Artikel auf @zeitonline: „Rate mal, was ich gerne mit dir machen würde!“

Über Twitter wurde ich mehrfach auf einen Zeitartikel aufmerksam gemacht, der #metoo zum Anlass nimmt, Äußerungen von Leserinnen zu angeblichen sexuellen Belästigungen am Arbeitsplatz aufzulisten.
Mir scheint, dass das im Wesentlichen ein Neuaufguss eines Artikels von Anfang Oktober ist.
Weder will ich zu dem neuen Artikel ins Detail gehen, noch mich selbst übermäßig wiederholen.

Es ist mir einfach unverständlich, dass scheinbar so viele Frauen aus einem ungeschickten Kompliment oder einem missglückten Scherz gleich so ein Drama machen.
Das heißt, eigentlich gehe ich davon aus, dass die meisten Frauen durchaus gelassen und mit Humor auf das reagieren, was für einzelne Feministinnen ein völlig unerträgliches Verbrechen darstellt. Mit ihrer Zimperlichkeit und Prüderie lassen diese frigiden oder lesbischen Femimosen die Hysterie immer weiter hochkochen, und ziehen damit andere Frauen hinein, die sich ihrem Moraldiktat beugen sollen.

Eine erwachsene Frau sollte über genügend Selbstvertrauen verfügen, eine vielleicht doch einmal unangebrachte Bemerkung souverän und bestimmt von sich zu weisen.
Das Bild, das durch solche Aktionen vermittelt wird, ist jedoch das des machtlosen Opfers, und der unselbständigen, ängstlichen und hilflosen Frau, gegenüber der es schwer fällt, noch Respekt aufzubringen, geschweige denn Anerkennung für ihre erbrachten beruflichen Leistungen.

Dieses Etepetete-Getue ist zunehmend peinlich, und macht gerade gestandene, professionell agierende Frauen lächerlich.

Wollen wir wirklich der jungen, nachwachsenden Generation den Eindruck vermitteln, dass nicht tolerierbare Situationen mit sexuellem Bezug im Berufsleben an der Tagesordnung sind?
Sollen junge Mädchen immer auf der Hut sein müssen, weil ihnen eingetrichtert wird: „Pass‘ auf! Männliche [Chefs|Kollegen|Kunden|..] werden dich [unterdrücken|belästigen|ausbeuten|..]! Die sind böse und privilegiert, und du kannst nichts dagegen machen, außer rumzuheulen.“
Und sollen junge Männer die Message verinnerlichen: „Da ist eine Frau. Am besten schaust du sie gar nicht an. Und sag‘ keinesfalls etwas zu ihr. Halt‘ möglichst viel Abstand, und komm ihr ja nicht zu nahe!“

Ein normaler Umgang zwischen Männern und Frauen wird so immer weiter erschwert und nach und nach die gesamte Kommunikation unmöglich gemacht.

Jetzt greife ich doch willkürlich ein paar der im Zeitartikel genannten Sprüche heraus.

„Du guckst mich immer so streng an, lächle doch mal.“

„Und was machen Sie nach Ihrem Volontariat? Ich könnte eine junge Sekretärin gebrauchen!“

[Er] wies mich darauf hin, dass eine Promotion ja durchaus anstrengend sei und sich nicht sonderlich gut mit Familienplanung und Ähnlichem vereinbaren ließe.

„Na, unterhaltet ihr euch über Schminke?“

Es sei ja nicht sexistisch, nüchtern mit der Materie umzugehen, und die kognitive Ungleichheit der Gehirne sei ja nun mal wissenschafltiches Faktum.

Was ist an denen denn wirklich so unverzeihlich schlimm? Wer so etwas nicht ertragen kann, ist vielleicht tatsächlich in einem Safe Space am besten aufgehoben.

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kolumnalpolitik: „Our Struggle Is Real“

Die #metoo-Hysterie in den letzten Wochen hat mich ziemlich gelangweilt und auch genervt. Ich hatte beipielsweise hier bereits klargestellt, dass ich damit nichts am Hut habe.
Nachdem es hier also so ruhig war, wird es Zeit, mal wieder einen aktuellen feministischen Text unter die Lupe zu nehmen.

Auf dem noch jungen Blog kolumnalpolitik (sic!) ist der Artikel „Nach dem #MeToo: Our Struggle Is Real, Too!“ erschienen.

