Gastbeitrag: „Feminismuskritik und die Verbreiterung der Spielfläche“

Der folgende Text ist ein Gastbeitrag eines Lesers, den ich unverändert hier einstelle, um ihn Interessierten zugänglich zu machen.
Der Wortlaut spiegelt nicht unbedingt meine eigene Meinung wider.


Zu Beginn ein Zitat [1] vom Herrn Schoppe, welches mich kürzlich getriggert hat:

„Die einzige Lösung [im Falle von radikal-feministische Äußerungen] ist also, das Spiel zu ändern, und dafür ist m.E. die Verbreiterung der Spielfläche die beste Möglichkeit. Mehr Menschen einbauen – Menschen ansprechen, die mit solcher Doppelmoral nicht einverstanden sind, die aber nichts davon wissen oder die nicht viel dazu sagen“

Ich halte das für einen sehr innovativen und wichtigen Gedanken. Werfen wir jedoch zunächst einen Blick auf die Ausgangslage.

Der Maskulismus möchte zum einen Männerrechte gegenüber gesellschaftlichen Konventionen und Vorurteilen durchsetzen. Gleichzeitig kämpft er gegen einen Staatsfeminismus, der zunehmend von der gesellschaftlichen Bewegung zu einem institutionellen Zustand wird. Beide Ziele sind jeweils für sich schon Herkulesaufgaben.

Dennoch gibt es aus Sicht des Maskulismus zunindest einige Erfolge. Ein unverheirateter Vater ist mittlerweile kein familienrechtliches Freiwild mehr [2]. In vielen Ländern auf verschiedenen Kontinenten gibt es Organisationen, Konferenzen und Klagen gegen Woman-only [3] vor Gericht.

Aufgrund der gesellschaftlichen Ausgangslage läuft der Maskulismus an manchen Punkten jedoch gegen eine Wand, da auf der Gegenseite ein Opfermagnetismus vorhanden ist. Dieser verschafft den (meist weiblichen) Anhängern des Feminismus einen großen Vorteil im Rahmen der Zuweisung der Opferrolle. Dazu kommt, dass die meisten Menschen da draußen kaum eine Vorstellung davon haben, was Maskulismus ist. Das Narrativ vom bösen Mann zieht hingegen nach wie vor sehr häufig. Die Gleichsetzung von Antifeminismus und Rechtspopulismus gibt es gratis dazu [4].

Die Gegenseite ist gut darin, möglichst viele Bereiche und Institutionen (Publikative, Parteien, Bildungssystem, usw.) zu besetzen. Es handelt sich dabei im Übrigen nicht um eine Verschwörung, sondern schlicht um Methodik. Der Autor dieser Zeilen durfte diesen Vorgang auch schon selbst in einer Organisation erleben. Die Gegenmaßnahme ist expliziter Ausschluss. Also eine Art der Organisation, die sowohl in ihren Zielen nach außen als auch nach innen gegenüber ihren Mitgliedern Feminismusfreiheit gewährleistet. Auf dieser Basis kann eine Organisation dann Ressourcen wie Mitglieder, Geld oder Wissen sammeln und kanalisieren.

Doch wie sieht sie aus, die zitierte „Verbreiterung der Spielfläche“ und warum ist sie interessant?

Zunächst spricht ein universeller Ansatz feminismuskritische Frauen an. Und das ist gut, denn Frauen können nach meiner Erfahrung mit Feminist/-innen (SCNR) in einer Diskussion ganz anders umgehen als Männer. Alleine die Männer werden den Feminismus nicht aufhalten. Doch was passiert, wenn Mütter realisieren, dass ihr männlicher Nachwuchs in der Schule benachteiligt und von den feministrischen Strukturen an den Unis als Quelle des Bösen betrachtet wird? Oder wenn Frauen mit Kinderwunsch auf der Suche nach „Mr. Right“ merken, dass gesellschaftliche und politische Entwicklungen für viele Männer die Vaterrolle unattraktiv machen? Sobald mehr Menschen verstehen, dass der Feminismus den Frauen die Männer kaputt macht, wird die These vom Geschlecht als Klasse sehr schnell widerlegt werden.

