Erhöhung des Frauenanteils, bekam eine Antwort, auf die ich wieder ausführlich einging.
Darauf bekam ich keine weitere Erwiderung mehr, obwohl ich noch länger darauf wartete. Zwischenzeitlich war ich anderweitig eingespannt, so dass mir die Zeit fehlte, das Thema zu behandeln. Das hole ich jetzt nach.
Der Einfachheit halber wiederhole ich hier einfach meinen letzten Kommentar, wenn auch etwas gekürzt.
Statt „Theoretischer Physik“ kann man sich eigentlich auch jeden anderen Beruf denken, der nicht den primären Interessen der (zu motivierenden) Personen entspricht.

Warum war es [Vorbildfunktion] bei Männern anders?

Das war es doch gar nicht. Auch bei Männern musste immer erst einer den Anfang machen. Oft war dies mit großen Risiken verbunden, und die meisten dürften gescheitert sein.
Im Rückblick sieht man freilich nur noch die Erfolge, und nicht mehr die (oft vergeblichen) Mühen, Widerstände, Hindernisse und Irrwege.

[..]

denn wenn es uns nicht als Möglichkeit erscheint, dass wir uns für theoretische Physik interessieren, dann werden wir das vermutlich auch nicht.

Das hätte man als Argument durchgehen lassen können, wenn es heutzutage nicht moderne Medien, insbesondere das Internet, gäbe.
Dadurch hat jeder Mensch die Möglichkeit, sich nahezu beliebig ausführlich und detailliert über jedes gewünschte Thema zu informieren. Freilich braucht es dazu eine gewisse Eigeninitiative. Aber die sollte man tatsächlich bei Menschen mit einer gewissen Affinität zu Naturwissenschaften voraussetzen.

[..]
Wir sollten uns darauf fokussieren, interessierten Menschen – unabhängig vom Geschlecht – alle Chancen zu bieten, einen Beruf ihrer Wahl zu ergreifen, den sie dauerhaft erfolgreich und zufrieden ausüben können.
Ich halte es für abträglich, durch Aktionen wie etwa den Girls‘ Day zu versuchen, gezielt Mädchen für MINT-Berufe anzuwerben (während hochinteressierte Jungen ausgeschlossen werden). Das altertümliche Frauenbild dahinter traut doch offenbar den Mädchen nicht zu, von sich aus einen geeigneten Beruf zu finden, der zu ihnen passt, den sie gerne und sachkundig ausüben.
Nicht umsonst halten sich die „Erfolge“ des Girls‘ Days auch in sehr überschaubaren Grenzen. Nur wenige Mädchen entscheiden sich daraufhin für einen entsprechenden Beruf. Ein nicht unerheblicher Teil bricht die Ausbildung oder das Studium wieder ab, weil entweder doch die Fähigkeiten fehlen, oder die jungen Frauen einsehen müssen, dass sie sich dort doch nicht wohlfühlen. Diesen Fehlschlag hätte man ihnen ersparen können.

Die Theoretische Physik profitiert von jedem Menschen, der sich kompetent und engagiert für neue Modelle und kreative Lösungen einsetzt. Das ist nicht an das Geschlecht gebunden. Geeignete Frauen haben die gleichen Möglichkeiten wie geeignete Männer, diesen Weg einzuschlagen. Aber sie müssen es selbst wollen, und sollten nicht von anderen in diese Richtung gedrängt werden.

Im Beitragtext argumentierte die Autorin sinngemäß, dass der Frauenanteil in einem Beruf davon abhängt, wie viele Frauen bereits vorher in diesem Beruf tätig sind, da sie sie als Vorbilder sehen.
Als Gegenbeispiel möchte ich die Informatik nennen. Ursprünglich war Programmierung eine typische Frauentätigkeit. Programmierung war damals aber nicht das, was wir heute unter Softwareentwicklung verstehen. Stattdessen ging es im Wesentlichen darum, Daten einzugeben. (Übrigens war Margret Hamilton eine Pionierin des Software Engineerings.) Es gab also Frauen, die als Vorbild hätten dienen können. Trotzdem ging der Anteil der Frauen in der Informatik zurück, als Programmierung komplexer und anspruchsvoller wurde.