Die Autorin verspricht in der Zwischenüberschrift

Eine grobe Auflistung von Fakten und Argumenten.

Nun ja – das, was sie halt als Fakten und Argumente ansieht.
Der eigentliche Text beginnt mit einer Art Disclaimer

Ich bin keine Feministin des harten Kerns, keine Männerhasserin, nein; ich sehe mich vielmehr als Mensch zwischen Menschen und ich sehe Unterschiede, die ich nicht verstehe, zwischen Menschen wie mir und solchen, die einen Penis haben.

So, jetzt wissen wir, mit wem wir es zu tun haben. Die Unterscheidung zwischen „Menschen wie“ ihr und „solchen, die einen Penis haben“ finde ich in dieser Wortwahl recht .. ungünstig und missverständlich, aber tja .. schauen wir mal, wie’s weiter geht.

Sie liest häufig im Forum der Zeit Online, wo es ihr aufgefallen ist, dass viele Männer über Diskriminierung und Benachteiligung schreiben. Sie biegt das – ohne Beleg – sofort um auf Jammern und Beklagen:

darüber verbal zu erbrechen, denn sie fühlen sich als Männer in unserer Gesellschaft diskriminiert.

Dürfen Männer keine eigenen Erfahrungen beschreiben oder Tatsachen nennen, ohne dass das sofort Richtung „mimimi“ oder „male tears“ verschoben wird?
Sie fordert dann Männer auf:

Wenn ihr, werte Männer, ebenfalls Diskriminierungen und Benachteiligungen aufgrund eures Geschlechts wahrnehmt, dann lasst uns das gemeinsam als Antisexisten klären.

Und hier kann ich nur mit dem Kopf schütteln.
Wieso sollte sich hier jemand als „Antisexist“ angesprochen fühlen. Sexismus ist, wenn man die Unterschiedlichekeit von Männern und Frauen akzeptiert. „Antisexisten“ leugnen diese Unterschiede. Ihr Ziel dürfte auf Gleichmacherei hinauslaufen. Männer werden verweiblicht, Frauen vermännlicht, und wir treffen uns irgendwo dazwischen als geschlechtslose Neutren – so wie es der Feminismus gerne hätte.

Aber sprecht nicht den Frauen ab, Opfer dieses post-patriarchalen Systems zu sein – und womöglich größere Opfer als ihr.

In aller Deutlichkeit spreche ich mich dagegen aus, Frauen generell die Opferkarte zuzuschieben, während der Opferstatus bei Männern grundsätzlich relativiert und verniedlicht wird.

Für den Rest des Textes muss ich mich etwas kürzer fassen, und nur auf einige ausgewählte Punkte eingehen.

Der Feminismus ist ein ätzender Schwamm

Stimmt!

Mein konstruktiver Vorschlag ist: Lasst mehr Individualität zu, urteilt nicht über Andere. Dann kann irgendwann jeder seine Identität und sein Geschlecht ausüben, wie es ihm beliebt.

Da hat sie recht. Das unterstütze ich. Bloß schade, dass ihre Mitfeministinnen das nicht genauso sehen. Und möglicherweise versteht sie auch unter „sein Geschlecht ausüben“ etwas anderes als ich.

Ohne dass ich einen roten Faden finden könnte, streift die Autorin dann zunächst Väterrechte, bevor sie ohne Überleitung auf den Gender Pay Gap zu sprechen kommt, den sie jedoch lobenswerterweise mit 6% angibt, allerdings impliziert, dass diese 6% auf Diskriminierung beruhen würden.
Nach meiner persönlichen Meinung, und gestützt durch mehrjährige Führungserfahrung, ist eine wesentliche Komponente dabei, dass Männer (bei „gleicher“ Arbeit, blablabla) im statistischen Mittel engagierter und qualitativ hochwertiger arbeiten als Frauen im Mittel. Welcher Arbeitgeber würde denn sonst mehr für Männer bezahlen, wenn er die gleichen Ergebnisse von Frauen auch billiger bekommt.

In einem unnachvollziehbaren Gedankensprung vergleicht sie die 6% mit dem angeblichen „Anteil der Männer an den Opfern sexueller Gewalt in Deutschland“. Keine Ahnung, wie sie auf diese Zahl kommt.

Die Frau sei selbst schuld, wenn sie den Trieb des Mannes weckt.

