Artikel: Edition F über „unfähige Männer in Führungspositionen“

Als bei Edition F der Artikel „Warum unfähige Männer so oft in Führungspositionen sind“ erschien, hatte ich nicht gleich Zeit, darüber zu bloggen, und danach geriet er vorübergehend in Vergessenheit.
Deshalb gebe ich erst jetzt mit Zeitverzögerung meine paar Cents dazu.

Die wesentliche Aussage des Artikels ist

dass wir als Gesellschaft unfähig sind, zwischen Selbstüberzeugung und tatsächlichem Können zu unterscheiden. Die meisten Manager sind durch ein starkes Selbstbewusstsein gekennzeichnet. Ein Attribut, das deutlich öfter bei Männern auftritt als bei Frauen. Den einzigen Vorteil, den Männer im Bezug auf Führungspositionen gegenüber Frauen haben, ist also, laut Chamorro-Premuzic, der Hang zur Überheblichkeit Während Frauen oft zurückhaltender und selbstkritischer sind, behaupten Männer viel überzeugter etwas zu beherrschen. Ganz nach dem Motto: „Fake it till you make it”. Dieses herausfordernde Selbstbewusstsein wird in unserer Gesellschaft oft mir wahrhaftem Können verwechselt.

Der Artikel behauptet also, dass der größere Anteil von Männern in Führungspositionen, darauf beruht, dass diese eine größere Klappe haben, während Frauen zu zurückhaltend und selbstkritisch sind, um ihre Fähigkeiten angemessen darzustellen.

Gehen wir einmal davon aus, dass diese These stimmt.
Da ist also eine sehr ruhige Frau, die sich bei Besprechungen kaum jemals Wort meldet, obwohl ihre fachlichen Beiträge selbstverständlich wesentlich fundierter und durchdachter sind, als die der männlichen Kollegen, die ihr aber immer wieder das Wort abschneiden.

Jetzt gehen wir weiter davon aus, dass aus irgendwelchen Gründen diese Frau – Hokuspokus! – dennoch befördert würde. Schließlich ist sie (in unserem Szenario) wesentlich kompetenter und qualifizierter als all die männlichen Großmäuler – bisher hat es nur noch niemand bemerkt.
Sie erhält also Führungsverantwortung über einige Mitarbeiter (von der Art, die ihr sonst immer ins Wort gefallen sind) und die Aufgabe, auch mit Kunden (die auch nicht unbedingt Verständnis für ihre zurückhaltende Art haben) zu verhandeln.

Wird diese Frau es schaffen, ihre Aufgaben erfolgreich zu meistern?
Wird sie sich als Führungskraft durchsetzen können, obwohl sie das schon als Sachbearbeiterin nicht geschafft hat?

Um erfolgreich eine Führungstätigkeit ausüben zu können, ist eine gewisse Durchsetzungskraft nötig, und auch die Fähigkeit, seine Fähigkeiten angemessen darzustellen.

Introvertierte Personen haben es da generell schwerer als extrovertierte. Das ist nicht an das Geschlecht gebunden. Es gibt viele ruhige, zurückhaltende Männer, und ungezählte Frauen mit Hoppla-jetzt-komm-ich-Mentalität, deren übersteigertes Ego sich für den Nabel der Welt hält.
Man muss sich nur mal die Netzfeministinnenszene ansehen, um jede Menge Frauen zu finden, die sich selbst ausgezeichnet vermarkten können, obwohl keinerlei brauchbare Qualifikation dahinter steckt.

Eine Beförderung entsteht ja nicht aus dem Nichts. Üblicherweise kennt der Vorgesetzte seine Mitarbeiter schon länger, und weiß, was er ihnen jeweils zutrauen kann, und wo ihre Grenzen liegen. Er wird sich deshalb nicht von ein paar Sprüchen und Angeber-Gehabe blenden lassen, sondern sehr genau wissen, wer für eine Beförderung oder Aufgabenerweiterung in Frage kommt, und wer ungeeignet ist.

Bei einer Neueinstellung ist die Situation zugegebenermaßen schwieriger. Aber auch da weiß ein guter Chef, wie er Bewerber einschätzen muss, und wie er herausfindet, bei wem der Schein überwiegt.
Erfahrenen Vorgesetzten sind die Qualitäten der stillen und introvertierten Menschen durchaus bewusst.

