Feminismus und Vernunft

Kann es einen rationalen bzw. „vernünftigen“ Feminismus geben?

Es fällt mir schwer, mir das vorzustellen, und es kommt sicherlich darauf an, wie genau man „vernünftig“ in diesem Kontext definieren will.

Um von mir als „vernünftig“ akzeptiert zu werden, müsste er zumindest die folgende, notwendige (nicht jedoch hinreichende) Bedingung erfüllen:

Er dürfte nicht darauf ausgerichtet sein, Männer und Frauen gegeneinander aufzuhetzen, sondern müsste stattdessen auf ein harmonisches Miteinander fokusiert sein.

Aber könnte man solch ein Konstrukt überhaupt noch als „Feminismus“ bezeichnen, wenn auch die Belange von Männern in vergleichbarem Maße berücksichtigt würden?

 

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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25 Antworten zu Feminismus und Vernunft

  1. elmardiederichs schreibt:

    „Kann es einen rationalen bzw. “vernünftigen” Feminismus geben?“

    Eine hochgradig interessant Frage – EvoChris z.B. würde das bejahen und viele andere aus dessen Dunstkreis sicher auch: Schoppe, Hoffmann, Leszek.

    Ich bin strikt dagegen, denn meiner Ansicht nach involviert JEDER Feminismus auf Thesen, die nicht haltbar sind z.B.

    i) Relativismus: Es gibt verschiedene Weisen, die Welt zu verstehen und alle konkurrierenden Aussagen sind nicht wahr oder falsch, sondern haben dengleichen Wert. Kontextfreie und überkulturelle Normen der Rationalität gibt es nicht und zwar so wenig, daß nicht mal zwei beliebig vorgegebene Meinungen unterschieden werden können.

    ii) Konstruktivismus: Erkennen ist keine neutrale, transparente Reflexion einer unabhängig existierenden Realität, in der Wahrheit und Falschheit durch transparente Verfahren rationaler Prüfung etabliert werden, sondern nur noc situiertes Erkennen, daß die Perspektive des Erkenntnissubjektes in einem historischen Moment in einem gegebenen materiellen und kulturellen Kontext wiederspiegelt.

    iii) Relationale Autonomie: Autonomie bedeutet nicht, sich durch den Gebrauch von Gründen Freiheit verschaffen zu können, sondern sich in seiner Entscheidungsfindung unabhängig zu machen von Personen, von Normen etc..

    iv) Sozialdarwinismus: Soziale Beziehungen lassen sich adäquat als Machtstrukturen analysieren, die Gesellschaft als Patriarchat modellieren.

    v) Biologismus: Ich kennen keinen Feminismus, der nicht irgendwann in seinen Erklärungen auf die böse Natur des Mannes zurückgreift.

    vi) Gerechtigkeit als Machtgleichheit: Gerechtigkeit hat meiner Ansicht nach überhaupt nichts mit Gleichheit zu tun und schon gar nicht mit Macht.

    vii) moralischer Konsequentialismus: Was eine moralisch gute Handlung ist, kann man mit Hilfe ihrer Folgen ausrechnen.

    viii) psychologischer Determinismus: Weder versteht der Feminismus, daß Menschen frei sein können, noch sieht er eine Notwendigkeit dazu, sie frei zu lassen. (Das geht dem Standardmaskulismus übrigens auch so.)

    Ich halte alle diese Standpunkte für falsch, aber das wirklich hart zu beweisen, ist überhaupt kein Pappensstiel, das geht nicht so mal eben.

    „Aber könnte man solch ein Konstrukt überhaupt noch als “Feminismus” bezeichnen, wenn auch die Belange von Männern in vergleichbarem Maße berücksichtigt würden?“

    Kluge Frage: Wenn es einen Unterschied zwischen Feminismus und Nicht-Feminismus gibt, dann folgt, daß das design eines Feminismus nicht beliebig sein kann. schoppe hat hier

    http://man-tau.blogspot.de/2013/04/konnen-mannerrechtler-von-feministinnen.html

    mal vorgeschlagen, daß „Damsel in distress“ das Grundmotiv des Feminismus ist. Ich halte das inzwischen eher für falsch: Es ist ein Narrtativ, mit dem sich ein Mann einer Frau sexuell empfiehlt. Daher bin ich auch der Meinung, daß die feministische Grundintuition, das Motiv und der Nutzen jeder feministischen Theorie woanders liegen – und von uns bislang nicht erkannt wurden.