„Schuld“ ist hier der falsche Begriff. Ursächlichkeit kann es besser treffen.
Wer es vermeiden will, sexuelles Interesse zu wecken, sollte sich halt nicht freizügig, körperbetont und sexy kleiden, und sich nicht in Situationen begeben, die eventuell unangenehm werden könnten.

Dann beschwert sich die Autorin, dass Frauen in politischen Ämtern unterrepräsentiert seien, weil nur 9% der Bürgermeister Frauen seien.
Dürfen Frauen sich nicht ebenso zur Wahl stellen? Und meines Wissens haben Frauen ganz genau das gleiche Wahlrecht wie Männer. Aber was weiß ich patriarchal gehirngewaschene Geschlechtsverräterin schon.
Auch bei Rockmusikern seien Frauen unterrepräsentiert. Ja, woran liegt das wohl? Frauen haben genau die gleichen Chancen und Möglichkeiten wie Männer.

In einem Einschub erzählt die Autorin, wo sie studiert, bleibt aber eine Erklärung schuldig, was das mit dem Text zu tun hat.

Sie bringt dann noch als Beispiel den Beruf der Sprechstundenhilfe, der zu 99% von Frauen ausgeübt wird. Werden diese Frauen dazu gezwungen, oder werden Männer daran gehindert, diesen Beruf zu ergreifen?

Als ultimativen Beleg für angebliche Diskriminierung führt die Autorin an, dass unter den 50 reichsten Deutschen nur 8 Frauen sind. Vielleicht hätte sie sich mal die ärmsten Deutschen zum Vergleich ansehen sollen – sprich die Obdachlosen, die in der großen Mehrheit männlich sind.

Darüber, dass ihre Behauptung

zu den Reichsten gehörst du als Frau in Deutschland nur, wenn ein Mann etwas gründet, und du dir den Mann schnappst

mit der sie en passant entsprechende Frauen schnell mal als golddigger diffamiert, extrem frauenfeindlich ist, brauchen wir gar nicht zu reden.

Das wohl als ironisch beabsichtigte Schlusswort der Autorin lautet:

Viel Erfolg beim weiteren Leugnen der Notwendigkeit dieser Sexismusdebatte.

Damit insistiert sie implizit ein weiteres Mal darauf, dass im Deutschland der Gegenwart Frauen gegenüber Männer stärker benachteiligt seien.

Der gesamte Text läuft hinaus auf „Wir sind aber mehr diskriminiert als ihr! Ätschibätsch!“, und trägt einmal mehr zur Entfremdung und Hetze zwischen Männern und Frauen bei.

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#Weltmännertag

Zum heutigen Weltmännertag, der vor allem gesundheitlichen Aspekten gewidmet ist, wünsche ich allen meinen Lesern alles Gute, insbesondere Gesundheit.
LLAP

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Ich bin kein Opfer, Frau Chebli

Sicherlich habe ihr schon die Aufregung um Sawsan Chebli mitgekommen. (Falls nicht, könnt ihr Einzelheiten z.B. bei Christian nachlesen.)
Ganz kurz: Sawsab Chebli, Staatssekretärin in Berlin, war auf einer öffentlichen Veranstaltung als jung und schön bezeichnet worden. Völlig geschockt über diesen schlimmsten Sexismus, den sie je erlebt hatte, trat sie auf Facebook eine Neuauflage von #aufschrei los.

Dies wäre jetzt Gelegenheit für ihre Mitfeministinnen gewesen, ihr nahezulegen, doch mal halblang zu machen, und die Kirche im Dorf zu lassen.
Weit gefehlt. Beispielsweise Teresa Bücker, Chefredakteurin von Edition F, twitterte:

Ich sehe hier keine Respektlosigkeit, „Erniedrigung“ gleich gar nicht, sondern ein freundlich gemeintes Kompliment.
Es ist bei Veranstaltungen, insbesondere bei der Vorstellung der Referenten, nicht unüblich, auch ein paar off-topic Bemerkungen zu machen, um die Atmosphäre aufzulockern.
Es ist mir selbst schon ähnliches passiert. Dies hat mich gefreut, war aber gleichzeitig so banal, dass es keine Erwähnung wert war.
Ein professioneller Umgang mit solchen – völlig harmlosen – Komplimenten, ist es, kurz zu danken, und sei es nur ein freundliches Nicken. Danach geht man wieder zur Tagesordnung über.