Man sollte auch den abschreckenden Effekt nicht unterschätzen, wenn als unpassend oder gar unsympathisch wahrgenommene Menschen als Vorbild propagiert werden.
Warum wohl hat es keinen Anstieg der Zahl der Physikstudentinnen gegeben, als wir eine Physikerin als Bundeskanzlerin hatten?
Die Physiklehrerin, die ich in der Schule hatte, war meiner Berufsentscheidung keinesfalls förderlich.
Die wissenschaftlichen Verdienste von Emmy Noether sind unstrittig, optisch aber ist sie keine Person, der man (als junges Mädchen) nacheifern möchte.
Ich kann mir sogar vorstellen, dass Sheldon Cooper manchen Jungen von der Theoretischen Physik abschrecken könnte, wenn dieser nicht von vornherein das passende Nerd-Mindset hat. Um diese ist es dann auch nicht schade.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , | 18 Kommentare

Reblogged: Wie innen, so außen – breakpoint

Weiterbildungsmaßnahmen sind in den letzten zwei Jahren in der Firma zu kurz gekommen. In den letzten Wochen habe ich dafür wieder gehäuft genehmigt, dass meine Mitarbeiter Messen, Kongresse oder andere geeignete Veranstaltungen besuchen dürfen, um dort ihren fachlichen Horizont zu erweitern. Ebenfalls im Rahmen von Weiterbildung war ich auf der Suche nach einer Software, die […]

Wie innen, so außen //2724 — breakpoint
Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Reblogged: Wie innen, so außen – breakpoint

Die Undankbarkeit von Müttern

Eigentlich habe ich nicht genügend Zeit, um einen ausführlichen Blogeintrag zu erstellen.
So ganz unbeachtet möchte ich aber einen Text, den ich entdeckt habe, auch nicht lassen.

Die Ausführungen der Autorin wenden sich insbesondere an Vollzeit arbeitende Väter, und nehmen Bezug auf deren häufige Äußerungen wie:

„Ich arbeite Vollzeit. Abends und am Wochenende helfe ich meiner Frau mit den Kindern, wo ich kann. Und trotzdem ist sie nicht zufrieden!“ – „Ich kann ihr nichts recht machen. Wenn ich mit anpacke, meckert sie nur!“ Oder: „Typisch Maternal Gatekeeping – eigentlich will sie gar nichts abgeben – sonst würde sie doch nicht \“Nein\“ sagen, wenn ich ihre Aufgaben am Wochenende übernehmen will?“

Bei all ihren Darlegungen nimmt die Autorin überhaupt nicht zur Kenntnis, dass sie es dem Einsatz des Vaters ihres Kindes verdankt, dass sie selbst mehr Zeit ihrem Kind widmen kann. Schließlich arbeitet der Vater nicht zu seinem Privatvergnügen, sondern primär um seine Familie ernähren zu können.
Es ist im höchsten Maße undankbar, dann auch noch zu erwarten, dass er in seiner wenigen Freizeit auch noch die unangenehmeren Aufgaben der Kinderversorgung übernimmt. Einfach ein wenig gemeinsame, unbeschwerte Zeit mit dem Kind gönnt man ihm ja nicht, sondern erwartet, dass er – zusätzlich zu einem vielleicht stressigen Job – noch Verantwortung für irgendwelchen Kleinkram übernimmt. Aber wehe!, er macht es nicht genauso, wie es sich die Mutter vorgestellt hat. Wenn man nicht delegieren kann, und andere Vorgehensweisen nicht erträgt, muss man es eben selbst machen.
Keinerlei Selbstreflexion der Autorin. Schuld sind die Väter, die den „Rahmen durch ihre Arbeit und ihre Prioritäten vorgeben“.
Wie kann man nur so selbstgerecht mit gutwilligen, fürsorglichen Vätern umgehen, die – trotz beruflicher Verpflichtungen – einfach nur Anteil am Aufwachsen ihrer Kinder nehmen wollen.