Geschlechterpolitik bildet meistens politische Querschnittsthemen ab. Es gibt keinen Grund, warum die Definition und Diskussion dieser Themen von einer feministischen Minderheit bestimmt wird. Eine universelle, nichtfeministische Organisation kann diese Diskussionen auch frei von politischen Blöcken und Ideologien führen. Um das dauerhaft zu gewährleisten, stellt man die gesamte Gesellschaft in das Zentrum der Diskussion. Demokratiefeindliche Kräfte müssen außen vor gehalten werden, da diese genau das verhindern.

Die Geschlechterpolitik ist voll mit ganzheitlichen Themen. Beispielsweise wird (auch im Maskulismus) viel über Trennungsfolgen diskutiert, aber wenig über die dem vorgelagerte Definition der Ehe. Gesamtgesellschaftliche Organisationen und Parteien sind zunehmend nicht mehr in der Lage, solche Querschnittsfragen zu bearbeiten. Dies kann man etwa bei der SPD beobachten, welche seit ihrem Abstieg als Volkspartei zunehmend verzweifelt nach Wählern sucht und daher versucht, bevorzugt jüngere Frauen anzusprechen. Eine demokratische Geschlechterpolitik jenseits des Feminismus hat aktuell keine Basis.

Darüber hinaus ist mein Eindruck, dass die geschlechterpolitische Situation bei manchen Beteiligten zur Entstehung von Frust und Wut führt. Einige dieser Leute verlassen in der Folge dann deshalb den demokratischen Sektor, weil sie dort keine politische Repräsentanz finden. Eine segregative Betrachtung der Gesellschaft als Ansammlung von Gruppen kann also auch das politische Spektrum zerfasern. Für eine Reintegration müssen Meinungen und Argumente wieder in den Vordergrund rücken. Diese kann der Einzelne nämlich leichter ändern und weiterentwickeln als sein Geschlecht oder seine Herkunft.

Also, wie geht es aus der Ecke ins Forum?

Eine solche Organisation erfordert es also 1. Anhänger des Feminismus nicht aufzunehmen, sich 2. die Geschlechterpolitik jenseits des Feminismus zu entwickeln, 3. diesen Zweck überparteilich und unabhängig von politischen Richtungen zu verfolgen und 4. sich auf allen Ebenen von demokratiefeindlichen Organisationen, Denkweisen und Subjekten abzugrenzen.

Mit Blick auf die Ereignisse der letzten Zeit gibt es genug zu tun:

– Klagen vor Gericht einreichen oder unterstützen, z. B. in Fällen wie [5]
– Vertretung feminismuskritischer Standpunkte gegenüber öffentlichen Organisationen, Parteien usw.
– die Wissensbasis auf-/ausbauen – was kostet die Gleichstellung beispielsweise die öffentlichen Haushalte?
– öffentliche Diskussionsveranstaltungen zu geschlechterpolitischen Themen, z. B. zur gesellschaftliche Bedeutung der Ehe, der Situation von Eltern, etc.

Wir sollten das diskutieren. Alles, außer Feminismus.

[1] https://man-tau.com/2018/09/03/passmann-zeit-z2x/#comment-17428
[2] https://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2013-01/sorgerecht-neu
[3] https://www.newsy.com/stories/men-s-rights-advocates-sue-for-over-women-only-spaces/
[4] https://www.frauenbeauftragte.org/sites/default/files/uploads/downloads/antifeminismus_als_demokratiegefaehrdung.pdf
[5] https://www.zeit.de/2018/30/gebhard-henke-wdr-belaestigung-vorwurf

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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5 Antworten zu Gastbeitrag: „Feminismuskritik und die Verbreiterung der Spielfläche“

  1. SG schreibt:

    Das Pendel schwingt hin und her. Lässt es uns in der Mitte anhalten!

    Gefällt mir

  2. luisman schreibt:

    Diese Probleme lassen sich in einer Parteien-Demokratie nicht mehr loesen, insbesondere wenn die regierenden Parteien ein Propagandamonopol haben. In einer Volksabstimmungs-Demokratie (wie manchmal in der Schweiz), wenn jeder vorher „equal time“ in den Medien bekommt, wuerde:
    1. Feminismus als Staatsdoktrin mit 2/3 Mehrheit abgelehnt.
    2. Immigration von Moslems mit 80% Mehrheit abgelehnt.
    Noch mehr Diskussion hilft da gar nichts.

    Gefällt 1 Person

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