Umfrage: Beliebtheit von MINT-Fächern bei Schülern

Die Autodesk MINT Studie 2014 http://www.scope-online.de/konstruktion-entwicklung/displayaction-697576.htm (ca. 1000 Schüler zwischen 11 und 18 in Deutschland wurden von Censuswide im Sommer 2014 befragt) liefert angeblich das Ergebnis, dass MINT-Fächer bei Schülern und Schülerinnen etwa gleich beliebt sind.

Aus den ersichtlichen Daten geht dies aber so nicht hervor. Zwar unterscheidet sich die Beliebtheit von Naturwissenschaften nur gering (m.E. wegen Biologie, die – soweit ich mich an meine eigene Schulzeit erinnere – bei Mädchen relativ beliebt ist), dafür ist der Unterschied bei Mathematik enorm (konkrete Zahlen lassen sich nicht ablesen).

beliebtefächer

Leider sind die Daten visuell so miserabel aufbereitet, dass man kaum konkrete Einzelheiten ersehen kann.

Mir ist schon öfter aufgefallen, dass bei solchen Statistiken die Ergebnis so verfälscht interpretiert werden, dass ich inzwischen da eine manipulative Absicht vermute.
Wenn man die Meinung der Allgemeinheit fördert, dass das Interesse an MINT-Fächern geschlechtsunabhängig sei, trotzdem aber weniger Frauen in MINT-Fächern tätig sind, kann man daraus nämlich zwanglos eine „Unterdrückung durch das Patriarchat“ und ähnlichen Bullshit folgern.

Interessant sind hier vielleicht noch die Top 3 der Berufswünsche.

Jungen:

  1. Ingenieur
  2. App-Programmierer
  3. Unternehmenschef
Mädchen:

  1. Künstler/Designer
  2. Arzt
  3. „Irgendwas mit Medien“

Fußnote zu „App-Programmierer“:
Es ist schwer vorstellbar, dass hier tatsächlich reine „App“-Programmierer gemeint sein sollen. Vermutlich sollen das Programmierer, Softwareentwickler oder gar Softwareingenieure sein.
Diese Bezeichnung spricht nicht gerade für die Methodologie der Studie.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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10 Antworten zu Umfrage: Beliebtheit von MINT-Fächern bei Schülern

    • crumar schreibt:

      @Anne

      Das ist die übliche fake-Studie und das erkennst du schon daran, dass gar nicht aufgeschlüsselt wird, was „Naturwissenschaft“ eigentlich meint.
      Es ist bekannt, dass sich die Zusammensetzung nach Geschlecht und das Interesse – wie du schon gesagt hast – für Chemie, Biologie und Physik stark unterscheidet.
      Und zwar bereits in der Schule – schau dir die Zusammensetzung der Leistungskurse an.

      In die Studienwahl schafft es „Biologie“ auf Platz 7 bei den Frauen – bei Jungs ist die nicht einmal in der Top 10.
      http://www.studieren-im-netz.org/vor-dem-studium/orientieren/beliebte-studiengaenge
      Stattdessen Elektrotechnik auf Platz 4 – und da empfehlen sich Kenntnisse der Physik bereits erlernt z.B. im Leistungskurs Physik.
      In meinem Leistungskurs Physik befand sich genau eine (!) junge Frau und Physik ist bei Mädchen das mit Abstand unbeliebteste Schulfach.

      Die manipulative Absicht ist die übliche Vorgehensweise:

      1. Behaupte ein gleich gelagertes Interesse (an egal was) nach Geschlecht, indem du von der empirischen Realität abstrahierst, die genau das Gegenteil zeigt.
      2. Zeige mit den Fingern auf die unterschiedlichen Lebensentscheidungen, die die beiden Geschlechter treffen.
      3: „Erkläre“ dann die Wahl zum Resultat eines Zwangs, a. vermittelt durch das Patriarchat, welches b. ständig Geschlechterstereotype produziert, die junge Frauen ausschließt bzw. unterdrückt.

