Vor 20 Jahren: Der Staat dringt ein in unsere Betten

Am 15. Mai 1997 wurde in Deutschland der Straftatbestand der „Vergewaltigung in der Ehe“ eingeführt.
Das war ein massiver Einschnitt, mit dem es dem Staat gelang, sich in das Privatleben bis dahin gesetzestreuer Bürger zu mischen, und diese zu kriminalisieren.
Inzwischen ist durch die Reform des Sexualstrafrechts das Gesetz noch restriktiver geworden. Inzwischen ist es schon kriminell, nachts an seinem Ehepartner herumzufummeln.
Auf diese Weise kann man natürlich auch eine Rape Kultur erzeugen, indem man die Definition von Vergewaltigung beliebig ausweitet, egal ob es sich um harmlose Belanglosigkeiten handelt, oder das, wofür es früher den schöneren, und in den meisten Fällen zutreffenderen Begriff „Vergewohltätigung“ gab.

Mit der Einführung der Strafbarkeit von „Vergewaltigung in der Ehe“ wurde staatlicherseits die Ehe abgewertet. Grundsätzlich geht es Außenstehende nämlich überhaupt nichts an, was Ehepartner im Rahmen ihrer Ehe miteinander treiben.
Die Eheschließung kann man in sexueller Hinsicht als (weitgefassten) Konsens betrachten. Dieser Konsens ist damit in Frage gestellt, und seine Bewertung Dritten überlassen.

Übrigens war auch vorher das Ehebett kein rechtsfreier Raum. Selbstverständlich war z.B. Körperverletzung schon vor 1997 strafbar, und auch der Tatbestand der sexuellen Nötigung war innerhalb einer Ehe anwendbar.
Es ist also nicht so, dass unerwünschte sexuelle Handlungen vorher nicht hätten bestraft werden können. Das Strafmaß war lediglich geringer.
Und da frage ich mich schon, was das für eine Ehe ist, in der man den Ehepartner möglichst lange hinter Gitter bringen möchte.
Wer dauerhaft den sexuellen Wünschen des Partners nicht nachkommen möchte, und deshalb ein Problem hat, sollte besser eine Trennung erwägen.

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„Feminismus ist keine Haltung sondern die Antwort auf Statistiken“ – wieder mal „Termine & Hinweise aus der Gleichstellungsstelle“ dokumentiert

Eigentlich wollte ich nicht jede Mail der Gleichstellungsstelle (einer ganz normalen kleinen, nicht-sauerländischen Großstadt in der EMN) hier wiedergeben.
Aber die gestrige möchte ich euch in seiner Skurrilität nicht vorenthalten.

Liebe Leser*innen,

auch diesen Monat hat sich wieder ein bunter Strauß vielfältiger Veranstaltungen in $Stadt1 und Umland für Sie ergeben. Ich hoffe, ich treffe damit Ihre Interessenlage und Sie haben Gelegenheit, bei der einen oder anderen teilzunehmen. Über Feedback und kurze Berichte von den Events freue ich mich immer!

Da zwischen meinem letzten Schreiben und diesem der Girl’s and Boy’s Day lag, an dem Mädchen in technische, naturwissenschaftliche, mathematische und IT-Berufe hineinschnuppern und Jungen sich im sozialen, künstlerischen, pädagogischen und pflegemedizinischem Arbeitsfeld umschauen, sende ich einen Artikel über frauendominierte technische Berufe als pdf mit.

Morgen: Der Verein $Verein feiert den Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie mit einem Informations- und Diskussionsabend zur Lage von Lesben, Schwulen, Bisexuellen sowie Transgender und Intersexuellen in den Städten $Stadt1 und $Stadt2. Die Veranstaltung, bei der auch die neue Studie der $Uni zur „Sexuellen Selbstbestimmung in der Kommune“ (initiiert durch das $Stadt1.Genitiv Büro für Chancengleichheit und Vielfalt und das $Stadt2.Genitiv Menschenrechtsbüro) präsentiert wird, findet am $Datum1. um 19:00 in der $Straße_Nr in $Stadt2 statt.