Ups .. jetzt ist das doch ein wenig zu einem Rant ausgeartet, auch wenn ich gar nicht so viel Zeit hineinstecken wollte.
Das Problem ist, dass solche Anspruchshaltungen einiger Mütter, die mit nichts zufrieden sind, und die Väter am liebsten ganz aus dem Leben mit dem gemeinsamen Kind herausdrängen wollen, sich auf das allgemeine gesellschaftliche Leben niederschlägt.
Erwachsene Menschen sollten doch in der Lage sein, ihr Familienleben einvernehmlich zu regeln und ihre Aufgaben passend aufzuteilen. Wer das nicht kann, soll doch – mit Verlaub – es unterlassen, Kinder in die Welt zu setzen.
Dieses Herumlamentieren einiger Mütter geht mir, ehrlich gesagt, auf den Keks. Die Leidtragenden sind dann vor allem die Kinder, die von solchen frustrierten Müttern vermittelt bekommen, sie seien nur Belastung und Ursache aller Probleme.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , | 15 Kommentare

Reblogged zum #Muttertag: #Blogparade #heystarkemama #Corona

Als wir uns entschlossen, uns fortzupflanzen, gab es Corona scheinbar noch nicht, war zumindest noch längst nicht zum alles beherrschenden Thema geworden. Es verging etwas Zeit für Vorbereitungen und Planungen, bevor wir unser Vorhaben umsetzen konnten. In dieser Zeit war dann zum ersten Mal im Radio zu hören, dass in China ein neuartiges Virus aufgetreten […]

#Blogparade: #heystarkemama //2720 — breakpoint
Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Reblogged zum #Muttertag: #Blogparade #heystarkemama #Corona

Reblogged: Volle Brüste – ein Erfahrungsbericht //2674

breakpoint

Es ist wohl an der Zeit, einmal über das Stillen zu bloggen, auch wenn, oder gerade weil, es inzwischen am längsten gedauert hat.
Die Vorteile vom Stillen liegen nicht nur in der unübertrefflichen Praktikabilität und Effizienz, bei der der Säugling alle Nährstoffe, die er braucht, in der optimalen Zusammensetzung erhält, ohne dass die Betreuungspersonen sich mit Fläschchen und dergleichen abmühen müssten. Gleichzeitig erhält er über Bestandteile der Milch Immunschutz gegen einige Infektionskrankheiten und arteigenes Eiweiß, dass nicht nur die Gehirnentwicklung unterstützt, und perfekt auf einen menschlichen Säugling abgestimmt ist.
Rein statistisch haben Mütter, die gestillt haben, ein geringeres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.
Stillen bedeutet ebenfalls Wärme, Körperkontakt, Bindung. Nichts beruhigt ein weinendes Stillkind besser, als es saugen zu lassen. [Fasziniert davon sagte Carsten mal sinngemäß – den genauen Wortlaut kriege ich nicht mehr zusammen: „Selbst wenn man ihm einen Finger abschneiden würde, sobald er an der Brust ist, wäre…

Ursprünglichen Post anzeigen 799 weitere Wörter

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Reblogged: Volle Brüste – ein Erfahrungsbericht //2674

Reblogged: Genderazzi //2543

breakpoint

Der Webmaster hatte mir eine Mail weitergeleitet, in der kritisiert wurde, dass unsere Website nicht „geschlechtergerecht“ formuliert und gestaltet sei.
Ja, das weiß ich schon. Wir nutzen noch – aus Überzeugung – das generische Maskulinum, weil dies unabhängig vom Geschlecht alle meint. Noch gerechter geht nicht. Bisher hatte kein Kunde damit ein Problem. Wer sich davon nicht angesprochen fühlt, soll woanders glücklicher werden.
Ich habe nicht die geringste Absicht, da etwas zu ändern, und werde keine geschlechtertrennende und spaltende Sprache einführen. Falls der Druck (durch tatsächliche Kunden, nicht solche Aktivistixe und Weltverbessys) irgendwann zu groß würde (wovon ich nicht ausgehe, aber schließlich kann niemand in die Zukunft sehen), wird die Website halt nur noch in Englisch aufrufbar sein. Wir sind ein internationales Unternehmen. Da reicht das. [Und Deutsch ist ja eh irgendwie igitt und weiß und so.]