Wer als Entscheidungsträger öfter auf reine Selbstdarstellung, ohne dass etwas dahinter ist, hereinfällt, wird nicht lange in dieser Position bleiben.
Chronische Fehlentscheidungen führen auf Dauer dazu, dass ein Unternehmen nicht gegen die Konkurrenz besteht.

Zur Qualifikation gehört eben auch, sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen, und seine eigenen Fähigkeiten bestmöglich zu präsentieren.
Aber das lässt sich erlernen und üben. Gerade für Frauen gibt es etliche (teilweise staatlich bezuschusste und öffentlich geförderte) Coaching-Angebote und unzählige Ratschläge und Tipps – wie etwa, sich die Zehennägel zu lackieren, um dadurch ein größeres Selbstvertrauen auszustrahlen.

Niemand muss perfekt sein. Im Gegenteil – kleine Ungeschicklichkeiten machen sympathisch, sofern man konstruktiv damit umgeht.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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14 Antworten zu Artikel: Edition F über „unfähige Männer in Führungspositionen“

  1. Björn schreibt:

    Wenn die Manager-Frau so schlau und qualifiziert ist könnte sie ja auch auf die Idee kommen ihre Ansichten mit mehr Selbstbewusstsein zu vertreten. Ist ja kein biologischer Determinismus daß Frauen kein Selbstvertrauen haben können.

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  2. Irenicus schreibt:

    Ich finde schon die Unterstellung, dass „großmäulig sein“, eine männliche Eigenschaft sein soll, ohne jeglichen Beweis dafür zu erbringen, seltsam. Ich glaube auch nicht, dass Männer damit eher durchkommen würden als Frauen. Meiner Erfahrung nach ist das Gegenteil der Fall. Männer lassen sich sehr leicht von einem Lächeln und einem bisschen Haut blenden. Zumindestens ein paar Mal.

    Allerdings habe auch ich schon oft erlebt, dass Frauen zurückhaltender agieren und ihre Interessen nicht selbst durchsetzen, sondern dafür lieber ihre männlichen Kollegen vorschicken. Nur ernten die dann eben nicht nur die Kritik, sondern auch die Lorbeeren.
    Und ich glaube dieses Verhalten wird auch dadurch begünstigt, dass viele Frauen es gewohnt sind, dass ihnen schon irgendwer hilfreich zur Seite springt, und ihnen hilft. Und genau das wird ja auch hier (im Artikel) gefordert. Frau soll sich nicht etwa selbst durchsetzen müssen, wo kämen wir denn dann hin? Nein sie soll gefälligst wohlwollend von anderen in die Führungsposition gehoben werden, ohne etwas (bzw. das Nötige) dafür zu tun.

    Ansonsten habe ich bei beiden Geschlechtern beobachten können, dass man Führungsverantwortung nicht wollte bzw abgelehnt hat. Habe allerdings auch noch nie gesehen, dass eine Frau diese Rolle angestrebt hätte (Männer schon, und die waren dafür auch nciht unbedingt geeignet).
    Und auch ich möchte jetzt nicht unbedingt der Chef sein, der 12 Stunden am Tag mit Arbeit verbringt, und auch am Wochenende jederzeit erreichbar ist. Da reicht es mir ein normaler Angestellter mit gutem Gehalt zu sein, der ggf. demnächst nur noch 35 Stunden arbeitet um mehr Privatleben zu haben. Ich bin halt kein Mensch der nur in seiner Arbeit aufgeht und seine ganze Lebensqualität daraus bezieht. Trotzdem bin ich gerne für einzelne Projekte verantwortlich, treffe die Entscheidungen und entwickle die Pläne, und trage auch „gerne“ die damit verbundene Verantwortung, ohne dass sich das kurzfristig finanziell lohnt. Einfach weil mir dieser Teil der Arbeit liegt und Spaß macht. Außerdem mache ich mich für mein Unternehmen unentbehrlich und die letzte Gehaltserhöhung hat mir mein Chef von sich aus angeboten. 😉

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    • Der Artikel ist strahlt wieder mal die typische Schwarzweißmalerei (deren Kontrast ich zugegebenermaßen noch etwas überspritzt formuliert habe) aus.

      Nicht jeder kann führen, und dadurch beträchtliche Verantwortung tragen. Der Wille dazu reicht bei weitem nicht.

