Boys‘ Day in BW: Jungs dürfen pflegen. Außer Hochdeutsch.

Girls‘ bzw. Boys‘ Day hatte ich schon öfter thematisiert.
Meine Einstellung dazu ist klar: Ich halte es für Benachteiligung von Schülern, wenn sie allein aufgrund ihres Geschlechts von einer Veranstaltung ausgeschlossen werden, während Schüler des anderen Geschlechts daran teilnehmen sollen, obwohl sie sich – im statistischen Mittel – weit weniger für die jeweilige Thematik interessieren.
Es ist nicht einzusehen, gerade interessierten Schülern solch eine Informationsmöglichkeit zu verweigern, die für ihren künftigen Berufsweg relevant sein kann.

Es wird immer wieder angeführt, dass diese Schüler ja an Praktika teilnehmen könnten, so dass der [Girl|Boy]s‘ Day nicht ins Gewicht fällt.
Aber warum führt man ihn dann überhaupt durch?
Interessante Praktikumsplätze sind begrenzt, so dass nur wenige Schüler tatsächlich ein Praktikum durchführen können, das ihnen später tatsächlich hilfreich für ihre Berufsplanung ist.
Beispielsweise nehmen wir normalerweise auch keine Praktikanten in unserem Betrieb (Ausnahmen gibt es z.B. für Kinder von Mitarbeitern). Wenn man Praktikanten nicht nur als billige Arbeitskräfte gebrauchen will, sondern ihnen tatsächlich etwas zeigen und beibringen will, so ist das ein ziemlicher Betreuungsaufwand.
In einer Großstadt mag es noch ein akzeptables Angebot an Praktikumsplätzen geben. Schüler auf dem Lande müssen sich mit dem begrügen, was da ist, obwohl es nur in seltenen Fällen tatsächlich ihren Interessen entsprechen dürfte.

Auch der [Girl|Boy]s‘ Day verursacht einigen Aufwand, aber der Einsatz betreuender Mitarbeiter beschränkt sich auf einen einzigen Tag. Die veranstaltenden Privatunternehmen nehmen diesen Aufwand freiwillig auf sich, ohne einen direkten Vorteil daraus zu ziehen, und so wäre es nur fair, wenn ihnen auch die Auswahl der teilnehmenden Schüler alleine zustehen würde.
Aber – nein! – da machen ihnen die Kultusministerien der Länder einen Strich durch die Rechnung, indem Schülern die Freistellung vom Schulunterricht versagt wird, wenn Berufe angeboten werden, die nicht typisch für das andere Geschlecht sind.

In Bayern etwa gilt für den Boys‘ Day:

Es ist darauf zu achten, dass Jungen nur frauentypische Berufe kennenlernen.

(Die EMN mag nicht repräsentativ für andere Regionen in Deutschland sein, aber hier war es in den letzten Jahren so, dass es ein sehr großes Angebot für den Girls‘ Day gab (also vor allem technische Berufe), während Jungen nur eine äußerst beschränkte Auswahl an zugelassenen Plätzen hatten.)
Die meisten anderen Bundesländer handhaben dies ähnlich. Lediglich Brandenburg führt einen „gemischtgeschlechtlichen Zukunftstag für Mädchen und Jungen zur allgemeinen Berufsorientierung“ durch.

Oft wird damit argumentiert, dass der [Girl|Boy]s‘ Day dazu dienen soll, Schüler gerade für geschlechtsuntypische Berufe zu interessieren. Aber auch (oder gerade dann) wenn man dies so akzeptiert, ist der Sonderweg, den Baden-Württemberg eingeschlagen hat, nicht nachzuvollziehen.

In Baden-Württemberg wird der Boys’Day nur in Organisationen und Institutionen im sozialen, pflegerischen, erzieherischen und gesundheitlichen Bereich durchgeführt.

Das führt dazu, dass in Baden-Württemberg eine Reihe Berufe nicht zugelassen sind (z.B. Kaufmann für Bürokommunikation, Bibliothekar, Friseur), die in anderen Bundesländern erlaubt sind.

