Genus, Sexus, Gender, Geschlechterrollen

Genus

Genus bezeichnet das sprachliche Geschlecht, also das Geschlecht, das sich in unserer Sprache niederschlägt.
Beispielsweise über den Artikel „der“, „die“ oder „das“.
Dabei hat das sprachliche Geschlecht nicht unbedingt etwas mit dem tatsächlichen Geschlecht zu tun. „Das Weib“, „das Mädchen“, „das Fräulein“ beschreiben etwa eindeutig weibliche Personen, obwohl sie sprachliches Neutrum sind.
Oder warum heißt es „der Löffel“, „die Gabel“, „das Messer“?
Auch gibt es weibliche Hunde und männliche Ziegen.

In unserer deutschen Sprache herrscht das generische Maskulinum vor. So sagen z.B. „der Mensch“ oder etliche Berufsbezeichnungen überhaupt nichts über das Geschlecht der Betroffenen aus. Männliche und weibliche Menschen (sowie sonstige, sh. unten) sind gleichermaßen gemeint. Dazu braucht man weder ein phallisches Binnen-I, noch ein Sternchen als Joker-Zeichen (das alles sticht).
Wenn man eine einzelne Frau oder eine Gruppe, die ausschließlich aus weiblichen Personen besteht, beschreiben will, kann man häufig ein „-in“, „bzw. „-innen“ anhängen, um auszudrücken, dass keine Männer dabei sind.
Eine Begrüßung wie „Liebe Leserinnen und liebe Leser“, bei der man gezielt beide Gruppen getrennt ansprechen will, ist durchaus in Ordnung, nervt aber schon schnell, wenn man dies alle paar Sätze wiederholt.

Seltener ist das generische Femininum (z.B. „die Person“), das nicht nur Frauen, sondern ebenso Männer bezeichnen kann.

Eine recht amüsante Lektüre ist übrigens Mark Twain’s „The Awful German Language“.

(Biologisches) Geschlecht, Sexus, Sex

Das biologische Geschlecht beschreibt das, was man landläufig unter Geschlecht versteht:

  • männlich: XY-Chromosome, Penis
  • weiblich: XX-Chromosome, Vagina

Jeweils mit mehr oder weniger ausgeprägten sekundären Geschlechtsmerkmalen.

Ganz selten kommt es zu Chromosomenaberrationen (z.B. Turner-Syndrom, Klinefelder-Syndrom) oder sonstigen körperlichen Abweichungen (z.B. aufgrund eines Hormonmissverhältnisses), so dass die primären Geschlechtsorgane nicht eindeutig zuordenbar sind.
Die Anzahl dieser intersexuellen Menschen bewegt sich (höchstens) im niedrigen Prozentbereich. Genaue und verlässliche Daten habe ich leider nicht gefunden. Es ist aber davon auszugehen, dass es sich um eine verschwindende Minderheit handelt, der dennoch selbstverständlich Respekt gebührt.

Gender

Unter „Gender“ scheint jeder etwas anderes zu verstehen. Die „Gender-Forschung“ (die wir alle mit unseren Steuergeldern finanzieren) trägt eher zur Verwirrung als zur Klarstellung bei.
Gender bezeichnet so etwas wie die sexuelle Identität (teilweise gemischt mit sexueller Orientierung, und häufig inkonsistent). Davon gibt es je nach Darstellung 60 oder unendlich viele oder .., statt der zwei Geschlechter, die für die Fortpflanzung nötig sind.

Einige Menschen „fühlen“ sich nicht ihrem angeborenen, körperlichen Geschlecht zugehörig. Dies ist bedauerlich für diese transsexuellen/transgender Menschen, bei denen es sich ebenfalls um eine geringe Minderheit handelt.
Heute stehen ihnen Hormonbehandlungen und Operationen offen, mit denen sich ggf. eine „Geschlechtsumwandlung“ durchführen lässt.
Dennoch ist das Ergebnis nicht immer überzeugend, was wohl bei einigen Betroffenen große Frustration auslöst.