Übermorgen: Im Frauenzentrum $Stadt1.Genitiv treffen sich am $Datum2. von 17-19:00 Studentinnen aus allen Ländern und ab 19:00 folgt die Gesellschaftswerkstatt zum Thema kulturelle Aneignung. Das Konzept wird erklärt und über den kritischen und geschichtsbewussten Umgang mit der zweckentfremdenden Nutzung wichtiger Kulturgüter diskutiert.

Monatlich: In $Stadt2 gibt es jetzt eine Gesprächsgruppe für Mädchen und Frauen, die Gewalterfahrungen gemacht haben und damit fertig werden wollen. Die Gruppe trifft sich ei9nmal im Monat immer Donnerstags. Weitere Informationen stehen im Dokument „ALLTAGSKRAM“.

Sommerlich: Das Interdisziplinäre Zentrum Gender – Differenz – Diversität der $Uni hat eine Ringvorlesung für das laufende Semester organisiert, bei der Gender und Geschlechterforschung aus interdisziplinärer Perspektive beleuchtet wird. Die Veranstaltungen finden vom $Datum3 (ja, heute!) und dem $Datum4 in der Technischen Fakultät statt. https://www.izgdd.fau.de/veranstaltungen/ringvorlesungen/

Kirchlich: Die Schweizer Seite www.aboutgender.ch widmet sich dem Thema Gender, Identität, Sexualität und vor allem Vielfalt aus christlich-theologischer Sicht. Sie plädiert dafür, dass Nächstenliebe auch die Wertschätzung von Individualität bedeutet und dass das Ebenbild einer Gottheit, deren Geschlecht wir nicht kennen, ebenfalls viele Geschlechterrollen umfassen kann. Sehr interessant mit anschaulichem, jugendgerechten Comic.

Petitionen:
Diesen Monat könnt ihr dafür unterschreiben, dass Abschiebungen aus Bayern nach Afghanistan ausgesetzt werden:

https://www.openpetition.de/petition/online/aib-erlangen-agaby-aussetzung-der-abschiebung-von-gefluechteten-nach-afghanistan

Außerdem weise ich erneut auf die Kampagne „50% Frauen in den Parlamenten“ hin, die fordert, dass politische Mandate nach dem Reisverschlussverfahren an Männer und Frauen vergeben werden, so dass die Volksvertreter*innen zumindest beim Geschlecht die von ihnen repräsentierte Bevölkerung widerspiegeln: https://www.change.org/p/50prozent-frauen-in-den-parlamenten

Da diesen Monat auch das bundesweite Treffen der Gleichstellungsbeauftragten stattfand und mir von dort neben all den guten Gesprächen, spannenden Informationen und regen Diskussionen vor allem ein Satz in Erinnerung geblieben ist, möchte ich diesen gerne hier weitergeben weil er in seiner Klarheit und Wahrheit einfach toll ist und offensichtlich viel zu wenig verbreitet. Er stammt von Ingrid Kolb, die als Journalistin, Autorin und Leiterin der Henri Nannen Schule bekannt wurde:
„Feminismus ist keine Haltung sondern die Antwort auf Statistiken.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Vergnügen bei den Veranstaltungen und melde mich in ein paar Wochen wieder – lassen Sie mich wissen, wie ich die Newsletter noch mehr nach Ihrem Geschmack und Ihren Interessen gestalten kann!

Mit freundlichen Grüßen,

[..]

Jetzt wohne ich schon in einer Stadt mit einem der höchsten GPGs bundesweit, und das Patriarchat ist trotzdem nicht im Stande, solchen Schwachsinn zu unterbinden.
Ich bin enttäuscht. Schwer enttäuscht ..

Die „Antwort auf Statistiken“ korrigiere ich mal zu „Antwort auf fehlinterpretierte Statistiken“.

Dass am Samstag erst der Genderkongress in $Stadt2 stattgefunden hatte, ist den verantwortlichen Nicht-Männern entweder völlig entgangen, oder sie zogen es vor, ihn gar nicht erst zu erwähnen.