      Vor allem fand ich die Vorstellung schon mehr als befremdlich, dass die Autoren offenbar annehmen, dass jemand, der auf einer untergeordneten Position zurückhaltend agiert, in einer Führungsposition plötzlich den dortigen Anforderungen, wie etwa Kundenverhandlungen, gewachsen sei.

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  3. aliasnimue schreibt:

    Solche Artikel kann man getrost ignorieren. Zielen sie doch nur darauf ab, irgendein schwachsinniges Seminar zu verkaufen.

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    • Klar, meist geht es nur darum, die eigenen Dienste zu propagieren.
      Dennoch gibt es genug Personen, die so etwas lesen und kritiklos ihr eigenes Weltbild dadurch aufbauen oder verstärken.

      Man sollte nicht unterschätzen, wie sehr solche Artilel die öffentliche Meinung prägen.

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  4. only_me schreibt:

    Kannst du nicht mal mit deiner durch und durch frauenfeindlichen Angewohnheit aufhören, feministische Aussagen mit der wahrnehmbaren Welt abzugleichen?
    Wie soll denn da weibliches Selbstbewusstsein entstehen, wenn andere Frauen ihnen machweisen, dass sie einfachste Zusammenhänge nicht verstehen?

    Also echt…

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  5. Carnofis schreibt:

    Ich arbeite seit über 20 Jahren im Bereich F&E.
    Ich habe mehrmals den Job gewechselt, mich also selbst verkaufen müssen und als „Sachverständiger“ für meinen Arbeitgeber an Vorstellungsgesprächen anderer teilgenommen.

    Großmäuliger Männer sind mir nur selten vorgekommen.

    Es gibt in der Tat einen gewissen Unterschied, den ich so skizziere:
    eine Firma will ein Produkt verbessern, neu entwickeln, oder Abläufe optimieren. Dafür will sie sich externen Sachverstand reinholen. Der potentielle Bewerber wird nun gefragt, ob er sich in der Lage sieht, die Aufgabe zu erfüllen. Keiner der am Tisch sitzenden kann diese Frage wirklich beantworten, aber der männliche Bewerber wird nach einer kurzen Analyse antworten: „Ist machbar, trau ich mir zu!“.
    Die Frau wird lange nachdenken und vorsichtig auf die Unwägbarkeiten hinweisen un vielleicht auch noch mit dem Totschlagargument antworten: „Ich weiß nicht, ich kann’s ja mal versuchen“.
    Kein Chef wird jemanden einstellen, der „mal versuchen“ will.
    Hat der männliche Bewerber nun ein großes Maul gehabt?
    Nein, unter Umständen nicht einmal, wenn er am Ende tatsächlich doch scheitert. Ein großes Maul hätte er nur gehabt, wenn er von vornherein für die vorgesehene Aufgabe wirklich total ungeeignet gewesen wäre – und dieses auch selbst gewusst hätte.
    So gut wie alle Innovationen wurden von Menschen umgesetzt, die sich auf unbekanntes Terrain trauten – und das sind nun mal fast immer Männer.
    Und befördert werden nur die (positiven) Grenzverletzer.
    Frauen werden da nie gleichziehen, wenn sie nicht ein ähnliches Selbstvertrauen entwickeln.

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    • Ja, das was du schreibst, ist so durchaus realistisch.

      Im ursprünglichen Artikel von Edition F wurden jedoch Männer als von vornherein „unfähig“ gelabelet, während Frauen als kompetenter dargestellt wurden.
      Das ist in dieser Form natürlich Unsinn. Überall gibt es Personen, die tatsächlich etwas können, und andere, die sich nur den Anschein geben.

      Wichtig ist, sich selbst verlässlich einschätzen zu können, was man selbst schaffen kann, und dies auch deutlich zu kommunizieren.
      Wenn viele Frauen in letzerem Punkt Defizite haben, kann man das nicht denjenigen Männern anlasten, die das besser können.

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      • violetmargo schreibt:

        „Überall gibt es Personen,(…) die sich nur den Anschein geben.“ Eben: Überall und verstärkt bei Managern. Die Bankenkrise z.B., die auf mehreren Kontinenten Auswirkungen hatte, wäre ohne Selbstüberschätzung, Arroganz, Realitätsverlust, Egoismus, Empathiestörung usw. gar nicht erst möglich.
        Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass Manager schlimmere soziopathische Störungen als kriminelle Soziopathen aufweisen.

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