Sexismus bei @DieZeit: „Deutschland spricht“ #D17

Eigentlich eine gute Idee ist das von der Zeit geplante Projekt „Deutschland spricht“.

Man beantwortet fünf kontroverse Fragen, und die Zeit bemüht sich, bis zum 18. Juni einen Gesprächspartner in der gleichen Gegend zu finden, der möglichst die entgegengesetzte Meinung vertritt. Dann ist geplant, mit dem Gesprächspartner ein paar Stunden lang zu diskutieren, um außerhalb der eigenen Filterbubble ins Gespräch zu kommen.
Wie gesagt – ein interessanter Ansatz, den ich grundsätzlich befürworte.

Also machte ich mich daran, die Fragen zu beantworten. Allerdings hatte ich nur bei zweien eine eindeutige Meinung (und gerade diese Themen möchte ich nicht unbedingt mit einer fremden Person diskutieren).
Bei den anderen drei Fragen war ich unentschieden oder egal, bzw. „kommt drauf an“, musste mich aber dennoch zwischen Ja und Nein entscheiden.
Ein Thema, das mich gereizt hätte, war nicht dabei.

Nun ja, Web-Formular weiter ausgefüllt.
Frage nach Geschlecht angeklickt, und siehe da:

Eine weitere Frage wurde gestellt:

Ist es Ihnen wichtig, dass ihr [sic! Wessen Gesprächspartner überhaupt?] Gesprächspartner ebenfalls eine Frau ist?

Testweise wiederholte ich die Fragen, klickte diesmal aber „Mann“ an:

Diesmal blieb die Zusatzfrage aus.

Was soll das?
Wieso haben Frauen diese Zusatzoption, aber Männer nicht?
Und wieso darf sich niemand einen Mann als Gesprächspartner wünschen?

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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28 Antworten zu Sexismus bei @DieZeit: „Deutschland spricht“ #D17

  1. Emannzer schreibt:

    Das Einzige, was mich an der sexistischen „Zeit“ noch interessiert, ist die Rubrik „Um die Ecke gedacht“. Wenigstens diese Rätsel haben noch etwas Niveau.

    Gut erkannt, Anne, was die da wieder im offenen *lach* Dialog so abziehen. Und es endet ja nicht bei der geschlechtsspezifischen (Gender)Gesprächspartnerinnen-Auswahl, was ein Unding an sich schon ist.

    Sondern es beginnt schon bei der ersten Antwort mit Worten wie: „Ihre Meinung weicht erheblich von den anderen ab“ (oder so ähnlich). Das ist im höchsten Maße manipulativ und konterkariert die vorgeblich pluralistische Haltung schon im Vorfeld!

    Nudging (Anstubsen)?

    Unsere Leid(!)medien machen sich mal wieder auf Gutmenschinnen-Art lächerlich.
    Daher war es vor langer Zeit für mich bereits wichtig, mich alternativ zu informieren.

    Denn dort wird teilweise tatsächlich „Um die Ecke gedacht“ …

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    • Normalerweise lese ich die Zeit ja gar nicht, aber über Twitter kriege ich öfter interessante Artikel mit.

      Wie gesagt – eigentlich finde ich die Ursprungsidee von #D17 gut. Aber die Umsetzung ist überhaupt nicht geglückt.

      Es wäre OK gewesen, wenn jeder die Option gehabt hätte, einen Mann oder eine Frau zu bevorzugen. Aber so zeigt das wieder mal, dass Frauen offenbar überhaupt nicht zugetraut wird, mit einem Mann als Gesprächspartner eine anspruchsvolle Diskussion führen zu können oder zu wollen. Lieber im Ghetto Safe Space unter sich bleiben.

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      • Broken Spirits schreibt:

        Aber so zeigt das wieder mal, dass Frauen offenbar überhaupt nicht zugetraut wird, mit einem Mann als Gesprächspartner eine anspruchsvolle Diskussion führen zu können oder zu wollen.
        Naja, es soll ja Frauen geben, die Angst vor Männern haben. Weil – man hört ja so viel von uns fiesen Vergewaltigern und Frauenabmurksern.
        Auf Twitter gibt es da doch diese Laseruschi…. die hat sich irgendwann mal beschwert, daß Männer im Dunkeln langsam an ihr mit dem Fahrrad vorbeifahren, wenn sie mit dem Hund Gassi geht (würde ich auch machen- so eine Hundeleine sieht man als Radfahrer ja erst, wenn es zu spät ist). Aber sie hatte Angst vor Säureattentätern (da muß wohl einer an ihrem Wohnort rumgerannt sein).