Normalerweise werden in unserer Gesellschaft Inter- und Transsexuelle problemlos akzeptiert.
Da es sich nur um einen kleinen Bruchteil der Bevölkerung handelt, wäre es aber übertrieben, ihretwegen unsere Sprache zu verhunzen, oder andere kostspielige Maßnahmen wie den Einbau zusätzlicher Toiletten oder Umkleidekabinen durchzuführen.
Mit gutem Willen von allen Seiten lassen sich eventuelle Konflikte oder Probleme auch so lösen. Minderheiten müssen sich der Mehrheit anpassen, nicht umgekehrt.

Ich habe dies jetzt recht ausführlich geschrieben, weil es leider auch Menschen gibt, die ihre Transsexualität äußerst aggressiv vertreten, und gegen „cis“-Menschen (hat weder etwas mit der Musiknote cis, noch der Programmiersprache C#, noch der mathematischen Funktion cosine + i * sine zu tun, sondern bezeichnet alle Menschen, die nicht „trans“ sind – also normal, in dem Sinne, dass „Normalität“ das ist, was nicht mehr als 1 σ vom Mittelwert abweicht) regelrechte Hassreden schwingen und ihnen Transphobie vorwerfen.
Nach der Logik dieser Leute wird das Geschlecht ausschließlich durch das Gehirn bestimmt. Das ist natürlich völliger Unsinn. Wenn dem so wäre, wäre ich ein Mann, denn wie 5% aller Männer und 0.9% aller Frauen habe ich ein extrem männliches Gehirn.

Geschlechterrollen

In zig Tausenden von Jahren ist eine Art Aufgabenteilung zwischen Männern und Frauen entstanden, die im Grunde darauf beruht, dass Frauen Kinder empfangen, austragen, gebären und stillen. Diese rein biologischen Unterschiede führen zu einer Symmetriebrechung zwischen Frauen und Männern, die früher durch Kooperation überwunden wurde.
Frauen sind während der Schwangerschaft schutzbedürftig und in ihren Möglichkeiten eingeschränkt. Das Stillen (für das es früher keine Alternative gab) führte zwangsläufig dazu, dass Mütter sich mehr mit ihren (kleinen) Kindern abgaben, und diese pflegten und erzogen.
Die Männer sorgten im Gegenzug dafür, dass Frauen und Kinder Nahrung hatten, und vor Feinden geschützt waren.
Der durchschnittliche Mann ist größer, schwerer und kräftiger als die durchschnittliche Frau.
Im Laufe der Zeit entwickelten sich außerdem die traditionellen Geschlechterrollen, die einfach eine logische Folge der Gegebenheiten waren.

Heutzutage sind die traditonellen Aufgabenfelder der Geschlechter nicht mehr so starr. Jeder kann sich nach eigenem Belieben daran halten oder auch nicht, und ist dafür nur sich selbst verantwortlich (sowie ggf. Partner und Familie).
Bei allen Gendererwägungen darf man nie vergessen, dass die allermeisten Menschen mit den Rollenerwartungen an ihr Geschlecht gut klar kommen, viele damit zufrieden oder sogar glücklich sind. Denn traditionelle Rollenbilder bieten auch eine gewisse Sicherheit und Stabilität.
Wer dies jedoch nicht will, dem steht es frei, sich völlig atypisch zu verhalten, und er wird größtenteils auf Toleranz und Akzeptanz stoßen.

Problematisch wird es jedoch dann, wenn bestimmte Ideologien danach trachten, die traditionellen Rollen umzukehren.
Da wird der kleine Sohn in Mädchenkleider gesteckt, während der Tochter rosa Spielzeug konsequent verweigert wird.
Mädchen werden beim Girls‘ Day in technische Berufe gedrängt, während Jungen beim Boys‘ Day mit sozialen Berufen abgespeist werden.
Frauen werden zu beruflichen Karrieren genötigt, während Männer – ganz egal was sie machen – doch immer nur Repräsentanten des unterdrückenden Patriarchats bleiben.

