„Männer als Verbündete“- Ergebnisse einer Göttinger Gendertagung

Ein Artikel der VDI-Nachrichten vom 30. Oktober 2015 trägt den Titel „Männer als Verbündete“.
Es geht dabei um die Ergebnisse der Hochschulrektorenkonferenz „Gendergerechte Führungskultur an Hochschulen“, die Mitte Oktober in Göttingen stattfand.

Hierzu einige Bemerkungen – sorry, ich kann mir den Sarkasmus nicht verkneifen:

Wichtig sei die Unterstützung durch gleichgesinnte Männer.

Klar. #HeForShe. Manchmal ganz nützlich, Männer für eigene Zwecke einzuspannen.

Führungsfiguren sind männlich. Auch im Jahr 2015. Denn bislang sind alle Versuche, den Frauenanteil in den Chefetagen zu erhöhen, fehlgeschlagen.

Ja, warum wohl?
Könnte es nicht einfach daran liegen, dass Frauen andere Prioritäten setzen?

[Frauen] bekleiden zu selten hohe Ämter, zu wenige von ihnen haben Top-Positionen in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik inne.

Mir dünkt, dass diese Aussage für Männer ganz genauso gilt. Otto Normalmann hat zumindest kein hohes Amt oder Top-Position inne.

Und das, obwohl weibliche Studienanfänger und Mitarbeiter an den Unis mittlerweile in der Mehrheit sind

Sieh an. Die meisten Anfänger sind weiblich. Aber danach (hier speziell bezogen auf akademische Karrieren und Hochschulprofessuren) bröckelt es ab. Die Folgerung, dass sie nicht wollen oder können, erscheint mir schlüssiger, als dass sie durch Männer in ihrem Vorankommen behindert werden.

„Ich war nicht immer eine Befürworterin von Quoten“, sagt Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Das habe sich in den letzten zehn Jahren gewandelt. „Weil sich anders zu wenig ändert. Und weil ich den Satz, das sei unnötig, denn gute Leistung setzt sich von alleine durch, einfach nicht mehr hören kann.“

Gute Leistung ist eine notwendige, aber keinesfalls hinreichende Bedingung für eine berufliche Karriere. Und – Überraschung! – das gilt ganz genauso auch für Männer. Nicht jeder Mann, der fachlich kompetent und hochqualifiziert ist, wird auch nach oben befördert. Warum sollte es bei Frauen anders sein?

Frauen haben nur Erfolg, wenn sie einen Habitus pflegen, der dem entspricht, den man gemeinhin von einer Führungskraft erwartet. Dazu gehören Kleidung, Hobbys oder Smalltalk, man müsse sich eben ganz und gar gekonnt über das Parkett der Führungskräfte bewegen und dabei nicht wie ein Alien wirken. An diesen Dingen scheiterten viele.

Und auch das ist ein Punkt, der für Männer ebenfalls gilt.
Vielleicht sogar noch in stärkerem Maße, aber ihnen finanziert niemand ein spezielles Coaching, während es für Frauen solche geförderten oder bezuschussten Kurse durchaus gibt.

Demnach machen 24 % männerdominierte Entscheidungsgremien dafür verantwortlich, dass es in Deutschland so wenige Frauen in Top-Positionen gibt, rund 18 % schwaches Selbstmarketing und etwa 16 % ein fehlendes Netzwerk. Dazwischen liegt mit rund 17 % die fehlende Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

  • „Männerdominierte Entscheidungsgremien“ – und an Weihnachten kommt das Christkind.
  • „Schwaches Selbstmarketing“ – dafür ist jeder selbst verantwortlich.
  • „Fehlende Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ – wer eine berufliche Karriere anstrebt, muss präsent sein, und dann eben akzeptieren, dass die Betreuung eventueller Kinder outgesourcet werden muss. Niemand kann sich teilen. Männer haben i.A. auch nicht die Wahl.
    Und – ja, es stimmt! – für den Arbeitgeber kann es sich katastrophal auswirken, wenn eine hochspezialisierte Mitarbeiterin oder Führungskraft mit weitreichenden Verantwortlichkeiten wegen Mutterschaft auf unbestimmte Zeit ausfällt. Das Vermeiden dieses Risikos ist deshalb nur folgerichtig.
  • „Fehlendes Netzwerk“ – als ob jeder Mann ein (gut ausgebautes) Netzwerk hätte.

Der Artikel gibt keine Information über die restlichen 25%. Vermutlich teilen sie sich in kleinere Anteile auf.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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5 Antworten zu „Männer als Verbündete“- Ergebnisse einer Göttinger Gendertagung

  1. Yeph schreibt:

    Deine Worte in Gottes Ohr!!! oder in dessen Ohr.

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  2. Matze schreibt:

    Es wird dabei ja auch selten untersucht, wie die Chancen von Frauen sind eingestellt zu werden. Es wird nur gezählt, wieviele Frauen auf dem und dem Posten, wo es Geld und/oder Prestige gibt, zu finden sind. DAS sagt aber nichts über eine Diskriminierung aus.

    Und wenn man sich die Chancen ansieht, ist die Situation teilsweise sogar anders herum.

    Wie z.B. für MINT (eng STEM):

    http://journal.frontiersin.org/article/10.3389/fpsyg.2015.01532/full

    http://edition.cnn.com/2015/04/13/opinions/williams-ceci-women-in-science/index.html

    Teilweise 2:1 bis zu 4:1 Vorteil für Frauen. Aber trotzdem ist das was die Leute z.Z. glauben dem total entgegengesetzt und Frauen wie die Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung glauben man muss Frauen auch noch weiter gesetzlich bevorzugen

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  3. Pingback: Zwölfhundertdreiundneunzig | breakpoint

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