        Oder da gab es letztens doch mal einen Artikel über diese Aussteigerfeministin, die festgestellt hat, daß ihr der ganze Kram nicht gut tut, weil sie sich wegen der vielen, vielen bösen Männer nicht mehr vor die Tür traut.

        So gesehen ist das ja sogar eine Möglichkeit, ein paar Frauen aus ihren Safespaces rauszulocken… zumindest für den Weg von zuhause zu dem Treffpunkt 🙄

        (hab nen leicht sarkastischen Tag heute 😉 )

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        • Sarkasmus ist da auch angebracht.
          Es gibt bestimmt ein paar überängstliche Frauen, aber sicher auch einzelne Männer, die übervorsichtig sind, wenn sie mit einer Frau zusammenzutreffen (und leider gibt es auch Frauen, die diese Übervorsicht gerechtfertigt erscheinen lassen).

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  2. only_me schreibt:

    Wow. Fünf Fragen, und für alle ist es unmöglich, mit einer Ja/Nein Entscheidung der Komplexität der Frage gerecht zu werden.

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  3. netsmurf schreibt:

    Muss ich an diese STEM-Umfrage denken…

    Aber hier kann man der Zeit sicher keinen Sexismus vorwerfen – Frauen brauchen extra Fragen, weil sie sind etwas besonderes/anderes/ …

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  4. Gerhard schreibt:

    Un-glaub-lich. Internalisierter Feminismus. Frauensindopfermüssenbeschütztwerden. Eine Beleidigung für jeden Mann und jede Frau.

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    • Es gibt hier keinen vernünftigen Grund, Männer und Frauen unterschiedlich zu behandeln.
      Gehen die Initiatoren davon aus, dass Frauen Angst haben, mit Männern zu reden?
      Immerhin ist bei der Zusatzfrage „Nein“ als Default vorbelegt.

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  5. luisman schreibt:

    Ich wuerde jetzt mal abwarten, bis der diversifizierte unisono Kommentar der Gender-Fraktion eintrifft. Binaer, Mann, Frau? Geht ja wohl garnicht ElfEins! Das muss aber mindestens ein Spektrum sein – aber hallo. 43,712% Mann, 17,435% Frau, 12,557% Auserirdisch, 13.995% Kampfhubschrauber, restliche% weder noch. [off] …nee, einfach nur [off]

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  6. Plietsche Jung schreibt:

    „Die Zeit“ ist schon lange von der Wahl meiner präferierten Zeitungen verschwunden. Hier wird zensiert und nach dem Mund geredet. Wenn ich so etwas lesen will, kann ich auch gleich bei Springer lesen.

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    • Ideologisch unvoreingenommene, um Neutralität bemühte Zeitungen scheinen eh ausgestorben zu sein.
      Aber diese Idee mit einer RL-Diskussion mit jemandem, der anders denkt, hatte schon was.
      Schade, dass sie solche untragbaren Schwachstellen hat.

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      • Plietsche Jung schreibt:

        So ist es.

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      • Yeph schreibt:

        Ja, die Idee finde ich auch nicht schlecht. Aber man stelle sich einmal vor, wenn jeder seine wirklich echten Gedanken jemand fremdem mitteilen würde. „Die Zeit“ würde doch mindestens die Hälfte davon zensieren.

        Also wäre eine solche Initiative imho irgendwo anders besser aufgehoben.

        Ausserdem frage ich mich ob die Menschen wirklich ernsthaft aus ihrer Filterblase aussteigen wollen. Wer das tut muss meist selbst alles zum Thema nachlesen, wenn er sich nicht auf die Leitmedien verlassen will, die m.E. auf vielen Gebieten eine gute Arbeit leisten.

        Auf ideologisch hochempfindlichen Gebieten sind sie jedoch vollkommen unbrauchbar als neutraler „Schiedsrichter“. Das hab ich noch gestern erfahren müssen im TV, ich glaube „Frontal 21“ über Flüchtlinge. Erst werden die Rechten diffamiert, d.h. diejenigen die wollen dass die EU endlich etwas gescheites tut, ; dann erst kommt der Bericht, der am Ende die Frage zu einer Lösung offen lässt und sich somit selbst als rechts diffamiert werden müsste. Ich denke dass das mittlerweile der Mehrheit sauer aufstösst, diese Doppelzüngigkeit der Mainstreammedien. Indem man verhindern will was nach 1920 in Deutschland passierte, macht man den gleichen Fehler noch einmal.

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  7. sevens2 schreibt:

    Ziemlich interessant.

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  8. Fiete schreibt:

    Habe mir erlaubt, den Post aufzugreifen und noch ein wenig breiter zu treten:
    http://fietes2groschen.blogspot.de/2017/05/die-zeit-hat-eine-gute-idee.html

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