Anstatt jedem Menschen die Freiheit zu lassen (im Rahmen der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten) selbst zu entscheiden, sollen die Interessen und Ausrichtungen der einzelnen Personen radikal umgedreht und in ihr Gegenteil verkehrt werden – unter dem Vorwand, die Geschlechterrollen „aufbrechen“ zu wollen.
Aber welchen Vorteil hätte dieses „Aufbrechen“?
Für die Gesellschaft insgesamt gar keinen. Für eine Handvoll Betroffener vielleicht. Für die große Mehrheit der Normalbevölkerung stellt der Gender-Ansatz eher ein nerviges Ärgernis dar. Und nur einige wenige profilieren sich damit.

Leider gewinnen solche menschenverachtenden Ideologien, die die Bedürfnisse des Individuums ignorieren, immer mehr Einfluss und Macht in unserer Gesellschaft. Steuerfinanzierte Gender-Study-Lehrstühle sind wohl nur die Spitze des Eisbergs.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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12 Antworten zu Genus, Sexus, Gender, Geschlechterrollen

  1. Blublubla schreibt:

    „Mit gutem Willen von allen Seiten lassen sich eventuelle Konflikte oder Probleme auch so lösen. Minderheiten müssen sich der Mehrheit anpassen, nicht umgekehrt.“

    Gut auf den Punkt gebracht. Wie wahr. Leider werden beide Seiten oft verquert…
    Und es wird immer Leute geben, die durch das Raster fallen. Für den Einzelfall tragisch, aber so ist das Leben nunmal.

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    • Ja, und ich denke, dass eine gewisse Rücksicht selbstverständlich ist.
      Dann kommt man auch miteinander aus.

      Was mich jedoch stört, sind die Bestrebungen des Gender-Feminismus, die Belange dieser verschwindend kleinen Minderheit allgegenwärtig in das öffentliche Bewusstsein zu bringen, z.B. durch Sprachmodifikationen wie * oder _.
      Dies geht zu weit, und viele der Betroffenen wehren sich auch selbst gegen die Versuche, sie zu instrumentalisieren.

      Wer irgendwie weit vom Standard abweicht, wird dadurch häufig Probleme bekommen. Aber die lösen sich nicht, indem man seine Umgebung damit nervt.
      Beispielsweise ist es für mich äußerst schwierig, passende Kleidung oder Schuhe im normalen Handel zu finden, weil ich keine Standardstatur habe.
      Aber das ist eben mein Problem, das ich selbst lösen muss, und ich würde niemals Personen, für die das nicht gilt, dafür verantwortlich machen, oder etwa fordern, deshalb andere Vorteile und Vergünstigungen zu bekommen.

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  2. Danny schreibt:

    Nur eine kleine Ergänzung:

    „In zig Tausenden von Jahren ist eine Art Aufgabenteilung zwischen Männern und Frauen entstanden, die im Grunde darauf beruht, dass Frauen Kinder empfangen, austragen, gebären und stillen. “

    Warum ist das so?
    Weil Arbeitsteilung Effizienzgewinne durch Spezialisierung ermöglicht.
    Äusserlich in Erscheinung tritt die Spezialisierung als sexuelle Dimorphismen (Brüste, usw).
    Innerlich in Form von verschiedenen Verhaltensdispositionen, Arten zu Denken, usw.
    Beides ist in erster Linie biologisch. Die Kultur arbeitet dann jeweils damit.

    Eine Kultur, die die Arbeitsteilung versucht aufzuheben müsste schon über tausende Jahre durchgehalten werden bevor sie irgendwas biologisch bewirkt, was nicht passieren wird weil die Effizienz zu gering ist,als das solche Gesellschaften überlebensfähig wären.

    Allerdings passiert das auch zum Grossteil heute nur scheinbar, denn die meisten erwerbstätigen Frauen machen was mit Kindern (kleine oder grosse..), also das gleiche wie vorher; allerdings mit fremden Kindern statt eigenen, steuerpflichtig und staatlich organisiert statt persönlich.
    Bei Kitas sieht man den Effizienzverlust auch sehr deutlich an der schlechten Betreuungsquote (Kinder pro Frau) von 10-20 statt den normalen zwei bis drei.