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Ist die Aussage „Männer denken oft an Sex“ männerfeindlich?

Auf Twitter habe ich eine Umfrage mit der im Titel genannten Frage durchgeführt:

Eigentlich wollte ich die Umfragedauer auf ein paar Tage verlängern, habe das aber beim Abschicken leider vergessen. So beteiligten sich nur 52 Personen, obwohl ich die Umfrage mehrfach retweetete, um sie in der Timeline meiner Follower zu halten.
Auch ansonsten ist eine Twitter-Umfrage selbstverständlich nicht repräsentativ oder belastbar. Eine gewisse Tendenz lässt sich jedoch – mit aller Vorsicht und Vorbehalt – ablesen.

Wenn man von denjenigen absieht, die sich nicht eindeutig festlegen wollten („Kommt drauf an“: 10, „Weiß nicht“: 2), haben zwar 33 mit „Nein“ gestimmt, aber immerhin 7 mit „Ja“. [Nachträglich editiert, da ursprünglich versehentlich vertauscht.]

Die Frage darf erlaubt sein, warum doch erstaunlich viele der sich beteiligenden Twitterer meinten, dass die Aussage „Männer denken oft an Sex“ männerfeindlich sei.
Wohlgemerkt – die Formulierung lautet nicht „Alle Männer ..“ noch „.. denken immer ..“, ist also sicherlich nicht übermäßig pauschalierend, und lässt Spielraum für individuelle Abweichungen.

Sinngemäß, wenn auch nicht wortwörtlich, habe ich die genannte Aussage mehrfach getätigt, und dazu stehe ich auch nach wie vor.

[Nebenbemerkung:
Leider wurden mir wiederholt Aussagen in den Mund gelegt, die sehr weit über die genannte Formulierung hinausgehen (z.B. hier bei Onyx), und sie extrem bis zur Unkenntlichkeit verzerren. Dort gibt es Behauptungen, die völlig sinnentstellend – teils bemüht subtil und teils sogar mit bemerkenswertem eristischen Geschick – impliziereren, ich würde Männer auf „reine Triebtiere reduzieren“.
Es ist mir völlig schleierhaft, wie man so etwas in irgendwelche meiner Worte hineininterpretieren kann, es sei denn, man sucht absichtlich und bösartig nach einer neuen Angriffsfläche, um mir eine konstruierte Männerfeindlichkeit zu unterstellen, weil mir ein entspanntes, freundliches – sprich unfeministisches – Verhältnis zu Männern missgönnt wird.
]

Ich überlasse es jedem Leser hier, selbst zu urteilen, welche Geisteshaltung und Einstellung gegenüber Männern und Sex dahintersteckt, wenn man eine Aussage wie „Männer denken oft an Sex“ als männerfeindlich wahrnimmt.

Da ich in den nächsten paar Tagen verreist bin, kann ich leider weniger auf Kommentare eingehen als sonst, und wenn dann wohl nur zeitverzögert.

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Interview mit einer Arbeitsrechtlerin auf @EditionF_com von @fraeulein_tessa

Die Juristin Sandra Runge ist auf Fälle spezialisiert, bei denen Eltern im Beruf benachteiligt werden. Sie erklärt, wie man sich wehren kann und wo Gesetze verbessert werden sollten.

So beginnt ein Artikel auf Edition F, in dem es zunächst um die Kündigung der Juristin Sandra Runge nach ihrer Elternzeit geht.

am ersten Tag nach der Elternzeit: Sandra Runge bekam zum Wiedereinstieg keinen freundlichen Empfang, sondern die Kündigung

Ein Arbeitgeber (mit guter Auftragslage) kündigt keiner guten Mitarbeiterin ohne Grund. Es wäre jetzt Spekulation zu überlegen, was dort genau vorgefallen ist. Fest steht aber, dass ihr Arbeitgeber Frau Runge offenbar nicht als Bereicherung seiner Kanzlei gesehen hat. Sonst hätte er ihr nicht gekündigt.