Vor erwachsenen und gestandenen Frauen wie Frau Chebli oder Frau Bücker sollte man erwarten können, dass sie solche Komplimente gelassen und wohlwollend aufnehmen. Solches Feedback nimmt mit zunehmendem Alter eh ab.
Stattdessen habe ich den Eindruck, dass sie sich durch solche Äußerungen in ihrer beruflichen Kompetenz angegriffen oder bedroht fühlen – aber wer beruflich gut ist, hat überhaupt keine Veranlassung sich dadurch verunsichern zu lassen.

Durch solche völlig überzogenen Reaktionen wie die von Frau Chebli (der es IMHO vor allem um persönliche Publicity und mediale Aufmerksamkeit geht), wird es nach und nach unmöglich für Frauen gemacht, mit Männern vernünftig zusammenzuarbeiten. Denn Männern wird überhaupt keine Äußerung mehr erlaubt (zumindest keine Äußerung, in die man irgendwie hineininterpretieren könnte, dass Frauen nicht nur als geschlechtslose Neutren wahrgenommen werden). Alles wird sofort als Sexismus und Belästigung geframet.

Ich möchte mir nicht von Feministinnen vorschreiben lassen, wie ich ein Kompliment auffassen soll, oder was ich als Belästigung empfinden muss.
Feministinnen versuchen, ihre eigenen Empfindlichkeiten zum Standard zu setzen. Damit bevormunden sie andere Frauen („Femtronizing“) und machen Männer nach und nach mundtot.
Immer weiter wird ein Keil zwischen Männer und Frauen durch solche hyperempfindlichen Femimosen getrieben, die alle anderen Frauen der Lächerlichkeit preisgeben, und in die Opferrolle drängen.

Es ist geht Feministinnen überhaupt nichts an, wie andere Frauen mit Äußerungen von Männern umgehen. Ich habe es wirklich satt, dauernd Behauptungen lesen zu müssen wie

Wenn man Chebli’sche Standards anlegt, dann stimmt das vielleicht sogar.
Ansonsten haben die allermeisten Frauen keine Probleme mit dem Verhalten von Männern. Über ungeschickte Äußerungen oder kleinere Verfehlungen kann man ja hinwegsehen.
Die meisten Frauen sind also durchaus zufrieden mit ihrem Verhältnis zu Männern. Nur Feministinnen versuchen mit ihren Hetzkampagnen wie #metoo ihnen immer wieder einzureden, dass das nicht stimmt, und schüren Unzufriedenheit, um einen Geschlechterkrieg zu entfachen.
Ich mache da nicht mit.

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Boys‘ Day in BW: Jungs dürfen pflegen. Außer Hochdeutsch.

Girls‘ bzw. Boys‘ Day hatte ich schon öfter thematisiert.
Meine Einstellung dazu ist klar: Ich halte es für Benachteiligung von Schülern, wenn sie allein aufgrund ihres Geschlechts von einer Veranstaltung ausgeschlossen werden, während Schüler des anderen Geschlechts daran teilnehmen sollen, obwohl sie sich – im statistischen Mittel – weit weniger für die jeweilige Thematik interessieren.
Es ist nicht einzusehen, gerade interessierten Schülern solch eine Informationsmöglichkeit zu verweigern, die für ihren künftigen Berufsweg relevant sein kann.

Es wird immer wieder angeführt, dass diese Schüler ja an Praktika teilnehmen könnten, so dass der [Girl|Boy]s‘ Day nicht ins Gewicht fällt.
Aber warum führt man ihn dann überhaupt durch?
Interessante Praktikumsplätze sind begrenzt, so dass nur wenige Schüler tatsächlich ein Praktikum durchführen können, das ihnen später tatsächlich hilfreich für ihre Berufsplanung ist.
Beispielsweise nehmen wir normalerweise auch keine Praktikanten in unserem Betrieb (Ausnahmen gibt es z.B. für Kinder von Mitarbeitern). Wenn man Praktikanten nicht nur als billige Arbeitskräfte gebrauchen will, sondern ihnen tatsächlich etwas zeigen und beibringen will, so ist das ein ziemlicher Betreuungsaufwand.
In einer Großstadt mag es noch ein akzeptables Angebot an Praktikumsplätzen geben. Schüler auf dem Lande müssen sich mit dem begrügen, was da ist, obwohl es nur in seltenen Fällen tatsächlich ihren Interessen entsprechen dürfte.

