Über zwei Artikel in der NZZ

Zwei Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung sind mir aufgefallen (ich kriege solche Publikationen manchmal über Twitter mit).


In dem schon etwas älteren Artikel „Das Schweigen der Männer“ ist mir besonders folgende Aussage ins Auge gefallen:

„Viele Männer können sich gar nicht vorstellen, was Frauen in männerlastigen Branchen aushalten müssen.“

Als Frau mit langjähriger Berufserfahrung in einer männerlastigen Branche versagt hier auch mein Vorstellungsvermögen.
Was könnte so schwer erträglich sein?
Vielleicht, dass von Frauen ähnliche Leistungsstandards erwartet werden wie von Männern?

Leider liefert der Artikel keinerlei Beispiel oder Begründung, macht nur ohne weitere Belege die Aussage:

Die sozialpsychologische Forschung geht davon aus, dass Männer eher dazu neigen, sexistische Bemerkungen, Handlungen und Strukturen zu übersehen, als Frauen.

Meines Erachtens liegt der blinde Fleck anderswo. Aber die Männerfeindlichkeit in unserer Gesellschaft zu thematisieren ist ja nicht opportun.


In dem aktuellen Artikel „Nein, ich fühle mich nicht gleichberechtigt“ echauffiert sich die Autorin über harmlose Bemerkungen wie

„Dein Chef kann sich glücklich schätzen, dass er mit so vielen jungen schönen Frauen zusammenarbeiten darf.“

Wie kann man sich nur über solche freundlich und als Kompliment gemeinten Sätze so aufregen? #Aufschrei lässt grüßen.

Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der der Umgangston zwischen den Geschlechtern so verkrampft wird, wie sich das einige humorlose und prüde Feministinnen wünschen.
Deshalb kann ich alle Männer nur darin bestärken, sich nicht verbal von Feministinnen kastrieren zu lassen.
Ich habe es wirklich satt, wie einige wenige verbiesterte Feministinnen versuchen, allen anderen Frauen vorzuschreiben, was diese zu denken haben. Alles, was von ihrer persönlichen Meinung abweicht – und sei es noch so sachlich vorgebracht und fundiert argumentiert -, wird als Hate speech eingeordnet, und soll zensiert werden.

Solange es in einem sachlich-höflichen Ton geschieht, trete ich dafür ein, dass jeder seine Meinung frei äußern darf – auch wenn sie mir persönlich nicht gefällt.
Unserer Gesellschaft würde es gut tun, wenn manche Personen ihre persönlichen Befindlichkeiten etwas weniger wichtig nähmen, und sich von – vielleicht unbedachten oder ungeschickten – Bemerkungen anderer, nicht gleich gestört fühlen würden, wenn da keinerlei böswillige Absicht vorhanden ist.

Der zweite Teil des Artikel sprüht nur so vor double standards. Einerseits betont die Autorin immer wieder, dass sie die Entscheidungen anderer respektiert, andererseits kommt sehr gut heraus, dass sie das eben nur insoweit tut, wie es ihren eigenen Vorstellungen entspricht.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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30 Antworten zu Über zwei Artikel in der NZZ

  1. aliasnimue schreibt:

    Vielleicht sollte man erstmal klären, was denn „männerlastige Branchen“ überhaupt sind.
    Spontan fällt mir dazu das Baugewerbe ein. Da ist es wohl wirklich noch so, dass Frauen einen schweren Stand haben und unter Diskriminierungen leiden müssen.

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    • Wie es Bauarbeiterinnen, Kanalarbeiterinnen oder Müllfrauen ergeht, darüber liegen mir tatsächlich zu wenige Daten vor.
      Ich bezog mich auf MINT-Berufe, insbesondere Ingenieurwesen und alles drum herum. Darüber habe ich aber schon häufig geschrieben.

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      • aliasnimue schreibt:

        Genau das wollte ich damit andeuten.
        Die Frauen in MINT-Berufen sind in der Gruppe „Frauen in Männerdomänen“ ja eher die Minderheit.
        Es gibt ja auch noch Tischler, Mechatroniker, KFZ-Mechaniker, Schornsteinfeger….

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        • Wie auch immer – wenn man einen bestimmten Beruf ergreift, muss man auch mit dem Umfeld klarkommen.
          Wer das Verhalten seinen Kollegen grundsätzlich nicht erträgt, weil die das andere Geschlecht haben, sollte besser einen anderen Beruf wählen, statt zu fordern, dass sich die Mehrheit gefälligst der Minderheit anzupassen hat.