Dass Baden-Württemberg den Boys‘ Day besonders restriktiv handhabt, musste Herr Dr. Bruno Köhler (Leiter des Projektes „Jungenleseliste“) erfahren, als er 2016 glaubte, einen Boys‘-Day-Platz für seinen Sohn in einer Gemeindebibliothek gefunden zu haben.
Die zuständigen Damen widerriefen jedoch ihre Zusage mit Verweis auf die Regelung in BW, die den Boys‘ Day auf eine Auswahl von Berufen im wesentlich sozialen Bereich beschränkt.
Es entwickelte sich daraufhin ein Mailwechsel zwischen Herrn Dr. Köhler und einem Mitarbeiter der Arbeitsagentur, der in BW für die Landeskoordination des Boys‘ und Girls‘ Days zuständig ist. Der Mailwechsel liegt mir vor. Darin wird die Einschränkung der für den Boys‘ Day erlaubten Berufe folgendermaßen begründet:

Im Unterschied zum Girls‘ Day steht beim Boys‘ Day vor allem auch das Rollenverständnis der Jungs im Mittelpunkt. Der Boys‘ Day will und soll dazu beitragen, die scheinbar gesellschaftlich zugeschriebenen Rollen zu hinterfragen und den Jungs eine eigenständig entwickelte Berufs- und Lebensplanung zu ermöglichen.

Bislang entscheidet sich etwa ein Drittel der männlichen Auszubildenden für einen von zehn jungentypischen Ausbildungsberufen im dualen System – kein einziger aus dem sozialen, erzieherischen oder pflegerischen Bereich ist darunter. Pflege, Erziehung: Sorgeberufe sind bislang „weiblich besetzt“. [..]
Am Boys‘ Day können und wollen wir nicht alle unbekannten Berufe aufzeigen, sondern konzentrieren uns auf diejenigen, die fest mit „weiblich“ konnotiert sind.

Der Boys‘ Day hat zum Ziel, das geschlechtsspezifische Berufswahlverhalten von Jungs, aber auch das Einstellungsverhalten von Betrieben und Einrichtungen „aufzubrechen“, das männliche Rollenbild zu erweitern. Jungs sollen ihre sozialen Kompetenzen nicht durch Theorie, sondern durch den praktischen Arbeitsalltag in erzieherischen und pflegerischen Berufe „erfahren“ können. [..]

Im Jahr 2009 hat sich der Lenkungsausschuss Baden-Württemberg (Mitglieder sind: das Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren, das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft und das Ministerium für Integration, der Städte-, Gemeinde- und Landkreistag, die Landesvereinigung Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände e.V., der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Liga der freien Wohlfahrtspflege, die Landeszahnärztekammer, die Landesärztekammer und die Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit) klar positioniert: Analog zum Fokus am Girls‘ Day für Mädchen vor allem auf den „untypischen“ sogenannten MINT-Berufen, soll der Fokus bei den Jungen an diesem Praxistag vor allem aus den genannten Gründen auf dem zukunftsträchtigen Berufsfeld der Pflege-, Erziehungs- und Gesundheitsberufe liegen.

Diese „Fokussierung“ ist eine Übereinkunft des Lenkungsausschusses Baden-Württemberg, der sich bewusst gegen weitere Berufsfelder entschieden hat, um eine Aufweichung des Boys‘ Day-Profils zu verhindern. [..]

Uns allen gemeinsam ist doch der Wunsch, dass zumindest an diesem einen Tag im Jahr Mädchen und Jungs ein Berufsorientierungsangebot gemacht wird, dass das Berufswahlverhalten „typisch Mann, typisch Frau“ bewusst hinterfragt.

Herr Dr. Köhler fragte zurück:

Meine Frage war, warum in BW im Gegensatz zu allen anderen Bundesländern Jungen am Boys´Day „nur“ die Hälfte der „Frauenberufe“ sich anschauen dürfen. Ich finde es aufschlussreich, dass ausgerechnet eine grün-rote Regierung immer noch Probleme mit einem männlichen Friseur, einem männlichen Verwaltungsbeamten und einem Bibliothekar hat.

Bezeichnenderweise erhielt er erst nach der zwischenzeitlich erfolgten Landtagswahl eine Antwort:

Beim Boys‘ Day in Baden-Württemberg wird der Schwerpunkt daher auf Berufe aus den Bereichen Soziales, Gesundheit, Pflege und Erziehung gelegt, da diese noch stärker weiblich geprägt sind und hauptsächlich mit „weiblichen“ Eigenschaften wie Einfühlungsvermögen oder soziale Kompetenz besetzt werden, was es jungen Männern erschwert ihr Interesse für diese Bereiche zu äußern.