Auch der [Girl|Boy]s‘ Day verursacht einigen Aufwand, aber der Einsatz betreuender Mitarbeiter beschränkt sich auf einen einzigen Tag. Die veranstaltenden Privatunternehmen nehmen diesen Aufwand freiwillig auf sich, ohne einen direkten Vorteil daraus zu ziehen, und so wäre es nur fair, wenn ihnen auch die Auswahl der teilnehmenden Schüler alleine zustehen würde.
Aber – nein! – da machen ihnen die Kultusministerien der Länder einen Strich durch die Rechnung, indem Schülern die Freistellung vom Schulunterricht versagt wird, wenn Berufe angeboten werden, die nicht typisch für das andere Geschlecht sind.

In Bayern etwa gilt für den Boys‘ Day:

Es ist darauf zu achten, dass Jungen nur frauentypische Berufe kennenlernen.

(Die EMN mag nicht repräsentativ für andere Regionen in Deutschland sein, aber hier war es in den letzten Jahren so, dass es ein sehr großes Angebot für den Girls‘ Day gab (also vor allem technische Berufe), während Jungen nur eine äußerst beschränkte Auswahl an zugelassenen Plätzen hatten.)
Die meisten anderen Bundesländer handhaben dies ähnlich. Lediglich Brandenburg führt einen „gemischtgeschlechtlichen Zukunftstag für Mädchen und Jungen zur allgemeinen Berufsorientierung“ durch.

Oft wird damit argumentiert, dass der [Girl|Boy]s‘ Day dazu dienen soll, Schüler gerade für geschlechtsuntypische Berufe zu interessieren. Aber auch (oder gerade dann) wenn man dies so akzeptiert, ist der Sonderweg, den Baden-Württemberg eingeschlagen hat, nicht nachzuvollziehen.

In Baden-Württemberg wird der Boys’Day nur in Organisationen und Institutionen im sozialen, pflegerischen, erzieherischen und gesundheitlichen Bereich durchgeführt.

Das führt dazu, dass in Baden-Württemberg eine Reihe Berufe nicht zugelassen sind (z.B. Kaufmann für Bürokommunikation, Bibliothekar, Friseur), die in anderen Bundesländern erlaubt sind.

Dass Baden-Württemberg den Boys‘ Day besonders restriktiv handhabt, musste Herr Dr. Bruno Köhler (Leiter des Projektes „Jungenleseliste“) erfahren, als er 2016 glaubte, einen Boys‘-Day-Platz für seinen Sohn in einer Gemeindebibliothek gefunden zu haben.
Die zuständigen Damen widerriefen jedoch ihre Zusage mit Verweis auf die Regelung in BW, die den Boys‘ Day auf eine Auswahl von Berufen im wesentlich sozialen Bereich beschränkt.
Es entwickelte sich daraufhin ein Mailwechsel zwischen Herrn Dr. Köhler und einem Mitarbeiter der Arbeitsagentur, der in BW für die Landeskoordination des Boys‘ und Girls‘ Days zuständig ist. Der Mailwechsel liegt mir vor. Darin wird die Einschränkung der für den Boys‘ Day erlaubten Berufe folgendermaßen begründet:

Im Unterschied zum Girls‘ Day steht beim Boys‘ Day vor allem auch das Rollenverständnis der Jungs im Mittelpunkt. Der Boys‘ Day will und soll dazu beitragen, die scheinbar gesellschaftlich zugeschriebenen Rollen zu hinterfragen und den Jungs eine eigenständig entwickelte Berufs- und Lebensplanung zu ermöglichen.

Bislang entscheidet sich etwa ein Drittel der männlichen Auszubildenden für einen von zehn jungentypischen Ausbildungsberufen im dualen System – kein einziger aus dem sozialen, erzieherischen oder pflegerischen Bereich ist darunter. Pflege, Erziehung: Sorgeberufe sind bislang „weiblich besetzt“. [..]
Am Boys‘ Day können und wollen wir nicht alle unbekannten Berufe aufzeigen, sondern konzentrieren uns auf diejenigen, die fest mit „weiblich“ konnotiert sind.