Irgendwelche Sternchen, Doppelpunkte, Underscores einzustreuen, habe ich keine Lust, zumal die Befürworter sich…

Ursprünglichen Post anzeigen 156 weitere Wörter

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

#breakthought: Beispiel für Frauenfeindlichkeit

Im Internet habe ich zufällig dieses Bild gesehen.

Ich weiß nichts über die Hintergründe, möchte nur kurz ein paar Gedanken dazu loswerden.

Wieviel Neid und Missgunst muss hinter den geradezu bösartigen Äußerungen von Frau Seitz stehen! Sie impliziert, dass Frau Schuster ihre weiblichen Reize einsetzt, um Kompetenzmängel zu verdecken. Als ob sich beides ausschließen würde.
Nach üblichen Maßstäben ist Frau Schuster eine attraktive Frau. Von Frau Seitz ist das nicht bekannt.
Die Kompetenz von Frau Schuster kann ich ohne weitere Informationen nicht beurteilen. Ja, soll sie sich denn verstecken, oder in Sack und Asche gehen, damit Frau Seitz zufrieden ist?
Es ist hochgradig misogyn und sexistisch, andere Frauen so abzuwerten, bloß weil sie ein angenehmes Aussehen haben. IMHO setzt sich Frau Schuster auf den Wahlplakaten nicht übertrieben in Szene, sondern wirkt sympathisch und authentisch.
Frau Seitz mahnt das Fehlen „inhaltlicher Positionen in Sachfragen“ an, kritisiert aber selbst völlig ohne Sachbezug die Darstellung von Frau Schuster auf den Wahlplakaten (die sehr wohl in Sachfragen Stellung beziehen). Doppelmoral aus dem Bilderbuch. Ist das die vielgepriesene Solidarität unter Frauen?

Diese gehässigen Äußerungen von Frau Seitz sind außerdem auch bevormundend den Wählern gegenüber. Die Wähler entscheiden selbst, nach welchen Kriterien sie die Wahlkandidaten beurteilen. Ob das Frau Seitz nun passt, oder nicht.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | 19 Kommentare

„Zur Unterrepräsentation von Frauen in MINT“

Das wird diesmal wieder ein längerer Beitrag.
Ich verlinke auf einen Artikel bei Heise, der sich auf eine soziologische Studie bezieht, die im nächsten Bundesgleichstellungsbericht veröffentlicht wird. (Das Dokument habe ich zwar ebenfalls heruntergeladen, aber schon nach wenigen Zeilen aufgehört zu lesen, als das Underscore-Innen-Gegendere anfing.)
Im Text wird munter Informatik und Naturwissenschaft durcheinander geworfen. Ich rede hier allgemeiner von MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) bzw. STEM (Science, Technology, Engineering, Mathematics).

Nach der Überschrift „Studie: \“Nerd\“-Klischee schreckt Frauen vom Informatik-Studium ab“ folgt die Einleitung:

MINT-bezogene Geschlechter-Stereotype könnten ein Grund dafür sein, dass Frauen in den Naturwissenschaften unterrepräsentiert sind, belegt eine aktuelle Studie.

Wie gesagt – Informatik ist keine Naturwissenschaft. Ein präzisere Terminologie wäre schon mal wünschenswert.

„Berufsbilder wie Ingenieur oder Informatiker sind noch immer männlich konnotiert“, erläutert Jeanrenaud die Hintergründe. Insbesondere klischeehafte Rollenbilder wie die des „Computer-Freaks“ würden so gut wie ausschließlich für junge Männer gebraucht. „Viele Frauen fürchten sich davor, von ihrer ‚Weiblichkeit‘ einzubüßen, wenn sie sich auf dieses männlich besetzte Terrain vorwagen“, hat der studierte Soziologe herausgefunden.