Mütter dürfen nicht ihrer beruflichen Perspektive beraubt werden, sobald sie einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand halten

Sie werden nicht ihrer „beruflichen Perspektive beraubt“, sollten sich allerdings darüber im Klaren sein, dass sowohl ein anspruchsvoller Job als auch Betreuung und Erziehung eines Kindes viel Zeit und Energie erfordern. Es ist praktisch nicht möglich, beides gleichzeitig wirklich gut zu machen. Man muss Prioritäten setzen, und seine Ambitionen dann vorrangig auf entweder Familie oder Beruf konzentrieren.
Männer haben diese Wahl normalerweise nicht.

Zentral ist für mich die Einführung des Diskriminierungsmerkmals ‚Eltern‘.

Also noch mehr Gängelung des Arbeitgebers durch das AGG. Das kann dann darauf hinauslaufen, dass ältere Arbeitnehmer, bei denen man davon ausgeht, dass sie ihre Familiengründungsphase abgeschlossen haben, bevorzugt eingestellt werden, und jüngere Arbeitssuchende haben das Nachsehen.
Auch in öffentlichen Institutionen würde dieses Diskriminierungsmerkmal darauf hinauslaufen, Nicht-Eltern zu diskriminieren.
Außerdem gebe ich zu bedenken, dass die Auswirkungen von Elternschaft auf die Berufstätigkeit zeitlich begrenzt sind. Spätestens wenn das jüngste Kinder volljährig ist, ist keine zeitintensive Betreuung mehr nötig, auch wenn eventuell noch ein Anspruch auf Kindergeld besteht (Hinweis: Privilegien von Eltern sind häufig an den Bezug von Kindergeld geknüpft).

Ausschluss von Beförderungen und Fortbildungen während und nach der Elternzeit, oder aber Meetings außerhalb der üblichen Kitabetreuungszeiten

Bei allem Verständnis für die Belange von Eltern unter den Mitarbeitern – wer nicht anwesend ist, kann auch nicht befördert werden, und Fortbildungsmaßnahmen dürften sich auch nur in Ausnahmefällen lohnen. Wie weltfremd ist das denn!
Wie kann man vom Arbeitgeber erwarten, dass er etwas für Mitarbeiter tut, deren Arbeitsleistung ihm aktuell gar nicht zur Verfügung steht, und die möglicherweise noch nicht einmal mehr ins Arbeitsleben zurückkehren.
Ein Arbeitsvertrag bedeutet Arbeit gegen Geld. Wenn das Beschäftigungsverhältnis wegen Erziehungszeit ruht, der AN also keine Arbeit leistet, ist der AG nicht zu irgendeiner Gegenleistung verpflichtet. Jede Forderung danach ist unangemessen.
Auch die Meetingtermine legt der AG ja nicht fest, um seine Mitarbeiter zu ärgern, sondern aufgrund von Notwendigkeiten. Vielleicht finden sich keine anderen Termine, oder es muss mit Personen kommuniziert werden, die sich in einer anderen Zeitzone befinden.
Diese Forderung ist wirklich unrealistisch und überheblich.
Ein privatwirtschaftliches Unternehmen ist zunächst einmal darauf angewiesen, Profit zu machen, um nicht nur seine Kosten zu decken, sondern auch – zum Wohle der ganzen Belegschaft – weiterhin am Markt bestehen zu können.

Der Sonderkündigungsschutz sollte auf acht Wochen nach dem Ende der Elternzeit ausgeweitet werden – Kündigungen im direkten Anschluss an die Elternzeit wären dann verboten.

Wenn der Arbeitgeber tatsächlich kündigen will (was er nur will, wenn es dafür einen Grund gibt), dann kündigt er halt dann erst acht Wochen später. Das ändert überhaupt nichts, verschiebt das Datum nur nach hinten, und erhöht den organisatorischen Aufwand.