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        • only_me schreibt:

          Ich habe nach dem Abi mal einen Monat auf dem Bau gearbeitet. Was ich mir da als schmalbrüstiger, brillentragender Relativintellektueller anfangs alles anhören musste.
          Schlimm, schlimm, schlimm.
          Ich hätte natürlich einen Aufschrei organisieren können.
          Stattdessen habe ich mir gedacht: Das hier ist ein Umfeld mit etablierten Umgangsformen, die ziemlich sicher einen Sinn haben. Ich muss schauen, wie ich mir den Respekt der Etablierten und damit einen Platz in der Gruppe schaffen kann.
          Hat dann auch gut funktioniert.

          Wieso können das Frauen (jedenfalls der feministischen Sorte) nicht? Haben die nichts vorzuweisen, was man(n) respektieren könnte oder sehen die es nicht ein, sich an den Spielregeln der bestehenden Gruppe zu orientieren, die Gruppe habe sich gefälligst an ihnen zu orientieren?

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          • Wer in irgendeiner Form „anders“ als der Rest der Gruppe ist, muss erst mal mit Vorbehalten rechnen.
            Das ist normal so, und der Außenseiter kann sich bemühen, den Respekt der Gruppe zu verdienen.

            Feministisches Vorgehen artet dagegen in Herumlamentiererei, dem Stellen von Ansprüchen, und beständiger Forderung aus, dass sich die Welt so verändern soll, wie sie es gerne hätten.
            Jegliche Versuche, bei sich selbst zu beginnen, und sich den Gegebenheiten anzupassen sucht man vergebens.
            Nun ja, das böse Patriarchat lässt sie ja gar nicht zeigen, was sie alles können.

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          • aliasnimue schreibt:

            Grundsätzlich sehe ich das als ein Problem von Minderheiten. Wenn alle mal akzeptieren würden, dass es geschlechtsspezifische Unterschiede gibt, bräuchte man so Diskussionen nicht zu führen.
            Ich will nicht bestreiten, dass es Frauendiskriminierung gibt. In bestimmten Bereichen auch sicher mehr als anderswo.
            Die feministische Bewegung war und ist sicher wichtig. Aber diese Frauen, die sich ständig nur angegriffen fühlen, die stehen für mich einfach nicht zu ihrer Weiblichkeit.

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            • only_me schreibt:

              „Ich will nicht bestreiten, dass es Frauendiskriminierung gibt“

              Mich würde interessieren, ob es mehr Frauendiskriminierung als Dickendiskriminierung, Glatzendiskriminierung, Altendiskriminierung, Armendiskriminierung, Kleinwüchsigendiskriminierung oder Dummendiskriminierung gibt.
              Um nur einige zu nennen.

              Ich wäre sehr überrascht, wenn ja. Denn Glatzköpfe, Alte, Arme, Kleinwüchsige, Dumme und Dicke (Männer) haben keine so mächtige Lobby, die entsprechende Diskriminierer in Angst und Schrecken versetzen könnte.

              Egal wo im Netz eine(n) FeministIn liest, alle Klagen laufen immer darauf hinaus, dass es noch immer(!) Frauen gibt, die irgendeine Art von Problem haben, das man mit ihrem Frausein in Verbindung bringen kann.
              Es geht nie um Fairness. Es geht nie darum, ob es andere Erklärungen als schlichtweg „Frau“ gibt. Es geht nie darum, ob es anderen Bevölkerungsgruppen unterm Strich schlechter geht. Es geht nie darum, ob die Nachteile vom Frau-Sein von den Vorteilen vom Frau-Sein eventuell aufgewogen werden.
              Es geht immer nur um den Anspruch, dass Frau-Sein niemals zum Nachteil gereichen darf.

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            • aliasnimue schreibt:

              Die Frage nach der Lobby ist wohl eine wichtige. Dahinter steckt wohl politisches Kalkül sowie wirtschaftliche Interessen. Mit so einem künstlich aufgebauschten Thema lässt sich anscheinend gutes Geld verdienen.

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            • Wenn alle mal akzeptieren würden, dass es geschlechtsspezifische Unterschiede gibt, bräuchte man so Diskussionen nicht zu führen.

              Ja, wenn ..

              Ich will nicht bestreiten, dass es Frauendiskriminierung gibt.

              Inzwischen dürfte in westlichen Ländern Männerdiskriminierung viel weiter verbreitet sein, auch wenn dies zu nennen noch ein gesellschaftliches Tabu ist.

              Aber diese Frauen, die sich ständig nur angegriffen fühlen, die stehen für mich einfach nicht zu ihrer Weiblichkeit.

