Interview über Frauen in der deutschen IT-Industrie

„Frauen sind sich der Möglichkeiten oft nicht bewusst“ lautet die Überschrift eines Interviews in den VDI-Nachrichten mit Sven Hennige, Managing Director bei Robert Half, der glaubt, dass „Frauen sich in den Unternehmen mehr einbringen müssen“.
(Warum „müssen“ Frauen das? Diese Forderung ist schon recht anmaßend. Frauen haben die Möglichkeiten und Chancen, das zu tun. Aber von „müssen“ sollte keine Rede sein.)

Auf die Frage, warum die „IT-Branche männerdominiert“ sei, antwortet Herr Hennige:

dass vor allem Frauen nicht genügend für die Technik begeistert werden

Personen für etwas zu begeistern, für das sie sich nicht von sich aus interessieren, ist nicht sonderlich sinnvoll.
Viel eher sollte man das Interesse und die Begeisterung all derer fördern, die von vornherein eine Neigung zu technischen Themen haben.

Als Fortschritt in der IT-Branche führt er ausgerechnet Yahoo-Chefin Marissa Mayer an, die es inzwischen ziemlich geschafft hat, Yahoo an die Wand zu fahren.

Weiter behauptet Herr Hennige:

Frauen können in die männerdominierte IT-Branche neue Sichtweisen einbringen und als Vorbilder in Fach- und Führungspositionen weitere weibliche Talente anziehen.

Welchen Sinn und Zweck dies haben soll, erschließt sich mir nicht.

Um Frauen zu gewinnen, sollten IT-Unternehmen mehr auf deren Bedürfnisse eingehen.

Warum sollten Unternehmen das wollen?

Um Mädchen bereits im jungen Alter für die Technik zu begeistern, setzen verschiedene Länder auf Projekte wie den Girls‘ Day

und diskriminieren damit systematisch Jungen, denen es verwehrt wird, technische Berufe an diesem Tag kennenzulernen.

für verstärkte Anreize durch Bildungsinstitutionen aus, um weibliche IT-Talente zu fördern – sei es durch die Ausweitung von Informationsangeboten oder Workshops zu Technologie- und Karrierethemen.

Diese Anreize sollten ebenso für männliche Talente gelten.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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16 Antworten zu Interview über Frauen in der deutschen IT-Industrie

  1. aliasnimue schreibt:

    Wie sieht die Verteilung eigentlich in den USA aus? Und gibt es dort ebenfalls solche Bestrebungen?

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    • Da bin ich etwas überfragt, da ich mich bei meinen Recherchen meist auf Deutschland beschränke.
      Ich meine aber, dass die Unterschiede nur graduell sein dürften.

      Und gerade das Beispiel mit Marissa Mayer trägt wohl nicht gerade zur Motivation bei, Frauen stärker in IT-Unternehmen zu einzubeziehen.

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      • aliasnimue schreibt:

        Interessanter Eintrag bei wikipedia:
        https://de.wikipedia.org/wiki/Frauen_in_der_Informatik

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        • mitm schreibt:

          Bei diesem Wikipedia-Artikel müßte sich ein normaler Mensch sofort fragen, wieso gibt es diesen kuriosen Artikel? Gibt es auch einen Artikel „Männer als Geburtshelfer“ oder „Frauen bei der Müllabfuhr“? Was wird da beschrieben, eine Wissenschaft, ein Verein, ein soziologisches Phänomen, eine brennende gesellschaftliche Frage? Antwort: keines der vorigen, sondern ein Egoproblem feministischer Akteure. Es ist einfach unerträglich, nicht überall, wo die Musik spielt, angemessen repräsentiert zu sein. Deswegen glaubt man auch an absurden These wie im ersten Abschnitt „Anfangs war insbesondere das „Computing“ und das Programmieren ein Frauenberuf.“

          Die Behauptung „Den Grundstein der Informatik legte im 19. Jahrhundert die Mathematikerin Ada Lovelace, die als erste Programmiererin in die Geschichte einging.“ ist definitiv falsch, ich habe eine Richtigstellung vor einiger Zeit hier aufgeschrieben: https://www.freitag.de/autoren/marlen-hobrack/wie-der-computer-die-frau-loeschte/@@view#1449450400448900
          D.h. der Wikipedia-Artikel ist wieder mal feministische Propaganda: eigentlich haben „die Frauen“ die Informatik erfunden, aber „die bösen Männer“ sind gekommen, und haben sie „den Frauen“ geraubt.

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          • aliasnimue schreibt:

            Weisst Du denn, wie die Verteilung im Mint-Bereich in anderen Ländern ist?
            Das war eigentlich die Ausgangsfrage.

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            • mitm schreibt:

              „Weisst Du denn, wie die Verteilung im Mint-Bereich in anderen Ländern ist?“

              Dazu braucht man ganze Bücher. Nur alleine die statistischen Fakten einigermaßen sauber darzustellen, ist schon schwierig, noch haariger sind die meist davon nicht sauber getrennten Spekulationen über die Ursachen der Zahlen

              Ein paar Fakten: die MINT-Fächer sind keineswegs homogen in der Geschlechterverteilung. Die kleinsten Frauenanteile in der Nähe von 10% haben Elektrotechnik und „echte“ Informatik.
              Maschinenbauer, Physik, Wirtschaftsinformatik u.a. haben ca. 20%, in der Mathematik sind es 30 – 50%, hier spielt der relativ hohe Anteil der Lehramtstudenten bzw. Lehrer und der Didaktik-Lehrstühle (alles weiblich dominiert) eine Rolle. Biologie, Pharmazie und alles Medizin-nahe sowie Chemie sind weiblich dominiert. Das alles für Deutschland und den akademischen Bereich.

