Sehr sehr oft

Eine als „Experiment“ getarnte Umfrage wurde von Twitter in meine Timeline gespült. Es sollte – sehr einseitig und manipulativ – um Belästigung von Frauen gehen. Da die Autorin viel negative Kritik dazu bekam, hat sie den Tweet inzwischen gelöscht. Ich möchte hier auch gar nicht näher darauf eingehen.
Als ich mir die Antworten dazu näher ansah, fiel mir der folgende auf:

Dabei war der zweite Satz eigentlich off-topic.

Dass von Männern meine Kompetenz in technischen Dingen in Frage gestellt wurde, weil ich eine Frau bin: habe ich sehr sehr oft erlebt.

Wenn jemand etwas „sehr sehr oft erlebt“, liegt die Vermutung nah, dass dies einen Grund hat. Ich fragte also nach:

Darauf hin wurde ich von mehreren Seiten (inzwischen teilweise gelöscht) angegangen, wie ich denn dazu käme, die technische Kompetenz einer mir unbekannten Frau in Frage zu stellen.
Erst zwei Tage später bekam ich eine Antwort von der ursprünglichen Adressatin.

Sie wiederholte also, dass ihr das „sehr sehr oft“ passiert wäre, und begründete dies damit, in einem „entsprechenden Beruf“ gearbeitet zu haben.
Wenn ihre Argumentation stimmen würde, dann müsste dies anderen Frauen, die ebenfalls in einem „entsprechenden Beruf“ arbeiten, zumindest „sehr oft“ passieren. Seltsamerweise erleben Frauen, die tatsächlich etwas auf dem Kasten haben, so etwas aber nie bis höchstens selten.
Ihre Aussage, ihre Kompetenz würde in Frage gestellt, weil sie eine Frau ist, ist somit widerlegt.
q.e.d.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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3 Antworten zu Sehr sehr oft

  1. pirx1 schreibt:

    Eines der Attraktionsprinzipien der (a)sozialen Medien ist, dass jedermann eine frei erfundene Behauptung aufstellen kann, die (weil schriftlich fixiert, in einem Forum veröffentlicht und scheinbar von einer großen Leserschar wohlwollend akzeptiert) vordergründig die Anmutung einer bewiesenen wissenschaftlichen These vermitteln soll – und vermeintliche, in gleicher Form abgefasste Widerworte provoziert. Es entsteht tatsächlich für den oberflächlichen Betrachter gelegentlich der Eindruck eines Gedankenexkurses.

    Früher beschränkte sich diese Form der ordinären Dampfbladerei auf Kindergarten, Müttergruppe und alkoholseligen Männerstammtisch und hatte eine entsprechend geringe Reichweite. Heute erreicht der Blödsinn minutenschnell und weltumspannend den (leider im Umgang mit Medien und Eigenneuronengebrauch völlig unerzogenen und unkritischen) Plebs. Kismet.

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  2. Plietsche Jung schreibt:

    Ich weiß, warum mir meine Zeit zu knapp ist, um mit solchen Idiotinnen zu twittern.
    Twitter war sicher mal eine tolle Sache, aber die Menge der *schimpfwort* ist dort erschreckend hoch. Huch … bei Fazebuch auch ….

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  3. keloph schreibt:

    ach twitter ist was für leute, die schnell follower sammeln und scharfmachen wollen. m. e. nach wird dort selten fakten- und argumentetausch betrieben, meist geht es ums verbale ausgrenzen und abschlachten. manchmal dennoch amüsant, wenn man das akzeptieren kann.

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