              Diesen Eindruck habe ich schon lange. Diese Frauen müssen enorme Minderwertigkeitskomplexe haben, die sie auf alle anderen Frauen projizieren. Und die Schuld für sämtliche Widrigkeiten des Lebens schieben sie den Männern zu.

              Gefällt 1 Person

          • sevens2 schreibt:

            Gesprochen wie ein Relativintellektueller. Gedacht und gehandelt wie ein Relativintellektueller und Mann.

            Frauen sind empfindsamer, empfindlicher und egalitärer. Kaum verwunderlich, dass es zu Konflikten kommt.

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        • GOI schreibt:

          Irgendwelche Daten oder gar persönliche Erfahrungen mit Diskriminierungen im Baugewerbe (bzw. Tischler, Mechatroniker, KFZ-Mechaniker, Schornsteinfeger)?

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  2. heubergen schreibt:

    Ich komme als Mann aus dem MINT-Umfeld und kenne einige Frauen die mit mir zusammenarbeiten.

    Ein Beispiel was sie „aushalten“ müssen frei nach einer Kollegin zitiert:
    Die Gesprächsthemen (während der Bürozeiten) drehen sich in meinem männerlastigen Büro um Autos, Frauen, Videospiele. Also alles Themen die mich nicht gross interessieren und auf die ich getrost verzichten könnte. So kann ich wenig mitdiskutieren und es ist immer wieder anstregend auf eigene Themen zu lenken welche die Kollegen wenig interessiert (Beauty, Liebe, Nähen).
    Ausserdem ist es am besten einfach wegzuhören wenn die Männer sich über ihre Frauenerungenschaften austauschen, was will man da ja auch dazu sagen?

    Ich weiss natürlich dass du nur den Artikel kritisierst und selber schon wissen wirst was dich selber im Büro stört 🙂 Wollte nur mal eine (andere) Sichtweise auf das Thema einbringen.

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    • Es ist schon eine furchtbare Zumutung, wenn sich Leute über Themen unterhalten, die einen selbst nicht interessieren.
      Und wie anstrengend es erst ist, die anderen dazu zu bringen, über Themen zu reden, die ihnen egal sind!

      Ich mach‘ es in solchen Fällen so, dass ich nicht zuhöre, und mich eben nicht am Gespräch beteilige.

      Sorry, aber wenn sich manche Personen für den alleinigen Nabel der Welt halten, um den sich alles andere drehen muss, dann werde ich bisweilen sarkastisch.

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  3. only_me schreibt:

    Ihre Reaktion auf „Dein Chef kann sich glücklich schätzen, dass er mit so vielen jungen schönen Frauen zusammenarbeiten darf“ fand ich so herrlich dumm:

    „Was hat mein Aussehen und das meiner Kolleginnen mit unserem Arbeitsklima zu tun?“

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    • Da sucht man vergeblich nach Einsicht.

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    • tom174 schreibt:

      Meine Antwort dazu, dort im Forum:
      Donnerstag, 2. Juni 2016 – 18:36
      Auch ich mansplaine mal zu dem: „weil ich auf meine körperlichen Eigenschaften reduziert werde.“ Der Satz „«Dein Chef kann sich glücklich schätzen, dass er mit so vielen jungen schönen Frauen zusammenarbeiten darf.»“ reduziert nichts. Mag sein, dass du dich so fühlst, das darfst du anprangern. Aber Reduktion wäre „dein Chef hat euch doch nur eingestellt, weil ihr so hübsch ausseht“. Ich als Mann kann Menschen durchaus gleichzeitig hübsch und inkompetent oder hübsch und hochleistungsfähig gleichzeitig ansehen. Kann das eine Frau nicht? Reduziere ich einen Menschen auf seine Muskeln, wenn ich sage „Du kannst aber schnell Rad fahren“? Wenn ich einer Kollegin sage, du hast aber ein tolles Auto? Meine Antwort auf „Was hat mein Aussehen und das meiner Kolleginnen mit unserem Arbeitsklima zu tun?“ wäre gewesen: „Nix. Aber es gibt Menschen, so auch ich, die Schönheit schön finden. Dass du dein Glück aber ausschließlich aus dem Arbeitsklima beziehst, finde ich bedenklich.“

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  4. GOI schreibt:

    Ich empfehle der Autorin von Text 1 mal, sich Geschichten von Ex-Zivis (die meistens in frauendominierten Branchen tätig waren) anzuhören.

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  5. Matze schreibt:

    „Was könnte so schwer erträglich sein?
    Vielleicht, dass von Frauen ähnliche Leistungsstandards erwartet werden wie von Männern?“

    So wie hier?

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