Dr. Bruno Köhler gewann dadurch den Eindruck, dass

die Intension in BW für Mädchen und Jungen offenbar eine ganz andere ist. Der Girls Day soll dazu dienen, Mädchen frauenuntypische Berufe vorzustellen. Man will also was für Mädchen machen. Der Boys Day ist für die Arbeitgeber im Sozial- und Gesundheitsbereich, um Jungen dafür anzuwerben. Jungen sind also nur Mittel zum Zweck. Es ist diese unterschiedliche Einstellungen zu Mädchen und Jungen, die hier offensichtlich wird.

Baden-Württemberg macht auffällige Werbung damit, nicht Hochdeutsch zu können.

Ist es deshalb legitim, einem Jungen einen erhellenden Tag in einer Bibliothek zu verwehren, die ihm Impulse in sprachlicher Hinsicht hätte geben können? Es gibt kein besseres Mittel, Lesekompetenzen zu erwerben, als mit Büchern umzugehen.
Jungen haben diesbezüglich leider häufig Defizite im Vergleich zu Mädchen.
Der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist Schirmherr des Jungenleseförderprojektes Kicken und Lesen. Da hätte man erwarten können, dass Baden-Württemberg sich wirklich um die Zukunft der Jungen sorgt, und nicht einseitig nur die Zukunft der Mädchen ein Anliegen ist.

Ursprünglich war der „Zukunftstag“ einmal dafür gedacht, Schüler auf zukunftsträchtige Berufe hinzuweisen. Da steckte wohl tatsächlich eine gute Absicht dahinter. Der Umschwung auf die Begrenzung des Girls‘ Days auf männertypische Berufe deutet auf ein Weltbild hin, in dem Mädchen und jungen Frauen nicht zugetraut wird, selbst zu wissen, welche Berufe sie interessieren, und wofür sie persönlich begabt sind.
Die Einführung des Boys‘ Days ist in diesem Zusammenhang als reine Alibiveranstaltung zu sehen. Jungen sollen keine Berufe mit Zukunftsperspektive ergreifen, sondern frauentypische, oder gar – wie in Baden-Württemberg – im Wesentlichen auf Pflegeberufe begrenzt werden.
Zweifellos sind – insbesondere bei drohender Überalterung der Gesellschaft – solche Arbeitkräfte notwendig, aber den einzelnen Jungen wird damit kein Gefallen getan. Dies dient nur, um einem drohenden Fachkräftemangel vorzubeugen.

Es ist ein fatales Signal, Jungen den Eindruck zu vermitteln, sie wären der Gesellschaft weniger wert. Die einseitige Ausrichtung auf Förderung und Bevorzugung von Mädchen enttäuscht und entmutigt Jungen, denen von klein auf vermittelt wird, sie müssten gegenüber Mädchen zurückstehen. Und diese Ungerechtigkeit wird dann auch noch scheinheilig als Gleichberechtigung gelabelt.

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Nein heißt <undefined>

Entgegen den feministischen Behauptungen, Nein hieße immer und ausnahmslos Nein, ist ein Nein tatsächlich kontextabhängig, und eine Überlagerung verschiedener Werte, die alle gleichzeitig zutreffen können, wenn auch mit unterschiedlicher Gewichtung.

Einige Möglichkeiten:

  • „Eigentlich mag ich nicht unbedingt. Aber das kann sich ändern.“
  • „Vielleicht. Als Dame sage ich das aber nicht direkter.“
  • „Zeige mir deine Ernsthaftigkeit, indem du hartnäckig bleibst.“
  • „Ich bin bereits in einer monogamen Beziehung. Viel Glück bei deiner weiteren Suche.“
  • „Tut mir leid, aber im Moment geht es leider nicht. Probier’s ein andermal.“
  • „Hau ab, du Ekelschrat! Ich bin ⊆ {Feministin, frigide, asexuell, lesbisch}.“
  • „Jetzt bin ich ja gespannt, ob du dich traust, dich darüber hinwegzusetzen.“
  • „Beweis‘ erst mal, dass du dich nicht so leicht abwimmeln und entmutigen lässt.“
  • „Gerade eben habe‘ ich nicht so recht Lust. Bemühe dich ein wenig um mich.“
  • „Stell‘ mir nicht solche bescheuerten Fragen. Da lehne ich grundsätzlich ab.“
  • „Wenn ich mich ziere, werde ich noch begehrenswerter.“
  • „Hättest du es weniger plump angestellt, hättest du eine Chance bekommen.“
  • „Vielleicht. Ich warte noch ab, wie du auf das Nein reagierst.“
  • „Mir geht’s gerade nicht so gut. Ein wenig Zuwendung könnte mich entspannen.“
  • „Mal sehen, ob du dich traust, das Nein zu ignorieren.“
  • „Ein kleiner Shittest dient als erotisches Vorspiel.“
  • „Bedauerlicherweise entsprichst du nicht meinem Beuteschema. Viel Erfolg anderweitig!“
  • „Ich sage beim ersten Versuch immer nein, um nur beharrliche und durchsetzungsstarke Männer zu selektieren.“
  • ..

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Feministische Scheinprobleme: „Hepeating“

Dass sich jemand mit fremden Federn schmücken möchte, ist nun wirklich kein neues Phänomen.
Inwieweit sich dieses Verhalten signifikant zwischen Männern und Frauen unterscheidet, müsste erst einmal statistisch nachgewiesen werden. Shepeating dürfte genauso vorkommen.
Vielleicht formulieren die Betroffenen ihre Vorschläge auch missverständlich oder nicht deutlich genug aus.

Vorhin erst habe ich eine Art Brainstorming mit meinen (ausschließlich männlichen) Mitarbeitern durchgeführt. Da fällt schon mal jemand einem anderen ins Wort („manterrupting“), oder greift einen Gedanken auf, den ein anderer kurz vorher schon einmal geäußert hatte, und entwickelt ihn weiter. So läuft eben die konstruktive Arbeit in einem Team.

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Gedankensplitter: Von Femanzen und Femimosen

Beim modernen Feminismus haben die Femimosen längst die Femanzen überholt.

Während man die streitbaren Femanzen – trotz aller inhaltlichen Differenzen – noch respektieren und ernst nehmen konnte, sind die jämmerlich jammernden Fe{mi}mosen nur noch ein peinlicher Haufen, der sich im eigenen selbstdefinierten Opferstatus suhlt, dies auf alle Frauen übertragen will, und sich durch jegliches Lebenszeichen von Männern bereits belästigt fühlt.

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Die Zeit: „Sexismus am Arbeitsplatz“

In der Zeit wurde eine Liste mit Sprüchen veröffentlicht, die Frauen angeblich an ihrem Arbeitsplatz gehört hätten.

Ohne die einzelnen Sprüche jetzt kategorisieren zu wollen, halte ich etwa ein Drittel für völlig harmlos (z.B. „Warum guckst du immer so grimmig? Jetzt lächle mal!“), ein weiteres Drittel für situationsabhängig nicht OK, aber akzeptabel (z.B. „Und, gehen Sie jetzt zur Kita?“), und nur das restliche Drittel für daneben und unangemessen (z.B. „So wie die herumkommandiert, ist die sicher chronisch untervögelt.“).

Zu einer freundliche, konstruktiven Arbeitsatmosphäre gehört es auch, Mitarbeiter und Kollegen nicht nur auf ihre Funktion als sexlose Arbeitskräfte zu reduzieren, sondern sie als individuelle Menschen, die selbstverständlich auch eine Geschlechtlichkeit haben, wahrzunehmen.
Da können Äußerungen wie „Kein Problem, ich treff mich immer gerne mit attraktiven Frauen.“ zu einem lockeren und aufgeschlossenen Arbeitsklima beitragen.

Was sind das für Mimosen, die aus Bemerkungen wie „Komm, setz dich zu uns, damit wir etwas Hübsches zum Angucken haben.“ ein #aufschrei-mäßiges Drama machen? Sind sie sich in ihrer fachlich-beruflichen Kompetenz und der eigenen Professionaltät so unsicher, dass sie sich dadurch bedroht fühlen? Anders kann ich mir das kaum erklären.
Gerade heute habe ich auf meinem anderen Blog die Geschichte veröffentlicht, wie ich das erste Mal Führungsaufgaben übernommen hatte. Die Mitarbeiter hatten versucht, mich etwas irrezuführen (allerdings ohne sexuellen Bezug). Natürlich hätte ich zum Chef rennen und mich ausheulen können, zog es aber vor, die Angelegenheit souverän und humorvoll zu lösen. Nur so erwirbt man dauerhaft Respekt und Anerkennung, nicht durch zimperliche Jammerei, Selbstinszenierung als unterdrücktes Daueropfer oder Unterlassensforderungen – das ist Kindergartenniveau, und eines erwachsenen Menschen unwürdig.