      4. Nachdem das somit geklärt ist, verlange ganz viel Geld für Forschung (über Geschlechterstereotype, gendersensiblen Unterricht (blablabla) und warum abstraktes Denken inbesondere Frauen schadet),

      Dass Autodesk so eine Studie fabriziert, hat einen m.E. einfachen Grund: Die fabber Bewegung ist unglaublich populär geworden und rapid-prototyping immer billiger.
      Ergo gibt es inzwischen Bausätze für unter 1000.- Euro; d.h. in jeder Schule könnte ein 3D-Drucker stehen.
      Ohne 3D-Konstruktionssoftware – die selbstverständlich gekauft und erlernt werden muss – macht das allerdings keinen Sinn.
      Da Autodesk der Produzent von „Autocad“ ist, drängelt man sich schon mal in die erste Reihe für den Vertrieb von Schullizenzen.

      Und da ist es nur von Vorteil, wenn wirklich alle Kinder (also Jungen *und* Mädchen) an einer solchen Konstruktionssoftware Interesse haben.
      Ergo brezelt man eine Studie zusammen, die das zeigt, was man zeigen will.

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      • Danke für deinen ausführlichen Kommentar.

        IIRC habe ich den Hinweis auf diese Umfrage in den VDI-Nachrichten gelesen, also einer Zeitung, die ich als recht verlässlich einstufe, und die wohl auch Entscheidungsträger in der Wirtschaft beeinflusst.
        Natürlich werden die Ergebnisse einer Studie normalerweise die Wünsche des Auftraggebers wiederspiegeln. Man sollte sie halt nicht kritiklos glauben.
        Wenn ich auf diesem Blog solche Widersprüchlichkeiten aufdecke, erreicht das zwar kein großes Publikum, trotzdem ist es zumindest öffentlich dokumentiert.

        Laut deinem Link zur Studienwahl ist Mathematik bei den Frauen auf Platz 10, was in mir gewisse Zweifel an diesen Ergebnissen erweckt. Zumindest zu meiner Studienzeit waren auch bei den Mathestudenten nur sehr wenige Frauen. Ich glaube kaum, dass sich das seither so stark verändert hat.
        Rein statistisch wäre das natürlich trotzdem möglich, wenn sich Frauen auf nur wenige Studienfächer konzentrieren, während Männer sich auf eine weitere Auswahl verteilen. Leider sind dafür keine absoluten Zahlen angegeben.
        Ohne das jetzt belegen zu können, meine ich jedoch, dass mehr Frauen – z.B. die nicht genannten Fächer – Romanistik, Geschichte, Politologie, Chemie, Pharmazie, .. studieren als Mathematik.

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  1. elmardiederichs schreibt:

    Ich meine mich zu erinnern, daß in der Doku von Harald Eia gleich am Anfang ein Wissenschaftler erwähnt wird, der behauptet, daß der gender gap ein Wohlstandsphänomen sei: Je ärmer eine Bevölkerung sei, je mehr also alle einfach tun müssen, was nötig ist, desto geringer fallen die Geschlechterunterschiede aus – was auch einleuchtet.

    Wenn aber eine – im statistischen Sinne – notwendige Bedingung für den gender gap der Wohlstand ist, warum sollte sie das für das Patriarchat auch sein? Ist nicht Wohlstand für alle die beste Bedingung, um Kriminalität zu verhindern? Und ist nicht das Patriarchat eine Vorform davon?

    Hat mal jemand die Sache mit dem gender gap in der Literatur verfolgt?

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    • Bist du sicher, dass sich dein Kommentar auf meinen Text bezieht?
      Denn das erscheint mir schon recht off topic, so dass ich dazu weder etwas sagen kann noch will.