[Anspruch auf Teilzeit] darf nicht mehr von der Größe des Unternehmens abhängen – auch Mütter, die in kleineren Unternehmen mit weniger als 15 Mitarbeitern arbeiten, hätten dann das Recht auf Teilzeitarbeit.

Was mutet diese Anwältin denn kleinen Unternehmen zu! Die Umsetzung kann für größere Unternehmen schwierig und problematisch sein, für kleine ist sie oft schlichtweg unmöglich, und kann möglicherweise das Aus bedeuten.

Daher appelliere ich an benachteiligte Mütter: Bitte informiert euch über eure Rechte und fordert diese notfalls vor Gericht ein, wenn es die persönliche und finanzielle Situation erlaubt – das hilft nicht nur euch, sondern auch anderen Frauen.

Das sagt eine auf Arbeitsrecht spezialisierte Anwältin. Cui bono? Dass von Klagen gegen den Arbeitsgeber vor allem Anwälte profitieren dürfte niemand bezweifeln.
Ihr Appell ist ein totsichere Tipp, um das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu zerstören. Selbst wenn der Arbeitnehmer dabei gerichtlich Recht bekommt, so ist das ein Pyrrhussieg, der ihm nicht viel nachhaltige Freude bringen wird.

Während am Anfang der Artikels noch der Eindruck erweckt wird, dass Frau Runge sich anwaltlich um Mütter und Väter gleichermaßen kümmert, wird später die Verpflichtung zum Kindesunterhalt einseitig Männern untergeschoben, und es wird behauptet, dass „viele Väter sich erfolgreich davor drücken“.

Abschließend gibt Frau Runge noch zu, sechs Jahre nach ihrer Kündigung immer noch wütend zu sein, was sie dazu befähigt, ihre Forderungen „emotionaler und vor allem lauter“ zu stellen.
Na, wenn das kein überzeugendes Argument ist ..

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Gibt es „Platonische“ Freundschaften zwischen Mann und Frau?

In der Diskussion zu einem meiner letzten Blogeinträge ging es auch darum, ob rein platonische Freundschaften zwischen einer Frau und einem Mann möglich sind.
Diese Frage wurde schon häufig irgendwo thematisiert. Es scheint dabei zwei unvereinbare Auffassungen zu geben:
Zum einen, dass keine platonische Freundschaft möglich ist (sofern beide zumindest halbwegs attraktiv sind), und zum anderen, dass dies sehr wohl nicht nur möglich, sondern sogar ganz normal sei.

Möglicherweise beruht dieses Dilemma nur auf unterschiedlichen Definitionen, was man unter „Platonisch“ jetzt genau versteht.
Wenn man platonische Freundschaft definiert, als die Nicht-Existenz jeglicher sexueller Gefühle, Wünsche und Fantasien, so hat wohl die erste Gruppe recht. (Natürlich kann man Gegenbeispiele konstruieren, in denen etwa ein Mann seit Kindesbeinen mit seiner uralten Tante befreundet ist, aber darauf zielt das Thema hier nicht ab).
Die zweite Gruppe hat dagegen recht, wenn man die Definition so formuliert, dass eine sexuelle Anziehung (die ja auch bedeutungslos gering sein kann) zwar vorhanden ist, aber beide nicht die Absicht haben, sie auch auszuleben. Ein Grund dafür könnte etwa sein, dass mindestens einer anderweitig gebunden ist. Oder aber Bedenken, dass man nach möglicherweise enttäuschendem Sex danach nicht mehr unbefangen miteinander umgehen kann.

Problematisch wird es, wenn die sexuelle Anziehung asymmetrisch ausgespägt ist. Wenn o.B.d.A. der Mann seine sexuellen Wünsche gegenüber dieser Freundin gerne umsetzen würde, aber sie nicht.
Ich habe den Eindruck, dass gerade Frauen diese Situation gerne „platonische Freundschaft“ nennen, was von Männern aber als „Friendzone“ empfunden wird.
Für diese Frauen ist es offenbar unvorstellbar, dass andere Menschen eine stärkere Libido haben als sie selbst. Darauf beruhen dann viele Missverständnisse, Frust und Enttäuschung.