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    • Ich habe mir die Fragen von einer eher praktischen Perspektive aus gestellt.
      Wie müsste ein Feminismus aussehen, damit ich ihn akzeptieren könnte? Und bin dabei auf obige Grundvoraussetzung gekommen.

      Wesentlich wäre dabei, dass eben auch die Anliegen der Männer beachtet würden.
      Natürlich kann es dabei auch zu Konflikten kommen. Aber mit ein bisschen guten Willen von beiden Seiten müsste es doch möglich sein, die Interessen beider Geschlechter ausgewogen zu berücksichtigen.
      Da dabei auch die berechtigten Interessen der Männer beachtet werden, hat das wohl mit Feminismus per definitionem nichts mehr zu tun.

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      • elmardiederichs schreibt:

        „Und bin dabei auf obige Grundvoraussetzung gekommen.“

        Ich bin ja sehr dafür, aber die Frage ist eben, wie genau das praktisch auszusehen hat. Eine Möglichkeit ist die Rückkehr zu den tradierten Rollen, wie sie von Pickup beleuchtet wird, und sie wird ja von EvoChris propagiert – natürlich mit entspannter Einstellung, souverän eben, so daß man cool rüberkommt und sich selbst mit Status auflädt. 😉

        Aber das muß man ja nicht so sehen und daher würde ich immer eine Theorie entwerfen wollen die mir vorschlägt, wie es besser sein könnte.

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    • „Wenn es einen Unterschied zwischen Feminismus und Nicht-Feminismus gibt, dann folgt, daß das design eines Feminismus nicht beliebig sein kann.“

      Das ist kein logischer Schluss. Nicht-Feminismus kann Feminismus nur in Abgrenzung zu diesem Definieren und hat selbst keine festen Grenzen.

      Aus meiner Sicht kann man unter Feminismus in seiner einfachsten Form das (vermeintliche) einsetzen für Frauenrechte verstehen.

      Das ist natürlich in legitimer Weise möglich, auch wenn die Spielarten des heutigen Feminismus weit darüber hinaus sind.
      Damit ist auch ein vernünftiger Feminismus denkbar (aber in naher Zukunft nicht zu erwarten)

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      • das (vermeintliche) einsetzen für Frauenrechte verstehen

        Das war wohl vor mehreren Jahrzehnten noch sinnvoll. Der heutige Feminismus ist aber inzwischen weit über’s Ziel hinausgeschossen.

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        • @Anne

          Da bin ich durchaus bei dir. Wenn es aber um die Frage geht, inwieweit es einen „vernünftigen Feminismus“ geben kann, dann kann man ja nicht darauf abstellen, wie er heute praktiziert wird, sondern nur darauf, wie er theoretisch praktiziert werden könnte

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          • Stimmt.

            Aber wie könnte solch ein „vernünftiger Feminismus“ aussehen?
            Welche Forderungen wären berechtigt?

            Ich habe mir das überlegt, habe dazu aber keine Antwort gefunden.
            Es scheint so, als habe der Feminismus längst alles erreicht, was noch einigermaßen nachvollziehbar ist.
            Und einiges darüber hinaus.

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            • ich sehe gegenwärtig die Funktionen eines Feminismus wie folgt:

              1. Überprüfung, ob es Diskriminierungen gibt. Dies müsste natürlich sachlich erfolgen und nicht durch schlichte Berufung auf das Patriarchat, also eine Art „Wächterfunktion“

              2. Interessenvertretung beim Aushandeln neuer Regelungen. Meiner Meinung nach erfordert die Schaffung eines Familienrechts eine beiderseitige Interessenvertretung, die die jeweilige Position des einen Geschlechts vertritt. Ob diese dann den gesetzgeber überzeugen wäre eine andere Frage.