Wie kann man nur auf die Idee kommen, durch die Beschäftigung mit männlich konnotierten Berufen, würden Frauen ihre „Weiblichkeit einbüßen“? Sicher gibt es einige Frauen, die mit Hosen und kurzen Haaren herumlaufen, um sich optisch Männern anzugleichen. Aber das dürften Ausnahmen sein.
Niemand nötigt Frauen, Klischees zu entsprechen. Die Weiblichkeit ist nirgends in Gefahr.
Wer sich so leicht von irrigen Vorurteilen beeinflussen oder gar abschrecken lässt, ist in MINT fehl am Platz. Also Mädchen und Frauen, die ihr um eure Weiblichkeit fürchtet, sucht euch besser einen anderen Job, macht was „mit Menschen“ oder so. MINT braucht keine Leute, die sich so leicht ohne jegliche stichhaltige Fakten verunsichern lassen. Macht was anderes!

Außerdem orientieren sich junge Frauen laut dem Schweizer bei der Berufswahl oft noch an bestimmten sozialen Mustern und wünschen sich berufliche Tätigkeiten, „bei denen sie mit anderen Menschen zu tun haben oder das Gefühl haben, etwas Sinnstiftendes zu tun“.

Wenn sie das doch so wollen, sollte man sie einfach lassen, anstatt sie zu bevormunden und in unerwünschte Berufsfelder zu drängen.
Ganz davon abgesehen, gibt es wohl kaum etwas „Sinnstiftenderes“ als Innovationen voranzubringen, wie dies nur in MINT-Berufen der Fall ist.

Vielen MINT-Berufen hafte dagegen noch „das Image der isolierten Beschäftigung mit Dingen statt mit Menschen an“.

Und das ist gut so!
Auch wenn es nicht immer um konkrete Dinge geht, sondern etwa auch um Zahlen, Konzepte, Algorithmen, .. hach!
Mit Menschen hat man deshalb immer noch mehr als genug zu tun. Das lässt sich leider nicht völlig vermeiden.

Eine Umfrage im Auftrag von Microsoft hatte 2017 schon ergeben, dass Informatik & Co. bei Mädchen oft als zu wenig kreativ gelten.

Was könnte kreativer sein, als selbst etwas Neues zu entwickeln, und sei es nur etwas Quellcode.
Die Beschäftigung mit Menschen ist dagegen vor allem reaktiv. Da bleibt kaum Raum für Kreativität.

Auf jeden Fall seien „mehr weibliche Vorbilder und positive Rollenmodelle“ nötig, so der Gender-Forscher.

Wozu braucht man Vorbilder? Und selbst wenn, warum sollen die weiblich sein?
Überall sonst soll das Geschlecht einer Person ignoriert werden, und hier ist es auf einmal relevant?
Wer unbedingt ein Vorbild braucht, findet es auch abseits seiner eigenen Gruppenzugehörigkeiten.
Wenn ich überhaupt jemals ein Vorbild gehabt haben sollte, so war das Mr. Spock, der noch nicht einmal der gleichen Spezies angehört.

Das müssten nicht immer nerdige Superheldinnen sein wie Lisbeth Salander, die Hackerin aus den Krimis des schwedischen Autors Stieg Larsson.

Von diesem Film habe ich nur ein paar kurze Ausschnitte gesehen. Da kam eine unsympathische Frau mit gefärbten Haaren und Piercings vor. So ein Styling ist allerdings abstoßend, man muss sich aber nicht damit gemein machen. Mit Nerdigkeit hat es nichts zu tun. Nerds erkennt man nicht an ihrem Aussehen, sondern daran, wie sie denken.

Mitunter werde Mathematik im Informatik-Studium, in dem der Anteil des weiblichen Geschlechts mit 22 Prozent besonders niedrig ist, überbetont

Abgehobene Mathematik ist normalerweise in Informatik nicht nötig, aber ohne vertiefte Kenntnisse, die deutlich über den Abiturstoff hinausgehen, in Algebra, Geometrie, Analysis, Stochastik und vor allem Numerik sowie Logik geht es auch nicht.