              International sieht es in allen westlichen Kulturen ziemlich ähnlich aus. Man muß hier aber sehr aufpassen, ob die Studiengänge und Inhalte vergleichbar sind, nicht umsonst werden ausländische Studienabschlüsse nicht automatisch anerkannt.

              Speziell zur Informatik: in den feministischen Paradiesen in Skandinavien ist die Frauenquote in der Informatik nur bei 10 %, trotz optimaler Bedingungen für interessierte Frauen (Empfehlung hierzu: die Brainwash / Hernevask Videos von Eia und das dort beschriebene Gender-Paradox – paradox ist, daß auh nach einer Generation genderfeministische Praxis nicht die durch die Theorie versprochene Gleichverteilung der Interessen von Männern und Frauen eingetreten ist). Relativ hohe Frauenquoten (~25%) in der Informatik findet man in Italien und Frankreich, tw. noch höhere im arabischen Raum oder in m.W. Indien. Generell vor allem in ärmeren Staaten, in denen ein Abschluß als Ingenieur oder Informatiker einen sozialen Aufstieg ermöglicht, und in denen überhaupt ein relativ leichter Zugang zum Bildungssystem möglich ist, also nicht nur einer reichen Oberschicht vorbehalten ist. In islamistischen Staaten sind die angesehenen und wichtigen Berufe Religionswächter, Prediger, Jurist usw., und die sind weitgehend für Männer reserviert, d.h. die Frauenquote in den „unwichtigen“ Berufen ist vor diesem Hintergrund zu sehen.
              Wie gesagt, es ist sinnlos, Frauenquoten aus verschiedenen Ländern zu vergleichen, ohne die strukturelle Ursachen dafür zu berücksichtigen.
              Eigentlich ist es generell sinnlos, Frauenquoten zu betrachten 😉

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              • aliasnimue schreibt:

                Danke für die ausführliche Antwort.
                Ich stehe zum Thema ähnlich wie breakpoint auch. Mich hat nur mal interessiert, wie das in anderen Ländern aussieht.

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                • Deine Tochter interessiert sich ja, glaube ich, auch für die Computerei, auch wenn sie noch viel Zeit hat.
                  Ich würde ihr den gleichen Rat geben, den ich vor Jahren auch meinem Neffen gegeben habe (gilt ebenfalls, wenn sie in eine ganz andere Richtung will):
                  Sie soll sich gut informieren: Bücher, Internet, andere Informationsangebote wie den Girls‘ Day, ..
                  Dadurch erhält sie ein möglichst konkretes Bild, was auf sie zukommt, und bekommt so eine gute Entscheidungsgrundlage.
                  Wie hoch der Frauenanteil dabei ist, sollte jedoch kein Argument sein.
                  Entweder sie will es wirklich machen – dann nur zu – oder eben nicht. Dann findet sie sicherlich eine Alternative, die ihr besser entspricht.

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              • idgie13 schreibt:

                20% im Maschinenbau?
                Das halte ich für ein Gerücht.
                Wir hatten ähnliche Anteile wie die E-Technik mit 3 Mädels unter 200 Kerlen.

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          • Leider liest sich dieser Wikipedia-Eintrag passagenweise tatsächlich wie ein Propagandaartikel.
            Es ist schade, dass dort keine objektiveren Informationen bereitgestellt werden.

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        • Diese Seite hatte ich vor längerer Zeit schon einmal gelesen. Manchem stimme ich zu, manches sehe ich auch völlig anders.
          Es würde aber zu weit führen, das im Detail auszuwälzen.

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  2. mitm schreibt:

    Ich frage mich, was der VDI über „die Informatiker“ zu sagen hat. Der VDI vertritt in erster Linie die Maschinenbauer, die lernen im Studium praktisch nichts über Informatik. Etwas näher dran wäre vielleicht der VDE, die Elektrotechniker lernen wenigstens ein paar Brocken C.
    Tatsächlich zuständig wäre die GI, Gesellschaft für Informatik.

    Ansonsten völlige Zustimmung zu diesem Post.

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    • Der VDI vertritt alle Arten von Ingenieuren, und auch Personen, die sich dem Ingenieurstand irgendwie zugehörig fühlen (z.B. bin ich als Physikerin bereits seit meinem Studium dabei). Er ist bei weitem der größte technische Verein in Deutschland, und hat deshalb schon einiges an Gewicht.

      Bei einigen Universitäten ist die Informatik in der technischen Fakultät eingegliedert.

      Ich sehe den VDI deshalb durchaus als zuständig für solche Themen.

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    • idgie13 schreibt:

      Ganz so stimmt das nicht.
      Ich habe vor 20 Jahren Maschinenbau studiert und damals schon Informatik als Vorlesung gehabt. Auch programmiert wurde damals schon – zwar noch in Fortran, aber die Sprache ist ja egal.
      Selbst in meiner Diplomarbeit habe ich Software entwickelt.

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  3. mitm schreibt:

    Noch eine Ergänzung zum Thema:
    1st European Celebration of Women in Computing (ECWC)
    http://www.genderportal.eu/events/1st-european-celebration-women-computing-ecwc

    Ich frage mich immer, welche Minderwerigkeitskomplexe hier behandelt werden. Ich kenne eine sehr gute, hier und heute real existierende und erfolgreiche Informatikerin persönlich, die braucht für ihr Ego keinen Geschichtsunterricht über Ada Lovelace oder eine Messe, wie toll ihre Geschlechtsgenossinnen sind.
    Zum Glück gibt es keine „1st European Celebration of Man in Ballet (ECMB)“, ich käme mir gleich irgendwie defizitär vor.

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  4. Pingback: Spring Tweets //1441 | breakpoint

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