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              • 1. Diese „Wächterfunktion“ sollte eher von einem neutralen, paritätisch besetzten Gremium ausgeübt werden.
                Eine sachliche, objektive Bewertung ist IMHO von feministisch beeinflussten Personen nicht zu erwarten.

                2. Nun, von den derzeit federführenden Feministinnen möchte ich meine Interessen sicherlich nicht vertreten lassen.
                Für solche Verhandlungen dürfte es schwierig sein, geeignete Personen zu finden, die die Akzeptanz oder gar das Vertrauen der Gruppe genießen.

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                • „1. Diese „Wächterfunktion“ sollte eher von einem neutralen, paritätisch besetzten Gremium ausgeübt werden.“

                  Es ist ja kaum zu vermeiden, dass da Leute reinkommen, die sich einer Gruppe zuordnen. Dann hätten wir eben in der Gruppe Feministinnen und Maskulisten, hoffentlich jeweils gemäßigte. Ganz neutrale Gremien gibt es nicht und ich würde sie auch eher für anfällig halten. und auch die würden ja üblicherweise „experten“ (=Lobbygruppen) von außerhalb befragen

                  „Eine sachliche, objektive Bewertung ist IMHO von feministisch beeinflussten Personen nicht zu erwarten.“

                  Ich sage ja auch nur, dass es eine Aufgabe wäre – ich möchte weder radikale Feministinnen noch radikale Maskulisten dort haben. Humanistische Vertreter beider Seiten würde ich dann okay finden

                  „2. Nun, von den derzeit federführenden Feministinnen möchte ich meine Interessen sicherlich nicht vertreten lassen.“

                  Auch hier: Es wäre ein Aufgabenfeld für einen gemäßigten Feminismus.

                  „Für solche Verhandlungen dürfte es schwierig sein, geeignete Personen zu finden, die die Akzeptanz oder gar das Vertrauen der Gruppe genießen.“

                  Ja natürlich. Mir würde es ja schon reichen, wenn man die radikalen da rausbekommt

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          • Ich glaube es kann solch einen Feminismus nicht geben. Begründung: Wir leben in freien Zeiten, jeder kann machen was er will. Warum gibt es dann einen solchen vernünftigen Feminismus nicht? Welcher Zwang, wenn nicht innerer, verhindert einen solchen Feminismus?

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            • @DDBZ

              „Ich glaube es kann solch einen Feminismus nicht geben. Begründung: Wir leben in freien Zeiten, jeder kann machen was er will. Warum gibt es dann einen solchen vernünftigen Feminismus nicht?“

              Es gibt ihn ja durchaus, er wird von vielen Frauen vertreten, ist aber eben nicht als Bewegung ausgestaltet

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  2. „Kann es einen rationalen bzw. “vernünftigen” Feminismus geben?“

    Es soll ja Paralleluniversen geben … 🙂

    Wobei, für nicht wenige Feminist.I.nnen lohnt sich Feminismus ja durchaus.

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  3. petpanther schreibt:

    Hatte das gerade auf den Evochris Seiten auf Elmars Frage hin geschrieben:

    Gleichberechtigung. Chancen- und Pflichtengerechtigkeit. Akzeptanz der Unterschiedlichkeit und Raum für Überlappendes. Keine Einengung auf Rollen. Akzeptanz von menschlicher Wertigkeit unabhängig vom Geschlecht.

    Ohne die jetztigen Generationen zu diskriminieren und unter Förderung aller.

    Zusatz:

    Keine Identitätsverunsicherungen. Keine Identitätspolitik. Kein Social Engineering. Keine Abwertung von Familie, Vätern etc. etc. … zusammenfassend Ächtung von totalitärem selbstgerechten wie ideologischem Gedankengut, dass die Individualität und die Persönlichkeitsrechte von Menschen verletzt.

    Das ist aber nun die Gegenhaltung zum Feminismus. Und dies verdient dann auch nicht mehr das Wort Feminismus. Hier geht es um Integration, Förderung und Respektierung aller.

    Das ist aufgeklärter Humanismus.

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    • Da gebe ich dir völlig recht.

