Der schale Verzicht der Franziska G.

Nicht völlig überraschend hat Bundes-Nicht-Männer-Ministerin Franziska Giffey angekündigt, zukünftig auf das Führen ihres Doktortitels zu „verzichten“.
Nach 27 nachgewiesenen Plagiaten („objektive Täuschung“ mit „bedingtem Vorsatz“) war ihr letztes Jahr von der Freien Universität Berlin eine „Rüge“ erteilt worden, eine reine Fantasiesanktion ohne jegliche Rechtsgrundlage. Deshalb war die ganze Angelegenheit jetzt wieder aufgekocht, und es war abzusehen dass Frau Giffey ein zweites Mal nicht so glimpflich davonkommen würde.

Dieser „Verzicht“ ist Schadensbegrenzung. Dadurch hat sie sich die Blamage und Beschämung erspart, wenn ihr der Titel öffentlichkeitswirksam entzogen worden wäre.

In ihrem Brief an den Präsidenten der Freien Universität Berlin hat sie geschrieben:

Um weiteren Schaden von meiner Familie, meiner politischen Arbeit und meiner Partei abzuwenden, erkläre ich, den mir am 16. Februar 2010 von der Freien Universität Berlin mit der Gesamtnote „magna cum laude“ verliehenen Titel Dr. rer. pol. ab sofort und auch zukünftig nicht mehr zu führen.

Halte nur ich es für deplaziert und anmaßend, an dieser Stelle noch mit der erschlichenen Note zu prahlen?

Ihre Formulierung, dass das höchste Gremium der Universität den

vor über einem Jahr einstimmig gefassten Beschluss und Ihre bisherige fachliche und rechtliche Auffassung ohne Vorliegen eines neuen Sachverhalts

revidiert hätte, lässt nicht gerade auf Selbstreflektion schließen, von Reue oder Zerknirrschung keine Spur. Stattdessen scheint sie eher beleidigt, als wäre man im Begriff, ihr als einer Unschuldigen Unrecht tun.

Frau Giffey schreibt, sie habe ihre

Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen verfasst.

Wenn 27 nachgewiesene Plagiate ihr „bestes Wissen und Gewissen“ sind, so wissen wir nun, was wir von ihrem „besten Wissen und Gewissen“ halten dürfen: besser kann sie nicht, und Abschreiben macht ihr keine Skrupel.

Auch wenn sie zukünftig darauf verzichtet, den Titel zu führen, hat sie ihn offiziell immer noch.
Man kann nur hoffen, dass das höchste Gremium der FUB die Angelegenheit jetzt nicht auf sich beruhen lässt, wenn die mediale Aufmerksamkeit nachlässt, und ihr den akademischen Grad doch noch in aller Form entzieht.
Erst das wäre ein guter Tag für alle Doktoren, die ihren Titel redlich und rechtmäßig erworben haben, unter der Einhaltung aller wissenschaftlicher Standards.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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14 Antworten zu Der schale Verzicht der Franziska G.

  1. keloph schreibt:

    ich denke, du hast recht.

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  2. blindfoldedwoman schreibt:

    Es ist einfach unverfroren, gnädig auf die Führung des Titels zu verzichten anstatt sofort zurück zu treten.

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    • Und keinerlei Schuldbewusstsein oder Eingeständnis, Fehler gemacht zu haben.
      Stattdessen will sie auch noch für den SPD-Landesvorsitz in Berlin kanditieren, und ist „nicht gewillt, meine Dissertation und das damit verbundene nun neu aufgerollte Verfahren weiter zum Gegenstand politischer Auseinandersetzungen zu machen.“

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  3. fluchbegleiterin schreibt:

    Verzichten kann man nur auf etwas, was einem gehört/zusteht! Hält die (und die feministsiche Rest-SPD mit ihrer Doppelmoral) uns immer noch alle für bekloppt? Die Füchsin, für die die Trauben offensichtlich zu hoch hingen, glaubt wohl selbst inzwischen, dass sie eh zu sauer sind!

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  4. Plietsche Jung schreibt:

    Giffey hatte früher gesagt, sie träte zurück, wenn der Titel aberkannt würde.
    Aus dem Versprechen wird nun wohl nichts mehr und Berlin bleibt diese Abschreiberin nicht erspart.
    Insofern hast du recht: Es ist Schadensbegrenzung, aber in diesem Fall nur für sie.

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    • GOI schreibt:

      Ich denke, sie will Zeit gewinnen.
      Sie plant ja das Modell „Küsten-Barbie“: sich aus der Bundespolitik zurückziehen und Landesfürstin werden.

      Es würde ja niemand auf die Idee kommen, dass es da noch Rechnungen gibt:
      2010 erhält die Dame einen Doktor von der Frau des Dekans an einer Uni in Trägerschaft des Landes Berlin. Und dann will eben diese Frau „Doktor“ Landesfürstin werden.

      In Köln nennt man das „Klüngel“ in Berlin „gut frauenvernetzt“.

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    • Ich glaube, die Heuchlerin hat noch irgendwie die Hoffnung, dass ihre ganze Schmach vergessen wird, wenn sie „freiwillig“ auf das Führen des Titels „verzichtet“.
      Die SPD hat ja schon ihren Respekt und Solidarität bekundet. Scheinheiliges Pack.