Der Boys‘ Day hat zum Ziel, das geschlechtsspezifische Berufswahlverhalten von Jungs, aber auch das Einstellungsverhalten von Betrieben und Einrichtungen „aufzubrechen“, das männliche Rollenbild zu erweitern. Jungs sollen ihre sozialen Kompetenzen nicht durch Theorie, sondern durch den praktischen Arbeitsalltag in erzieherischen und pflegerischen Berufe „erfahren“ können. [..]

Im Jahr 2009 hat sich der Lenkungsausschuss Baden-Württemberg (Mitglieder sind: das Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren, das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft und das Ministerium für Integration, der Städte-, Gemeinde- und Landkreistag, die Landesvereinigung Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände e.V., der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Liga der freien Wohlfahrtspflege, die Landeszahnärztekammer, die Landesärztekammer und die Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit) klar positioniert: Analog zum Fokus am Girls‘ Day für Mädchen vor allem auf den „untypischen“ sogenannten MINT-Berufen, soll der Fokus bei den Jungen an diesem Praxistag vor allem aus den genannten Gründen auf dem zukunftsträchtigen Berufsfeld der Pflege-, Erziehungs- und Gesundheitsberufe liegen.

Diese „Fokussierung“ ist eine Übereinkunft des Lenkungsausschusses Baden-Württemberg, der sich bewusst gegen weitere Berufsfelder entschieden hat, um eine Aufweichung des Boys‘ Day-Profils zu verhindern. [..]

Uns allen gemeinsam ist doch der Wunsch, dass zumindest an diesem einen Tag im Jahr Mädchen und Jungs ein Berufsorientierungsangebot gemacht wird, dass das Berufswahlverhalten „typisch Mann, typisch Frau“ bewusst hinterfragt.

Herr Dr. Köhler fragte zurück:

Meine Frage war, warum in BW im Gegensatz zu allen anderen Bundesländern Jungen am Boys´Day „nur“ die Hälfte der „Frauenberufe“ sich anschauen dürfen. Ich finde es aufschlussreich, dass ausgerechnet eine grün-rote Regierung immer noch Probleme mit einem männlichen Friseur, einem männlichen Verwaltungsbeamten und einem Bibliothekar hat.

Bezeichnenderweise erhielt er erst nach der zwischenzeitlich erfolgten Landtagswahl eine Antwort:

Beim Boys‘ Day in Baden-Württemberg wird der Schwerpunkt daher auf Berufe aus den Bereichen Soziales, Gesundheit, Pflege und Erziehung gelegt, da diese noch stärker weiblich geprägt sind und hauptsächlich mit „weiblichen“ Eigenschaften wie Einfühlungsvermögen oder soziale Kompetenz besetzt werden, was es jungen Männern erschwert ihr Interesse für diese Bereiche zu äußern.

Dr. Bruno Köhler gewann dadurch den Eindruck, dass

die Intension in BW für Mädchen und Jungen offenbar eine ganz andere ist. Der Girls Day soll dazu dienen, Mädchen frauenuntypische Berufe vorzustellen. Man will also was für Mädchen machen. Der Boys Day ist für die Arbeitgeber im Sozial- und Gesundheitsbereich, um Jungen dafür anzuwerben. Jungen sind also nur Mittel zum Zweck. Es ist diese unterschiedliche Einstellungen zu Mädchen und Jungen, die hier offensichtlich wird.

Baden-Württemberg macht auffällige Werbung damit, nicht Hochdeutsch zu können.

Ist es deshalb legitim, einem Jungen einen erhellenden Tag in einer Bibliothek zu verwehren, die ihm Impulse in sprachlicher Hinsicht hätte geben können? Es gibt kein besseres Mittel, Lesekompetenzen zu erwerben, als mit Büchern umzugehen.
Jungen haben diesbezüglich leider häufig Defizite im Vergleich zu Mädchen.
Der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist Schirmherr des Jungenleseförderprojektes Kicken und Lesen. Da hätte man erwarten können, dass Baden-Württemberg sich wirklich um die Zukunft der Jungen sorgt, und nicht einseitig nur die Zukunft der Mädchen ein Anliegen ist.