„Wir müssen gerade auch die normal begabten Schülerinnen für ein Informatik- oder Technik-Studium begeistern.“

Warum? Auf Mittelmaß können wir verzichten.
Wir sollten besser alle überdurchschnittlich begabten Schüler – unabhängig von ihrem Geschlecht – begeistern und fördern. Beispielsweise den Girls‘ Day auch für Jungen öffnen.

Weibliche Charaktere in Computerspielen seien „noch immer viel zu oft als Sexobjekte angelegt“.

Und das ist gut so. Schließlich wollen auch Frauen einen Avatar, mit dem sie sich identifizieren können.
Man kann nicht einerseits behaupten, Nerdberufe würden Frauen ihre Weiblichkeit nehmen, andererseits darüber klagen, wenn dies offensichtlich doch gerade nicht so ist, also Frauen ausdrücklich weiblich dargestellt werden.
Letzendlich gehört zum Mindset von (Computer)-Nerds auch eine ausgeprägte Objektorientierung.


Schließlich habe ich meinen Widerwillen gegenüber den Gender_innen überwunden, und die oben verlinkte Studie doch noch grob überflogen.
Dabei habe ich noch eine Stelle entdeckt, die hier ganz leicht off-topic führt, die ich aber trotzdem noch kurz besprechen möchte.

Interessant ist in diesem Zusammenhang aber auch eine aktuelle fMRT-Studie (Siegmund et al. 2020), die aufzeigt, dass für Programmiertätigkeiten, also vornehmlich die Analyse von Quelltexten, vielmehr Sprachverständnis und nicht wie landläufig angenommen
mathematisch-logische Fähigkeiten gefragt sind. Diese Vermutung wurde innerhalb der Informatik schon in den 1980er-Jahren diskutiert (exempl. Denning 1989). Der Forschungsbedarf ist auch hier groß, doch sind solche Erkenntnisse gerade vor dem Hintergrund des Berufsbildes und der Vorstellung, welche Voraussetzungen eine Informatikerin mitbringen sollte, höchst relevant. Wenn es gelingen würde, Mädchen und jungen Frauen zu erklären, dass eine Bestnote in Mathematik nicht nur kein Garant für einen guten Informatik-Abschluss, sondern bei weitem keine Voraussetzung für das IKT-Studium ist, wäre vermutlich viel gewonnen. Gerade auch weil Sprachverständnis dem weiblichen Stereotyp entsprechen würde. Hier wäre es sicherlich lohnend, weitere Forschung sowie praktische Maßnahmen und Projekte anzustoßen.

Das ist nichts Neues. Auf die Ähnlichkeit mit der Auftröselung eines lateinischen Textes hatte ich schon mehrfach hingewiesen.
Die verschachtelte Struktur eines lateinischen Satzes zu erfassen, übt es ungemein einen (unbekannten oder vergessenen) Quellcode zu überblicken.
Diese sprachliche „Textanalyse“ nützt einem aber wenig, wenn man aktiv selbst programmieren muss, bzw. erst einmal die Architektur entwerfen und neue Algorithmen entwickeln muss.
Zu bedenken ist außerdem, dass die Aufgaben von Informatikern vielfältig sind. Die wenigsten beschäftigen sich hauptsächlich mit der Analyse bestehenden Quellcodes (dafür gibt es extra Software, weil es sich automatisieren lässt).


Nachtrag:
Zu den tatsächlichen Gründen für Geschlechterunterschiede in STEM/MINT finden sich auf AllesEvolution überzeugendere Studien:

  • Teil 1: Präferenzen und Prioritäten
  • Teil 2: Kognitive Fähigkeiten
  • Teil 3: Variabilität
  • Teil 4: Vorurteile und Diskriminierung am Arbeitsplatz
  • Teil 5: Politische Implikationen
  • Teil 6: Nivellierung des Spielfelds vs. Angleichung des Geschlechterverhältnisses
  • Teil 7: Schlussfolgerungen

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | 47 Kommentare