Leicht off topic, aber nicht so wichtig, dass sich ein eigener Eintrag dafür lohnt:
In der Diskussion bei Miria wurde mir „Männerfeindlichkeit“ unterstellt, weil ich nicht alleine mit einem Mann in die Wohnung gehe, mit dem ich definitiv keinen Sex haben möchte. Das sei „paranoid“ und „unhöflich“.
Ich frage mich, wie man auf eine solche Interpretation kommen kann. Was ist denn daran unhöflich, wenn ich mit einem Mann, den ich unsympatisch oder uninteressant finde, nicht mit in seine Wohnung gehe?

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Sexismus bei @DieZeit: „Deutschland spricht“ #D17

Eigentlich eine gute Idee ist das von der Zeit geplante Projekt „Deutschland spricht“.

Man beantwortet fünf kontroverse Fragen, und die Zeit bemüht sich, bis zum 18. Juni einen Gesprächspartner in der gleichen Gegend zu finden, der möglichst die entgegengesetzte Meinung vertritt. Dann ist geplant, mit dem Gesprächspartner ein paar Stunden lang zu diskutieren, um außerhalb der eigenen Filterbubble ins Gespräch zu kommen.
Wie gesagt – ein interessanter Ansatz, den ich grundsätzlich befürworte.

Also machte ich mich daran, die Fragen zu beantworten. Allerdings hatte ich nur bei zweien eine eindeutige Meinung (und gerade diese Themen möchte ich nicht unbedingt mit einer fremden Person diskutieren).
Bei den anderen drei Fragen war ich unentschieden oder egal, bzw. „kommt drauf an“, musste mich aber dennoch zwischen Ja und Nein entscheiden.
Ein Thema, das mich gereizt hätte, war nicht dabei.

Nun ja, Web-Formular weiter ausgefüllt.
Frage nach Geschlecht angeklickt, und siehe da:

Eine weitere Frage wurde gestellt:

Ist es Ihnen wichtig, dass ihr [sic! Wessen Gesprächspartner überhaupt?] Gesprächspartner ebenfalls eine Frau ist?

Testweise wiederholte ich die Fragen, klickte diesmal aber „Mann“ an:

Diesmal blieb die Zusatzfrage aus.

Was soll das?
Wieso haben Frauen diese Zusatzoption, aber Männer nicht?
Und wieso darf sich niemand einen Mann als Gesprächspartner wünschen?

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Auf @EditionF_com von @_die_sara: „Wie ich das Programmieren für mich entdeckt habe“

Die Überschrift eines neuen Artikels auf Edition F war vielversprechend und machte mich neugierig: „Wie ich das Programmieren für mich entdeckt habe“.

Leider hielt der Titel dann bei weitem nicht, was er versprach.

Der Untertitel zum Titelfoto „Programmieren macht vor allem gemeinsam Spaß“ weckt zunächst mal Assoziationen zu Agilem Programmieren. Hm. Darüber kann man geteilter Meinung sein. Ich war also neugierig, wie es weitergehen würde.

Die Zwischenüberschrift „Was ist eigentlich ein Backend?“ sprang mir ins Auge, und erweckte die Hoffnung, dass der folgende Text auf halbwegs professionellem Niveau sein würde (Spoilerwarning: Dem war nicht so, und die Frage wurde nicht beantwortet).

Die üblichen unbegründeten Forderungen nach mehr Frauen in IT-Berufen schlossen sich an. Darüber habe ich mich schon oft genug geäußert, und will das diesmal nicht wiederholen.

Eine, die das ändern will, ist Anja Schumann. Sie ist Vorstandsvorsitzende von Moinworld e.V., einer Non-Profit-Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, den Anteil der weiblichen Software Entwickler und Manager im IT Bereich auf 50 Prozent zu erhöhen.