Diese Liste in der Zeit ist ein reiner Hetzartikel, der nichts anderes bezweckt, als das Verhältnis zwischen Männern und Frauen zu vergiften und weiter zu spalten. Ein völlig normaler, freundlicher und unbefangener Umgang wird so unmöglich gemacht. Solche Texte führen dazu, dass Männer die Kommunikation filtern, jedes Wort auf die Goldwaage legen, und Frauen nicht mehr als ihre vertrauenswürdigen Kolleginnen und Mitmenschen wahrnehmen, sondern nur noch als potentielle Aufschreierinnen.

Für Arbeitgeber wird es so zum unkalkulierbaren Risiko, gemischte Teams einzusetzen. Das Betriebsklima leidet. Die Mitarbeitermotivation sinkt.
All das nur, weil einzelne Personen nicht fähig sind, kollegiale Scherze und Komplimente mit der gebotenen Gelassenheit aufzunehmen.

Im zugeordneten Interview wird dann wieder mal behauptet:

Sexismus ist ein Werkzeug, mit dem Männer ihre Macht sichern

Dies ist eine bösartige, männerfeindliche Unterstellung!
Sexualität gehört zum Leben dazu. Im Berufsleben spielt sie zwar normalerweise keine Rolle, aber sie völlig auszublenden geht auf Kosten von Kreativität, Motivation, Engagement, Mitarbeiterzufriedenheit. Sola dosis facit venenum.

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Das Geschenk des Lächelns

Filterblasen versperren den Blick nach Außen und machen eine objektive Perspektive unmöglich.
Um meine Scheuklappen auf ein Minimum zu reduzieren, ist es mir wichtig, gelegentlich aktuelle Texte moderner Feministinnen zu lesen (und hin und wieder hier zu besprechen).

Häufig habe ich den Eindruck, dass es diesen Feministinnen nur darum geht, ein Haar in der Suppe zu finden, das sie dann Männern vorhalten können, um das Geschlechterverhältnis weiter zu vergiften.
Da regen sie sich auf über vermeintliches Mansplaining, Manspreading, Manterupting, Hepeating, .. und pushen dies zum Skandal oder ungeziemlichen Verhalten hoch.

In einem neuen Text geht es um die angeblich nervig häufige Aufforderung von Männern an Frauen zu lächeln.

Man steht im Supermarkt vor dem Shampooregal und plötzlich reckt jemand neben einem den Kopf und sagt „Lächel doch mal!“. Jemand ganz Fremdes, Unbeteiligtes.

Man starrt in der Bahn vor sich hin und plötzlich kommt jemand auf einen zu und sagt „Hey, warum so finster?“.

Also ich wurde nie auf ähnliche Weise in der Öffentlichkeit von völlig unbekannten Männern so angesprochen. Aber das liegt wohl auch daran, dass ich nicht mit verkniffenem, griesgrämigem Gesicht herumlaufe.
Auch wenn ich in Gedanken versunken irgendwo sitze, äußern sich so ähnlich höchstens Personen, die ich bereits kenne.

Die Autorin ist sogar der Ansicht, dass solche Bemerkungen nicht grundsätzlich als Anmache zu verstehen sind, sondern dass manche Männer damit Frauen auch „glücklich machen“ wollen, was ja ein anerkannt positives Ziel wäre. Allerdings schränkt sie gleich wieder ein, und verweist (ohne Beleg) auf Psychologen, die behaupten, solche Aufforderungen dienten zur Kontrolle. 🙄

Später stellt sie die Frage:

Doch ist es nicht sogar viel selbstbewusster, mit einem natürlichen Gesichtsausdruck herumzulaufen, als ständig mit einem gekünstelten Lächeln?