      Hier geht es nicht um die erwachsene Bevölkerung, die den Wohlstand erarbeitet, sondern um Schüler.
      Welche Schulfächer mögen sie am liebsten (leider sind in der genannten Studie Naturwissenschaften nicht weiter aufgeschlüsselt)?
      Welche Berufe möchten sie später ergreifen?
      Inwieweit unterscheiden sich die Antworten von Jungs und Mädchen?

      Und es geht auch um (unbewusste oder vorsätzliche?) Fehlinterpretationen von Statistiken, die die öffentlichen Wahrnehmung beeinflussen können.

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  2. mitm schreibt:

    Diese Studie ist offensichtlich vor allem Werbung für die Produkte der Fa. Autodesk und wissenschaftlich nicht ernst zu nehmen. Der Beweis des Gegenteils ist Sache der Herausgeber. Dazu gehört vor allem die Liste der Fragen. Wenn man Schüler danach fragt, wie beliebt Fächer sind, dann spielt dabei die Sympathie für die Lehrer eine größere Rolle als das Fach. Die Fragen können sehr tendenziös sein.
    Die absolute Beliebtheit sagt ferner nichts über die viel wichtigere relative Beliebtheit aus, was man an den Top 3 der Berufswünsche ablesen kann.
    Bis zum Beweis des Gegenteils halte ich solche privat durchgeführten oder beauftragten, im Detail nicht nachvollziehbaren Studien für Schrott, der es nicht wert ist, sich damit zu beschäftigen.

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    • Das mag alles so sein.

      Trotzdem werden die „Ergebnisse“ solcher Studien zur Kenntnis genommen.
      Die stehen teilweise in weitverbreiteten oder renommierten Zeitschriften. Wenn dort als Überschrift sinngemäß „Mädchen mögen MINT-Fächer genauso wie Jungen“ steht, wird die Aussage häufig unhinterfragt als Tatsache genommen.
      Wer macht sich schon die Mühe, sich Einzelheiten näher anzusehen?

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      • Joachim schreibt:

        Na, einige. Nicht ohne Grund wurde die „Lügenpresse“ zum Unwort des Jahres gewählt.

        Der Kniff Ist halt , daß Frauen/ Mädchen die Biologie lieben, die aber von allen naturwissenschaftlichen Fächern am überlaufendsten ist, und folglich die schlechtesten Jobchancen bietet.
        Da fällt mir ein, In meiner Schulzeit hatten sogar mehr Mädchen als Jungen einen naturwissenschaftlichen Leistungskurs gewählt.
        Na warum wohl, natürlich weil praktisch alle Mädchen Bio wählten, dar sie Ärztinnen, Tierärztinnen etc. werden wollten.
        In Chemie war das Verhältnis ausgeglichen, die anwesenden Mädchen wollten meist Pharmazeutinnen, einige auch forschende Ärztinnen werden.
        In Physik waren die Jungs unter sich, weil aber nur die Hälfte von Ihnen Physik als LK gewählt hatte, hätte man feierlich melden können, daß mehr Mädchen naturwissenschaftlich Interressiert sind.
        Nebenbei, Bio hatte bei den Jungs den Ruf eines stupiden „Auswendiglernfaches“.

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        • Da trügt mich mein Gedächtnis also nicht, wenn ich mich erinnere, dass Biologie in der Schule bei den Mädchen relativ beliebt war.
          Bio-LK hatte damals auch den Vorteil, dass man es nicht mit einer Fremdsprache oder Mathe|Physik verknüpfen musste, weshalb die LK-Kombination Deutsch-Bio sehr häufig war, und praktisch von all denen gewählt wurde, die keine spezifischen Vorlieben hatten.

          Wir waren damals sogar zwei Mädchen im Physik-LK, was aber auch an meiner Schule eine Ausnahme war (wo nicht einmal bei jedem Jahrgang ein Ph-LK zustande kam).
          Meine Mitkollegiatin hat nach dem Abi allerdings eine ganz andere Richtung eingeschlagen.

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