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  3. Danny schreibt:

    Das mit der Sprache ist auch ganz witzig. Ich sage z.B. gerne „der Bundeskanzler Frau Merkel“ um die Leute zu ärgern. Viele glauben heute nicht mehr dass das grammatikalisch korrekt ist. Ist es aber.

    Frauen lassen heutzutage wohl sehr gerne ihr „-In“ raushängen, vermutlich eine neuartige Flirttechnik. Buchstaben statt Oberweite 🙂

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    • Die Sprache bietet ja durchaus einen gewissen Spielraum.

      Ich bezeichne mich z.B. als Physikerin, wenn ich nur mich beruflich als alleinige Person meine, fühle mich aber genauso angesprochen, wenn nur von Physikern die Rede ist. Da brauche ich kein „-innen“, und fühle mich auch nicht „unsichtbar gemacht“.

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  4. mitm schreibt:

    Ich frage mich immer, wer diese Begriffe wie gut kennen muß und wer wieviel Aufwand hineinstecken will, um auch die Details zu verstehen.
    Otto Normalverbraucher hat kein Interesse und investiert keine Energie in diese Themen. Dafür reicht auch Deine obige Darstellung völlig aus.
    Politisch und in diversen universitären Kontexten ist es diametral entgegengesetzt. Da ist „Gleichstellung“ auf einmal überlebenswichtig, und Schwesig, Maas und Co. arbeiten laufend und sehr erfolgreich mit Propaganda- und Verdummungsmethoden, die man mit Anfängerwissen nicht durchschaut.

    „Unter „Gender“ scheint jeder etwas anderes zu verstehen.“

    So isses. Die Mehrdeutigkeit, um nicht zu sagen Undefiniertheit, dieses Begriffs wird sogar systematisch ausgenutzt.

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    • Die Allgemeinbevölkerung hat eigentlich kaum einen Bezug zu „Gender“. Da ist häufig noch nicht einmal bekannt, dass es so etwas überhaupt gibt.
      Um so größer ist dann natürlich die Gefahr, dass dieser Begriff zu ideoligischen Zwecken genutzt wird, die nicht im Interesse der Gesellschaft liegen.

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  5. imion schreibt:

    „Frauen sind während der Schwangerschaft schutzbedürftig und in ihren Möglichkeiten eingeschränkt. Das Stillen (für das es früher keine Alternative gab) führte zwangsläufig dazu, dass Mütter sich mehr mit ihren (kleinen) Kindern abgaben, und diese pflegten und erzogen.
    Die Männer sorgten im Gegenzug dafür, dass Frauen und Kinder Nahrung hatten, und vor Feinden geschützt waren.“

    Nein. Diese Aufgabenteilung haben wir erst seit der Industrialisierung. Davor haben Frauen überall auf dem Bauernhof gearbeitet, die Kinder wurden neber das Feld gelegt etc pp. Erst mit der Industrialisierung begann diese Arbeitsteilung, wurde in der Nazizeit forciert und dann in der Nachkriegszeit erst richtig durchgesetzt. Und damit dann auch alles was dazu gehört, Getränke ausgeben, Versorgerehe etc pp, nichts ist Biologisch bedingt, da es sich hierbei erst um eine Kurze Entwicklung handelt, die nichts als Probleme bereitet, da ein Geschlecht es sich auf Kosten des anderen Geschlechts gut gehen lässt.

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    • Bauersfrauen mussten früher schwer arbeiten, das stimmt.
      Aber Bauernhöfe gibt es ja noch nicht so lange wie schwangere Frauen.

      Ich bezog mich auf eine viel frühere Zeit, und natürlich haben Frauen auch da nach Kräften mitgearbeitet.
      Trotzdem ist eine durchschnittliche Frau schwächer als ein durchschnittlicher Mann. Und eine (hoch)schwangere Frau ist erst recht körperlich weniger leistungsfähig.

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