      Feminismus, wie er derzeit praktiziert wird, hat nur noch negative Auswirkungen.

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      • petpanther schreibt:

        Ich find sogar, dass es sich dafür lohnt zu kämpfen. Für eine gute Zukunft.

        Die im Feminismus enthaltenen Tendenzen sind ja auch in einem größeren unguten Zusammenhang bzw. Trend eingebettet. Dafür gibt es viele Bezeichnungen wie du selbst weißt.

        Was ich gelernt bzw. entdeckt habe, und auch meine das da sehr viel dran ist, ist das sehr viel unbewusst durch instinktiven [und teilweise auch berechtigten] Gynozentrismus getrieben ist. Wieder so ein Ismus Wort. Aber keine Ideologie, sondern eher eine Verdichtung und Feststellung aus einer bio- und sozialevolutionsgeschichtlichen Betrachtung bzw. Linse heraus.

        Ich habe das erste Mal durch Farrell davon erfahren. Eng damit verbunden ist die Sozialisation in die menschliche Identitätslosigkeit von Männern und Jungen bzw. die alleinige Formung durch ihre Nützlichkeit für Frauen etc., an der nun auch Frauen selbst durch ihren Nutzen daraus mit verantwortlich sind. Eine sich bedingende Verzahnung, die mehr ins Bewusstsein geholt werden muss. Es kann keine einseitig verantwortliche Betrachtung geben. Was wunder.

        Nicht wirklich beweisbar wie fast alles in den sog. Sozialwissenschaften, trotzdem habe ich habe das Gefühl, dass in dieser Richtung tatsächlich ein Schlüssel liegt. Viele der „Probleme“, vor allem auch Gewaltformen als auch Ideologien lassen sich darauf zurückführten.

        So komisch es scheint, aber gerade mgtow/red Pill etc. schaffen es erstmalig, dass Männer sich tatsächlich selbst [als Mensch] betrachten. Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung. Allerdings auch einen unverstellteren menschlicheren und manchmal dann nicht so schmeichelhaften und vielleicht zu defensiven Blick auf Frauen. Aber vielleicht kann auch das positiv und befreiend sein. Auch für die weibliche Seite.

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        • Der (radikale) Feminismus projiziert in alle Männer ein Feindbild.
          Es ist zwar durchaus verständlich, dass Männer ihrerseits darauf reagieren, und in Frauen einen Gegner sehen.
          Trotzdem ist diese Entfremdung mehr als bedauerlich, zumal bei weitem nicht alle Frauen hinter den Ideen des Feminismus stehen.

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          • petpanther schreibt:

            Ich mag diese Entfremdung auch nicht. Und ich weiß, dass nicht alle Frauen hinter dem Feminismus stehen.

            Ich finde auch die Ängste wie „wieder hinter den Herd“ etc. lächerlich. Zum einen möchten das die männerrechtlich Bewegten auch nicht. Zum anderen, bei mir persönlich, kann ich mir so etwas in der Art gar nicht vorstellen. Im Gegenteil. Dieses Denken ist gestrig und so bezeichnend dafür und passend zum Feminismus, der ja eine Neuauflage von gestrigen und extrem puritanischen Geschlechterrollen mit der disponiblen Vereinnahmung des Mannes einhergeht. Hier entsteht wohl u.a. die Entfremdung, da es unehrlich ist.

            Ich möchte eine starke eigenständige Partnerin haben, die genug menschliche Größe hat auch mir meine Identität zu lassen. Und ich weiß das es das gibt, weil ich eben eine solche habe, die ich u.a. aber eben auch deshalb sehr schätze.

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  4. petpanther schreibt:

    Karen Straughan, eine Frau und Mutter, sich vehement gegen den Feminismus stellt, meint z.B. das es keinen rationalen bzw. “vernünftigen” Feminismus geben kann.

    Hier ein kürzliches Interview mit ihr. Ein Radiomoderator aus der Black Community in LA befragt sie.

    Oder kürzlich im Interview bei der Sendung „The Young Turks“ im Clash mit dem eher feministisch und Macho geprägten Moderator Cenk Uygur.

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