Ursprünglich war der „Zukunftstag“ einmal dafür gedacht, Schüler auf zukunftsträchtige Berufe hinzuweisen. Da steckte wohl tatsächlich eine gute Absicht dahinter. Der Umschwung auf die Begrenzung des Girls‘ Days auf männertypische Berufe deutet auf ein Weltbild hin, in dem Mädchen und jungen Frauen nicht zugetraut wird, selbst zu wissen, welche Berufe sie interessieren, und wofür sie persönlich begabt sind.
Die Einführung des Boys‘ Days ist in diesem Zusammenhang als reine Alibiveranstaltung zu sehen. Jungen sollen keine Berufe mit Zukunftsperspektive ergreifen, sondern frauentypische, oder gar – wie in Baden-Württemberg – im Wesentlichen auf Pflegeberufe begrenzt werden.
Zweifellos sind – insbesondere bei drohender Überalterung der Gesellschaft – solche Arbeitkräfte notwendig, aber den einzelnen Jungen wird damit kein Gefallen getan. Dies dient nur, um einem drohenden Fachkräftemangel vorzubeugen.

Es ist ein fatales Signal, Jungen den Eindruck zu vermitteln, sie wären der Gesellschaft weniger wert. Die einseitige Ausrichtung auf Förderung und Bevorzugung von Mädchen enttäuscht und entmutigt Jungen, denen von klein auf vermittelt wird, sie müssten gegenüber Mädchen zurückstehen. Und diese Ungerechtigkeit wird dann auch noch scheinheilig als Gleichberechtigung gelabelt.

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Nein heißt <undefined>

Entgegen den feministischen Behauptungen, Nein hieße immer und ausnahmslos Nein, ist ein Nein tatsächlich kontextabhängig, und eine Überlagerung verschiedener Werte, die alle gleichzeitig zutreffen können, wenn auch mit unterschiedlicher Gewichtung.

Einige Möglichkeiten:

  • „Eigentlich mag ich nicht unbedingt. Aber das kann sich ändern.“
  • „Vielleicht. Als Dame sage ich das aber nicht direkter.“
  • „Zeige mir deine Ernsthaftigkeit, indem du hartnäckig bleibst.“
  • „Ich bin bereits in einer monogamen Beziehung. Viel Glück bei deiner weiteren Suche.“
  • „Tut mir leid, aber im Moment geht es leider nicht. Probier’s ein andermal.“
  • „Hau ab, du Ekelschrat! Ich bin ⊆ {Feministin, frigide, asexuell, lesbisch}.“
  • „Jetzt bin ich ja gespannt, ob du dich traust, dich darüber hinwegzusetzen.“
  • „Beweis‘ erst mal, dass du dich nicht so leicht abwimmeln und entmutigen lässt.“
  • „Gerade eben habe‘ ich nicht so recht Lust. Bemühe dich ein wenig um mich.“
  • „Stell‘ mir nicht solche bescheuerten Fragen. Da lehne ich grundsätzlich ab.“
  • „Wenn ich mich ziere, werde ich noch begehrenswerter.“
  • „Hättest du es weniger plump angestellt, hättest du eine Chance bekommen.“
  • „Vielleicht. Ich warte noch ab, wie du auf das Nein reagierst.“
  • „Mir geht’s gerade nicht so gut. Ein wenig Zuwendung könnte mich entspannen.“
  • „Mal sehen, ob du dich traust, das Nein zu ignorieren.“
  • „Ein kleiner Shittest dient als erotisches Vorspiel.“
  • „Bedauerlicherweise entsprichst du nicht meinem Beuteschema. Viel Erfolg anderweitig!“
  • „Ich sage beim ersten Versuch immer nein, um nur beharrliche und durchsetzungsstarke Männer zu selektieren.“
  • ..

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Feministische Scheinprobleme: „Hepeating“

Dass sich jemand mit fremden Federn schmücken möchte, ist nun wirklich kein neues Phänomen.
Inwieweit sich dieses Verhalten signifikant zwischen Männern und Frauen unterscheidet, müsste erst einmal statistisch nachgewiesen werden. Shepeating dürfte genauso vorkommen.
Vielleicht formulieren die Betroffenen ihre Vorschläge auch missverständlich oder nicht deutlich genug aus.

Vorhin erst habe ich eine Art Brainstorming mit meinen (ausschließlich männlichen) Mitarbeitern durchgeführt. Da fällt schon mal jemand einem anderen ins Wort („manterrupting“), oder greift einen Gedanken auf, den ein anderer kurz vorher schon einmal geäußert hatte, und entwickelt ihn weiter. So läuft eben die konstruktive Arbeit in einem Team.

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