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      • Plietsche Jung schreibt:

        In den meisten Redaktionen sitzen Rote. An viele Zeitungen ist die SPD beteiligt. Da kratzt eine Krähe der anderen kein Auge aus.
        Das Ganze wird nur noch von den ungelernten Kühnert, KGE und CR getoppt. In der Wirtschaft wurden sie nix und wollen nun die Bürger ihre Ideologie aufzwingen.

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  5. Kain Grünar schreibt:

    „Halte nur ich es für deplaziert und anmaßend, an dieser Stelle noch mit der erschlichenen Note zu prahlen?“

    Keineswegs. Dieses Statement Giffeys ist nichts weniger als der ausgetreckte Mittelfinger gegen ihre Kritiker. Natürlich wurde dieses besonders dreiste Detail in der Berichterstattung der ihr ergebenen Qualitätspresse höflich ‚vergessen‘.

    Ohne ein zumindest teilweises Schuldeingeständnis und ein Rücktrittsangebot verkommt dieser ‚Verzicht‘ zur blanken Verhöhnung aller, für die keine Sonderrechte gelten. Und dann wundern sie sich wieder: Woher nur kommt all der Hass?

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  6. Pingback: Übrigens, scheißjornalist, stinkender! | Schwerdtfegr (beta)

  7. sempersolus2 schreibt:

    „Wer ich bin und was ich kann, ist nicht abhängig von diesem Titel. Was mich als Mensch ausmacht, liegt nicht in diesem akademischen Grad begründet.“ – Franziska Giffey

    Stellt sich die Frage: warum hat sie den Doktorgrad dann überhaupt erworben? Und warum schlägt es so überdeutlich erkennbar Wellen, wenn zumindest Frau Giffeys Sorgfalt bei der Abfassung der Dissertation mehr als deutlich in Frage steht? Wieso gibt es eine Ungleichbehandlung von plagiatverdächtigen Doktoren, die vom Parteibuch abhängt? Ist die Antwort auf diese Fragen tatsächlich das Generalpardon, dass Frau Giffey sich so großzügig selber gibt?

    Wohl kaum! Tatsächlich ist die Einstellung zu Wissenschaft und wissenschaftlichem Arbeiten und zur eigenen Berufsauffassung solcher im Politikunwesen tätigen Menschen das eigentliche Problem. Ein Doktorgrad ist eben nicht als bloßes Karrierehilfsmittel oder als Titelzierrat gedacht, der Menschen, die überdurchschnittlich viel Zeit in Parteiversammlungen und Hinterzimmern verbracht haben, statt sie zumindest in eine solide Berufsausbildung zu stecken den falschen Anstrich von Expertise verleihen soll. Ist die mittlerweile üblich gewordene, fachfremde Besetzung von Politikern in leitenden Positionen von Ministerien schon absurd genug, so soll mit so einem Doktorgrad wohl auch noch vorgegaukelt werden, dass sich so ein Mensch zumindest aufgrund seiner vermeintlich nachgewiesenen Qualifikation zu eigenständigem wissenschaftlichen Arbeiten in jedes Ressort in Windeseile hineinarbeiten kann und dort als wertvoller Entscheider wirken darf.

    Das Gegenteil ist leider viel zu oft der Fall. Wenn eine promovierte Physikerin in der aktuellen Pandemiekrise in angenehmer Weise ihr Vermögen zur richtigen Einschätzung wissenschaftlicher Zusammenhänge beweist (und selbst da schon von obskuren Landesfürsten in Frage gestellt wird), dann stellt das doch nur noch die Ausnahme dar. Demgegenüber steht eine Unzahl erkennbar nicht qualifizierter Politiker, die nur noch ihre persönliche Karriere im Blick haben. Politikverdrossenheit und Skepsis gegenüber tatsächlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen nimmt daher stetig zu. Klimawandelleugner, „Querdenker“, QAnon, sie alle glauben ebenfalls, sie könnten sich über pseudowissenschaftliche Verschwörungstheorien und Halbwahrheiten als fachkundig ausweisen.

    Dabei ist die Grenze tatsächlich trennscharf und eindeutig. Es gibt Regeln zu wissenschaftlichem Arbeiten. Wer die nicht einhält, der ist entsprechend nicht qualifiziert und führt zu Recht auch keinen Doktorgrad. In gleicher Weise muss dann aber auch seine Sorgfalt bei sonstigen Arbeiten und die berufliche Qualifikation in Frage gestellt werden, schon gleich, wenn die Fähigkeit zu Selbstkritik längst einer gefährlichen Neigung zu Selbstüberschätzung gewichen ist.

    Was einen Menschen ausmacht mag nicht in einem Doktorgrad begründet sein, was seine Selbsteinschätzung angeht wie auch die Fähigkeit politische Leitungsfunktionen zu bekleiden jedoch sehr wohl. Halten Sie ihr selbstauferlegtes Versprechen ein Frau Giffey und ziehen Sie sich aus der politischen Landschaft zurück. Sie wendeten damit zumindest noch mehr Schaden und Vertrauensverlust in demokratische Prinzipien ab.

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