Sie impliziert damit, dass das Lächeln „gekünstelt“, also unecht sei. Ein „natürlicher Gesichtsausdruck“ ist ihrer Ansicht nach dann wohl eher unfreundlich und mürrisch.

Es sei „sexistisch“ und ein

Übergriff, wenn Männer Frauen unvermittelt um ein Lächeln bitten.

Wie kann eine höflich vorgetragene Bitte ein „Übergriff“ sein? Einer Bitte kann man entsprechen, oder eben auch nicht. Das soll jeder so halten, wie er mag. Es wird niemand gezwungen, einer Bitte nachzukommen.

Die Autorin beendet ihren Text mit:

Liebe Frauen: Ihr seid genauso wunderschön, wenn Ihr nicht lächelt!

Und das ist natürlich Unsinn. Ein offenes Lächeln entspannt und erhellt die Gesichtszüge, gibt somit eine wesentlich sympathischere Ausstrahlung als ein verbiesteter, miesepetriger Gesichtsausdruck.
Es gibt längst Studien, die belegen, dass Lachen gesund ist. Allein durch das Hochziehen der Mundwinkel (auch wenn man gar keinen Grund zum Lachen hat), werden Muskeln angespannt, wodurch Serotonin und Endorphine ausgeschüttet werden. Dadurch geht es einem sofort besser.
Mir ist deshalb jede solche Aufmunterung willkommen, gerade wenn mir eigentlich gerade mal nicht zum Lachen zumute ist.
Wie kommen Femistinnen dazu, derart anmaßend Männer aufzufordern, Bitten um ein Lächeln zu unterlassen? Sie sollten es besser selbst bleiben lassen, Aussagen im Namen anderer Frauen zu tätigen.

Die Gesamtheit des Lächelns ist unbeschränkt. Dafür gibt es weder Obergrenze noch Erhaltungssätze. Wer jemandem ein Lächeln schenkt, verliert nichts, sondern gewinnt dabei selbst.

Wenn sich auf einem vormals finsterem oder traurigem Gesicht plötzlich ein Lächeln zeigt, so ist das ein schöner Moment, ähnlich dem unvermittelten Durchbruch des Sonnenscheins durch eine dichte Wolkendecke.
Lassen wir uns solche Augenblicke nicht durch biestige, freudlose und missgünstige Feministinnen vermiesen!

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Gedanken zur Wahrnehmung von Sympathie und Kompetenz

Kürzlich habe ich auf Twitter sinngemäß gelesen (den genauen Tweet finde ich nicht mehr, ist aber auch nicht so wichtig, da er nur die Anregung für diesen Post lieferte), dass Frauen nicht sowohl sympathisch als auch kompetent wirken könnten.

Das stimmt nicht mit meinen Erfahrungen überein (wobei ich natürlich nicht sicher sein kann, wie ich tatsächlich auf andere Menschen wirke, aber mein subjektiver Eindruck widerspricht obiger Behauptung). Deshalb habe ich mir einige Gedanken gemacht, was dazu beiträgt, ob wir andere Menschen als sympathisch oder kompetent wahrnehmen.

Sympathie

Warum ich Menschen, die ich das erste Mal treffe, als sympathisch einschätze, kann ich gar nicht sicher sagen. Aber ich weiß, was auf mich persönlich unsympathisch wirkt, und einen schlechten (ersten) Eindruck vermittelt.
Menschen, die

  • sichtbare Piercings oder Tattoos haben
  • rauchen,
  • stark fettleibig sind,
  • unnatürlich gefärbte Haare haben,
  • übertrieben stark geschminkt sind,
  • deutlich wahrnehmbar nach Parfum oder Deo „duften“,
  • eine ungepflegt wirkende Erscheinung (Kleidung, Haare) haben,
  • ..

wirken auf mich persönlich erst mal unsympathisch. Das sind meine ganz persönlichen Kriterien. Andere Personen haben andere Kriterien.
Ich gehe davon aus, dass Menschen, die ähnliche Kriterien haben, einander eher sympathisch sind, als andere mit völlig abweichenden Kriterien.
Sympathie ist mir nur wichtig von Menschen, die mir ebenfalls sympathisch sind. Das ist wohl meist eine Angelegenheit auf Gegenseitigkeit.

Die Abwesenheit negativer Kriterien ist allerdings nicht hinreichend für Sympathie. Dafür muss man, denke ich, eine Person näher kennen, und es müssen weitere Übereinstimmungen in den Interessen und Ansichten bestehen.