In einer Non-Profit-Organisation mag eine 50%-Quote möglich sein.
(Was bin ich heute wieder böse! 👿 )

„Wir wollen die IT-Welt positiv verändern, in dem wir mehr Frauen und Mädchen für das Programmieren begeistern und sie in Ihrem Werdegang unterstützen“

Einfache und ergebnisoffene Frage: Wieso verbessert es die IT-Welt, wenn mehr Frauen programmieren?

Es wäre ein großer Vorteil, wenn ein größerer Teil der Bevölkerung diesen Code lesen und schreiben kann.

Welchen Code? Es gibt zig unterschiedliche Programmiersprachen. Niemand kann die alle lesen und schreiben. Zudem ist der Code eines einigermaßen komplexen Projekts dermaßen umfangreich, dass ihn nur einige wenige Spezialisten, die sich konkret damit lange beschäftigen, überblicken können.

Damit das gelingt, bietet sie neben Netzwerkveranstaltungen auch verschiedene Programmierkurse für Frauen an: In Blöcken von zehn Unterrichtsstunden kann man bislang HTML & CSS, JavaScript oder Python lernen.

😯
HTML ist keine Programmiersprache, sondern eine Markup-Sprache.
Javascript und Python sind Skriptsprachen, werden also vom ausführenden Rechner nur interpretiert.
CSS ist .. naja, dient zur Formattierung von Webseiten.
Was hat das alles mit Programmierung zu tun?

Und warum sind diese Kurse nur für Frauen und schließen Männer aus (sofern sich diese überhaupt mit diesem Niveau zufriedengeben wollen)?

Weitere Kurse für Android Prgrammierung und Java sind in Planung.

Android Äpps erstellt man durch ein wenig Rumgeklicke und Zusammenstellung einzelner Kontrollelemente.
Java ist sooo langsam, und macht nur Probleme, wenn die richtige Version der Runtime Engine nicht installiert ist. Wer fängt heutzutage noch neu mit Java an? Das ist nicht zukunftsfähig.

(Für Programmierbeginner mag es durchaus sinnvoll sein, die ersten Schritte mit Javascript zu machen. Denn dies kostet nichts, benötigt keine Installation, und macht auch sonst keinen Aufwand. Man kann sofort loslegen und braucht nur einen einfachen ASCII-Text-Editor.
Sobald man die grundlegenden Programmierkonzepte verstanden hat, kann man sich immer noch überlegen, eine höhere Programmiersprache wie C++ zu erlernen. Dafür ist natürlich ein Compiler unumgänglich und eine Entwicklungsumgebung sinnvoll.)

Aber selbst Webseiten programmieren?

Webseiten „programmiert“ man nicht, sondern bastelt sie aus HTML und CSS zusammen. Fortgeschrittene können dann server- (z.B. PHP) oder client- (z.B. Javascript) -seitige Skripten hinzufügen.
Trotzdem ist Webdesign und Webentwicklung etwas, das ich nicht als ernsthafte Programmierung begreifen würde. Für „richtige“ Softwareentwicklung braucht man einen Compiler. Skripten und interpretativen Sprachen eignen sich nur für einfache, kleinere Projekte, für die man keine Performance braucht.
(Natürlich lassen die Webseiten sich auch als HTTP-Server programmieren. Das war jedoch in diesem Text nicht gemeint.)

So geht das noch ein wenig weiter, aber es ist enttäuschend, wie hier das simple Erstellen von Webseiten mit Programmieren gleichgesetzt wird.
Ich wage es kaum, darauf hinzuweisen, dass professionelle Software-Entwicklung und Software-Engineering noch um einiges anspruchsvoller sind als das reine Schreiben von Code.

Wer sich schon für einen Programmierer hält, bloß weil er eine (statische) Webseite schreiben kann, der überschätzt sich gewaltig.
Leider wird in diesem Artikel gerade dieser Eindruck vermittelt, den ich nicht unwidersprochen stehen lassen wollte. Das Verständnis, was Programmierung ausmacht, scheint zu fehlen.

Als kontrastierenden Abschluss verlinke ich noch den Blogeintrag, „wie ich das Programmieren für mich entdeckt habe“.

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