(Psychische) Auswirkungen von Strafanzeigen wegen Sexualdelikten

Eine Diskussion gestern erinnerte mich daran, dass ich selbst einmal wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“, also Sex in der Öffentlichkeit angezeigt worden war.
Es gelang mir, die Angelegenheit einigermaßen locker zu sehen, denn ich dachte, dass mir als Frau eigentlich nichts allzu schlimmes passieren kann, im worst case eine Geldstrafe.
Aber der damals beteiligte Mann war davon äußerst beunruhigt und besorgt, und sah sich schon als verurteilten Sexualstraftäter mit allen denkbaren Implikationen.
Nach mehreren Wochen wurde das Verfahren dann wegen mangelndem öffentlichen Interesse und Geringfügigkeit eingestellt. (Hausverbot habe ich aber immer noch.)
Auch wenn das Verfahren im Sande verlief, und es um eine relativ harmlose Angelegenheit ging, war diese Zeit doch äußerst belastend gewesen.

Ein Freund meines Mannes hatte weniger Glück, als er vor wenigen Jahren von seiner (Ex-)Geliebten falschbeschuldigt wurde.
Da Aussage gegen Aussage stand, wurde er zwar wegen Mangel an Beweisen freigesprochen, aber bis dahin war er auch völlig am Boden zerstört.
Diese Anzeige bedeutete für ihn auch die Entfremdung von seiner Familie sowie einen beruflichen Karriereknick.
Er hat lange gebraucht, bis er wieder halbwegs darüber hinweg kam.

Gerade bei sexuell konnotierten Delikten stehen oftmals die Folgen einer Anzeige in krassem Missverhältnis zu einer eventuellen Schuld.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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15 Antworten zu (Psychische) Auswirkungen von Strafanzeigen wegen Sexualdelikten

  1. lh schreibt:

    Ein Freund von mir ist im Studium kurz vor den Abschlussprüfungen falschbeschuldigt worden. Er hatte sie zurückgewiesen, als sie schon fast nichts mehr anhatte und sie hat daraufhin rumerzählt, er haben sie unter Drogen gesetzt, vergewaltigt und ein Video davon gemacht. 2 Wochen später hatte er 5 Freunde von ihr in der Wohnung, die ihn dort 8 Stunden gefesselt haben um ihn zu verhören und das Video zu suchen. Das endete erst als ich zufällig vorbeikam.

    Juristisch war das leicht abzuwehren. Aber von dem Schock hat sich mein Freund meiner Meinung nach nie wieder erholt. Seither hat er eine ausgeprägte Sozialphobie und die Karriere kam auch nie in die Gänge.

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  2. netsmurf schreibt:

    IMHO ist diese Missverhältnis Zeitungen und Aktivisten anzulasten – die sogar nach einem Freispruch die Sache nicht auf sich beruhen lassen können. So werfen große Prozesse ihren Schatten auf die kleineren.

    In weiten Teilen wird bei Anschuldigung schon von der Schuld ausgegangen.

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  3. GOI schreibt:

    OK. Aus deinen verlinkten Blog-Einträgen lese ich heraus, dass du auf Sex in der Öffentlichkeit stehst und nicht abgeneigt bist, wenn dein Partner „über dich herfällt“.
    Beides kombiniert könnte natürlich zu einer Anzeige wegen Vergewaltigung durch Dritte führen (incl. Zeugen). Jetzt verstehe ich auch deinen Unmut über die Reformation des Strafrechts von 1997.

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  4. Plietsche Jung schreibt:

    Böse Sache.
    Wenn das für die Frau schief geht, ist allerdings auch sie ruimiert.

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    • Bei Falschbeschuldigungen?
      Es wird ja keine Frau gezwungen, das zu tun. Normalerweise gibt es keine negativen Konsequenzen, und wenn doch, halten sie sich sehr in Grenzen. Kein Vergleich mit den Folgen für einen Mann.

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      • Plietsche Jung schreibt:

        Unbestritten sind die Folgen für Männer schlimm und es zeigt sich, wie abartig inzwischen Gesellschaft und Medien auf Behauptungen reagieren.

        Wenn Grüne dann für Sex mit Kindern plädieren, offenbart sich die wirkliche Gesinnung.

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        • Carnofis schreibt:

          „Wenn Grüne dann für Sex mit Kindern plädieren, offenbart sich die wirkliche Gesinnung.“

          Ah, komm, das ist über 30 Jahre her und stammt aus der Frühphase der Partei, als sie noch ein Sammelbecken für allerlei illustre Figuren und Ideen war.
          Heute sind die Grünen feministisch durchseucht und haben zum Sex eine puritanischere Einstellung, als die CSU.

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  5. gripseljagd schreibt:

    Da es leider diesen undifferenzierten Umgang mit diesem Thema gibt, finde ich es auch gut, dass es nicht wie in anderen Staaten diese öffentlichen Pranger gibt, wo jeder nachschauen kann wo der nächste vermeidliche „Sextäter“ wohnt. Ohne Hintergrundwissen wird dann so eine Hexenjagd gestartet. Dabei ist es ja bekannt, dass die Fehlerquote in diesen Dingen relativ hoch ist und jeder ganz schnell zum „Täter“ werden kann.

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