Ich weise darauf hin, dass die oben gelisteten Kriterien alle von der jeweiligen Person selbst beeinflussbar sind. Davon ist nichts naturgegeben oder unveränderlich, weshalb sie Indikatoren für die jeweiligen Einstellungen oder Charaktereigenschaften der betreffenden Person sind.

Kompetenz

Um die Kompetenz einer Person einschätzen zu können, benötigt man mehr Informationen über sie. Ein selbstbewusstes Auftreten trägt sicherlich dazu bei.

Weder in Studium noch in Beruf hatte ich jemals den Eindruck, als inkompetent wahrgenommen zu werden (es sei denn, ich legte es selbst darauf an 😎 – Dummstellen kann manchmal amüsant sein).

Deshalb erstaunt es mich immer wieder, wenn ich von anderen Frauen Klagen höre oder lese, dass ihre angebliche Kompetenz angezweifelt wird.
Mir fallen dazu diese möglichen Ursachen ein:

  • Sie sind nicht so kompetent, wie sie sich selbst einschätzen.
  • Sie deuten völlig neutrale Hinweise und sachliche Aussagen als Infragestellung ihrer Kompetenz („Mansplaining“, „Manteruption“).
  • Sie haben eine eher kindliche oder alberne Erscheinung, die man nicht wirklich ernst nehmen kann.

Insbesondere zu letztgenanntem Punkt habe ich folgende Hypothese:
Die Zuordnung (vermeintlicher) Kompetenz ist unabhängig vom Geschlecht, aber stark durch die Körpergröße beeinflusst.

Kleine Kinder, die noch wachsen, sind von einer starken Korrelation von Körpergröße und Alter überzeugt – eine Vierjährige ist größer als ein Zweijähriger, und hat auch einiges mehr gelernt, ist also erfahrener und kompetenter. „Kompetenz“ wächst also – genauso wie die Körpergröße – mit dem Alter. Dass dieser Zusammenhang für ausgewachsene Menschen längst nicht mehr gilt, ist kleinen Kindern kaum begreiflich zu machen.
Vielleicht stecken in uns allen noch Überreste dieses frühkindlichen Glaubens, der ja auf grundlegenden Beobachtungen beruht.

/* Hierzu ein kleines Beispiel, das meine Mutter immer wieder über ihre Kindheit erzählte:
Ihre beste Freundin war (und ist immer noch) ein Nachbarsmädchen, das zwar ein Jahr älter, aber sehr zierlich (jetzt ist sie das nicht mehr) war. Laut meiner Mutter musste sie selbst viel mehr (in der Landwirtschaft) helfen, weil sie „ja schon so groß“ war und „das schon schafft“, während es bei ihrer Freundin hieß: „Das ist ja so ein zartes Dingelchen, was will man da viel verlangen.“
Das habe sie in ihrer Jugend oft gestört und genervt.
Wenn die wahrgenommene Kompetenz dazu führt, mehr tun zu müssen, so erwirbt der, der mehr tut, auch mehr Erfahrungen, übt und lernt dabei, was wieder einen Rückkopplungseffekt auf die tatsächliche Kompetenz hat. */

Möglicherweise hat auch die IMHO dümmliche Redewendung „auf Augenhöhe“ ihren Ursprung in dieser Erkenntnis.

Da Frauen im statistischen Mittel deutlich kleiner sind als Männer, ist es durchaus schlüssig, dass sie auch als weniger kompetent wahrgenommen werden.

Zudem gibt es Studien, die einen statistischen Zusammenhang zwischen Körpergröße und Intelligenz bestätigen.

Ich weiß nicht, inwieweit solche empirischen Wahrnehmungen, tatsächlich die Einschätzung von Kompetenz prägen. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass sie einen bedeutsamen Einfluss ausüben.
Weitere Forschungen in diese Richtung wären sicherlich interessant. Mir erscheint dies zumindest plausibler, als allein das Geschlecht dafür verantworlich zu machen.

Fazit

Es ist durchaus möglich, als Frau sowohl als kompetent als auch sympathisch wahrgenommen zu werden.
Die größere Herausforderung ist es, im beruflichen Umfeld sowohl professionell als auch sexy zu wirken. 😉

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